«Ich musste meine Seele befreien»

Weltcup-Gesamtsiegerin Tina Maze spricht drei Wochen vor den Olympischen Spielen über ihren neuen Trainer aus der Schweiz, eine besondere Geste von Lara Gut und den Kampf gegen den Krampf.

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Für den grössten Lacher beim Medientermin mit Tina Maze in Cortina sorgte ihr Chefcoach und Lebenspartner Andrea Massi. Auf den Wechsel auf dem Trainerposten vor einer Woche von Walter Ronconi zum Schweizer Mauro Pini angesprochen, sagte Massi: «Das ist wie überall im Sport – wenn es nicht läuft, wird der Trainer gewechselt, ich kann ja nicht die Fahrerin austauschen.» Diese universelle Sportlerweisheit klingt sehr seltsam, wenn das der Lebensgefährte sagt.

Maze zeigt nach missratenem Saisonstart nun deutliche Aufwärtstendenz, vor allem in den Speeddisziplinen. Sie nahm sich am Donnerstag in Cortina, einer ihrer Lieblingsdestinationen, viel Zeit, um die Gründe zu erklären.

Warum ist die Saison bisher nicht nach Ihren Erwartungen verlaufen?
Nach meinem erfolgreichen Winter mit so vielen Rekorden war es nicht einfach. Im Sommer in der Vorbereitung ging es immer wieder um die Frage: Wie kann ich noch besser werden?

Schwierig nach einem Winter der Superlative.
Genau. Ich habe mich gefragt: Wie soll ich das noch besser machen? Ich war manchmal richtig ratlos, weil ich die Antwort nicht wusste, denn darum geht es doch im Spitzensport, es geht immer darum, sich zu verbessern.

Haben Sie deshalb vor anderthalb Wochen den Tessiner Mauro Pini als Trainer verpflichtet?
Mein Saisonstart war nicht wirklich gut, und wenn etwas nicht funktioniert, muss man etwas tun. Wir hatten eine tolle Zeit mit Walter Ronconi, aber wir mussten etwas ändern.

Mit Pini läuft es besser?
Wir hatten von Anfang an ein sehr vertrauensvolles Verhältnis. Mauro kam vor zwei Wochen zu uns, die Kommunikation hat sofort funktioniert. Ich war dann sehr gespannt auf den ersten Super-G, denn das ist die schwierigste Disziplin, da zeigt sich, ob die Kommunikation, das Verständnis zwischen Athletin und Trainer, funktioniert.

Und?
Es war richtig gut in der Superkombi von Zauchensee, der Super-G war der erste Teil. Ich war sehr schnell, habe aber einen Fehler gemacht – doch das war mein Fehler, nicht der von Mauro...

Was bewirkt ein neuer Trainer konkret?
Mauro hat sehr viel Energie ins Team gebracht. Mit einem neuen Mitglied im Team verändert sich auch die gesamte Atmosphäre. Und vielleicht war dies das Wichtigste: Ich musste meine Seele wieder befreien, ich war irgendwie blockiert. Aber jetzt geht es immer besser. Der Erfolg ist wie ein schwieriges Puzzle mit sehr vielen Teilen. Mit guten Leuten um sich ist es einfacher, das Puzzle richtig zusammenzusetzen.

Haben Sie sich in der schwierigen Startphase dieser Saison manchmal an die vielen grossartigen Tage im vergangenen Winter zurückerinnert?
Ich habe mir vor zwei Monaten zum ersten Mal den Film meiner letzten Fahrt im März beim Weltcupfinale auf der Lenzerheide angeschaut. Damals sind Lara Gut und die anderen Mädels vor mir auf die Knie gegangen. Ich hatte das gar nicht wirklich realisiert, ich war derart ausser mir. Erst auf dem Film habe ich diese Szene gesehen und gedacht: «Wow, das haben sie für mich gemacht!» Es war eine grossartige Szene... diesen Film habe ich mir danach noch öfters angeschaut.

Erstellt: 17.01.2014, 13:47 Uhr

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Im ersten Training vom Donnerstag war Fabienne Suter als Vierte die schnellste Schweizerin. Bestzeit stellte die deutsche Gesamtweltcup-Leaderin Maria Höfl-Riesch auf.

Der Frauen-Weltcup wird auch in der nächsten Woche in Cortina gastieren, weil die Station die abgesagten Rennen von Garmisch-Partenkirchen übernommen hat. (si)

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