«Ich musste vieles alleine machen»

Dario Cologna gewann im Val die Fiemme auf überzeugende Weise Gold im Skiathlon. Der Bündner freute sich über seine erste WM-Medaille, konnte sich aber einen Seitenhieb nicht verkneifen.

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Dario Cologna hat es geschafft. Endlich, möchte man beifügen. Der Olympiasieger sowie dreifache Gewinner der Tour de Ski und des Gesamtweltcups lässt sich mit knapp 27 Jahren endlich seine erste Medaille an Weltmeisterschaften umhängen – und es ist eine goldene. Der Bündner lief im Skiathlon über 30 km, bei dem je 15 km in klassischer und freier Technik absolviert werden, überlegen zum Sieg. In der letzten Schlaufe griff Cologna an, liess sich nicht mehr von der Spitze verdrängen und schüttelte im letzten kleinen Anstieg vor dem Stadion auch noch seine letzten Verfolger ab. Der Schweizer bog solo auf die Zielgeraden ein und musste sein Gold nicht mehr in einem Endspurt bestätigen. Mit ausgebreiteten Armen liess er sich ins Ziel gleiten, auf überschwänglichen Jubel verzichtete er.

Um die restlichen zwei Podestplätze kämpften drei Norweger. Der Titelverteidiger Petter Northug ging überraschend leer aus. Silber holte sich Martin Johnsrud Sundby, Bronze ging an Sjur Röthe. Der Bündner Curdin Perl hielt fast bis zum Schluss in der Spitzengruppe mit und wurde mit Rang 14 belohnt.

Historische WM-Medaille

Cologna schaffte im Schweizer Langlauf-Sport Historisches. Erstmals erklang bei Weltmeisterschaften die Schweizer Nationalhymne. Letztmals hatte Evi Kratzer 1987 in Oberstdorf als Dritte über 5 km auf einem WM-Podest gestanden. Auch die Bronzemedaillen von Sepp Haas 1968 über 50 km bei den Olympischen Spielen in Grenoble und der Staffel 1972 in Sapporo gelten als WM-Medaillen, weil zwischen 1948 bis 1980 der Olympiasieger auch automatisch Weltmeister war.

Mit diesem Sieg fällt Cologna ein grosser Druck von den Schultern. Bereits 2009 in Liberec und 2011 in Oslo war er als Weltcupführender angereist, musste aber die Titelkämpfe stets mit leeren Händen verlassen. Mehr als einen 4. Rang im Sprint konnte er nicht vorweisen. Nun schloss er eine der letzten Lücken in seinem Palmarès. Der elffache Weltcupsieger hat nun alle wichtigen Rennen gewonnen, sieht man vom prestigeträchtigen Fünfziger in Oslo ab.

Der kleine Seitenhieb

Der Bündner zeigte sich nach seinem Triumph glücklich, aber dennoch gelassen. «Es geht bei mir gedanklich schon sehr viel ab. Natürlich bin ich überglücklich. Aber irgendwie habe ich es noch nicht richtig realisiert. Es war ein unglaubliches Rennen, so, wie ich es mit erträumt habe», war seine erste Reaktion gegenüber dem Reporter von SRF. Natürlich habe er schon lange von einer WM-Medaille geträumt. «Ich wollte diesen Titel unbedingt.» Cologna konnte sich einen Seitenhieb gegen die Konkurrenz nicht verkneifen. «Ich musste heute vieles alleine machen, weil die anderen Läufer nicht die Eier hatten», sagte der Bündner schmunzelnd. In der Tat verrichtete Cologna oft die Führungsarbeit und forderte die anderen auf, mitzumachen – meistens vergeblich.

Ziel dieser Taktik war, den endschnellen Northug in Schach zu halten. Schliesslich gelang dieses Unterfangen doch noch, auch weil Cologna, der gleich nach dem Start einen Sturz verkraften musste, in der Schlussrunde die Nerven behielt. Seinem explosiven Kraftakt im Schlussaufstieg konnte niemand folgen, auch die norwegische Fraktion nicht. Nicht zu unrecht meinte auch Geri Hetlund, Cheftrainerin und starke Frau bei den Schweizer Langläufern: «Es ist alles aufgegangen. Er ist ein starkes Rennen gelaufen, seine Vorstellung war beeindruckend. Ich freue mich so für Dario.»

Das Kompliment des Stars

Zufrieden mit seiner Leistung war auch Curdin Perl, der sich bis zum Schluss nicht verstecken wollte. «Im zweitletzten, steilen Aufstieg bin ich dann eingebrochen. Das war schade. Am Schluss konnte ich dennoch einige Plätze gutmachen», erklärte der Bündner, der schliesslich beachtlicher 14. wurde.

Northug, als Vierter der grosse Geschlagene in diesem Rennen, zeigte Grösse in der Niederlage. «Es war ein harter Kampf. Ich hätte länger in der Spitzengruppe bleiben sollen, dann hätte ich ein Wort um die Medaillen mitreden können. Aber Dario ist ein starker, kompletter Langläufer, der diesen WM-Titel wirklich verdient hat.»

Teamsprint mit Kindschi und Tambornino

Cologna wird im Val di Fiemme noch drei weitere Einsätze bestreiten. Den Teamsprint vom Sonntag lässt er (und auch Curdin Perl) aus, als frischgebackener Weltmeister wird sich der Samstag lange hinziehen. Am Mittwoch folgen die 15 km in der Skatingtechnik, am Freitag der Staffeleinsatz und zum Schluss der Titelkämpfe im Trentino der Start zum Fünfziger. Beim Teamsprint gehen für die Schweiz Eligius Tambornino und Jöri Kindschi an den Start.

Erstellt: 23.02.2013, 16:32 Uhr

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