Italienische Premiere in Beaver Creek

Auch das zweite Rennen in Beaver Creek endet mit einem italienischen Sieg. 24 Stunden nach dem Abfahrts-Erfolg von Christof Innerhofer gewinnt Matteo Marsaglia den Super-G.

Der strahlende Sieger: Matteo Marsaglia.

Der strahlende Sieger: Matteo Marsaglia. Bild: Keystone

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Matteo Marsaglia machte es vor. Der in Rom aufgewachsene und mit 14 Jahren mit der Familie in die Olympia-Station San Sicario abgewanderte Italiener riskierte alles - und kam trotzdem ohne zeitraubende Fehler durch. Belohnt wurde die couragierte Fahrt mit dem ersten Sieg im Weltcup. Als Bestergebnisse hatte Massaglia zuvor vierte Plätze im Super-G in diesem März beim Finale in Schladming und in der Super-Kombination bei der Olympia-Hauptprobe in Sotschi ausgewiesen.

Gesundheitliche Rückschläge

Dass Marsaglia 27 Jahre alt werden musste bis zu seiner Premiere, lag zur Hauptsache am Verletzungspech. Operationen an Schulter und Knien sorgten immer wieder aufs Neue für Rückschläge. In den letzten zwei Saisons erst blieb er vor gesundheitlichen Problemen verschont. Dass er und seine Teamkollegen in diesem Sommer und Herbst im Gegensatz zum vergangenen Jahr optimale Bedingungen zur Vorbereitung vorfanden, beschleunigten die Fortschritte Marsaglias ebenfalls.

Marsaglia fährt mit Rossignol die gleiche Skimarke wie Défago und Innerhofer. Mit dem Super-G-Weltmeister, der einen neuerlichen Sieg mit einem schweren Fehler im unteren Streckenteil vergeben hat, teilt sich Marsaglia den Servicemann. Der Slowene Ales Kalamar ist sich Erfolge gewohnt. Zuvor war er unter anderem für die Präparation der Ski des Norwegers Lasse Kjus und des Amerikaners Ted Ligety verantwortlich gewesen. «Matteo ist ein 'echter' Italiener», sagt Innerhofer über seinen Teamkameraden. «Er ist ein lockerer Typ, mag es gerne gemütlich und schläft auch mal gerne etwas länger.»

Der italienische Skiverband macht seit geraumer Zeit nicht nur mit erfolgreichen Athleten von sich reden. Er ist auch wegen anhaltender Finanzknappheit in die Schlagzeilen geraten. Den Alpinen, zumindest der Männer-Equipe, erwachsen durch die pekuniären Engpässe allerdings keine Nachteile. Defizite werden in der Regel vom Nationalen Olympischen Komitee gedeckt. «Wegen dem fehlenden Geld spüren wir nichts», sagt Innerhofer. «In dieser Saison steht uns sogar ein Trainer mehr zur Verfügung.» Und als der Südtiroler vor zwei Monaten einen Physiotherapeuten forderte, wurde ihm auch dieser Wunsch erfüllt.

Fehlende Aggressivität

Die aggressive Fahrweise Marsaglias liessen die Schweizer vermissen. Das Ergebnis dieser Zurückhaltung war das schlechteste Abschneiden in einem Weltcup-Super-G der Männer seit neun Jahren. Im November 2003 war Paul Accola in Lake Louise als bestplatzierter Vertreter von Swiss-Ski ebenfalls Sechzehnter geworden.

Défago ging auf dem letzten Abschnitt zu brav zu Werke. «Ich nahm zu viel Tempo weg», berichtete der Walliser. Die Bereitschaft zu mehr Risiko fehlte auch Carlo Janka. «Wegen der tiefen Startnummer und nach dem Sturz von Stephan Keppler fehlten mir die Anhaltspunkte», sagte der mit der «3» ins Rennen gegangene Bündner, der sich mit Rang 18 zufrieden geben musste. Patrick Küng, der nach dem Kreuzbandriss erst sein drittes Weltcup-Rennen bestritt, sprach nach Platz 24 von einer soliden Fahrt. «Mehr war das nicht. Um wieder voll angreifen zu können, geht mir aufgrund von fehlenden Trainingskilometern die letzte Konsequenz noch ab.» Sandro Viletta verpasste zwölf Monate nach seinem unerwarteten Sieg sogar eine zählbare Klassierung. Wäre dem Engadiner im Zielhang nicht ein gravierender Fehler unterlaufen, wäre indessen weit mehr als Rang 32 dringelegen.

Svindal wieder Zweiter

«Wieder ein Italiener», sagte Aksel Lund Svindal spasseshalber. Der Norweger musste erneut lediglich einem Fahrer der Squadra Azzurra den Vortritt lassen und polierte mit Rang 2 seine persönliche Bilanz dieser Nordamerika-Tournee zusätzlich auf. «Zwei Siege, zwei zweite Plätze. Das darf sich sehen lassen.» Mit Platz 3 bestätigte Hannes Reichelt ein weiteres Mal seine Vorliebe für die «Birds of Prey». In Beaver Creek hatte der Salzburger schon zweimal, 2005 und 2007, den Super-G gewonnen.

Ein anderer aus dem ÖSV-Team zählte zu den Pechvögeln des Rennens. Max Franz, schon in der Abfahrt tags zuvor nicht ins Ziel gekommen, stürzte fürchterlich, kam aber mit einer Gehirnerschütterung und Abschürfungen im Gesicht relativ glimpflich davon. Weniger Glück hatte der Kärntner auf der Raubvogel-Piste vor drei Jahren gehabt. Damals hatte er sich im Abfahrtstraining ohne zu stürzen einen Kreuzbandriss zugezogen.

Resultate:

Beaver Creek (USA). Weltcup-Super-G der Männer. Schlussklassement: 1. Matteo Marsaglia (It) 1:14,68. 2. Aksel Lund Svindal (No) 0,27 zurück. 3. Hannes Reichelt (Ö) 0,70. 4. Ted Ligety (USA) 0,74. 5. Werner Heel (It) 0,88. 6. Kjetil Jansrud (No) 0,90. 7. Matthias Mayer (Ö) 0,99. 8. Gauthier De Tessières (Fr) 1,11. 9. Thomas Mermillod Blondin (Fr) 1,19. 10. Jan Hudec (Ka) 1,26.

11. Erik Guay (Ka) 1,27. 12. Florian Scheiber (Ö) 1,28. 13. Johan Clarey (Fr) 1,34. 14. Georg Streitberger (Ö) 1,36. 15. Guillermo Fayed (Fr) 1,47. 16. Didier Défago (Sz) 1,49. 17. Christof Innerhofer (It) 1,55. 18. Siegmar Klotz (It), Carlo Janka (Sz) und Thomas Biesemeyer (USA) je 1,57. 21. Joachim Puchner (Ö) 1,62.

Ferner: 23. Klaus Kröll (Ö) 1,72. 24. Patrick Küng (Sz) 1,80. 25. Adrien Théaux (Fr) 1,81. 26. Ivica Kostelic (Kro) 1,91. 28. Romed Baumann (Ö) 1,98. 29. Dominik Paris (It) 2,10. - Ohne Weltcup-Punkte: 32. Sandro Viletta (Sz) 2,33. 33. Marcel Hirscher (Ö) 2,34. 37. Gino Caviezel (Sz) 2,47. 39. Marc Berthod (Sz) 2,61. 40. Silvan Zurbriggen (Sz) 2,68. 46. Tobias Grünenfelder (Sz) 3,01. - 70 gestartet, 53 klassiert.

Ausgeschieden u.a.: Thomas Tumler (Sz), Travis Ganong (USA), Stephan Keppler (De), Max Franz (Ö), Benjamin Raich (Ö), Andrew Weibrecht (USA), Alexis Pinturault (Fr), Peter Fill (It), Natko Zrncic-Dim (Kro). (si)

Erstellt: 01.12.2012, 21:51 Uhr

Weltcup-Gesamtstände

Gesamtweltcup: 1. Aksel Lund Svindal (No) 360 Punkte. 2. Ted Ligety (USA) 220. 3. Kjetil Jansrud (No) 159. 4. Marcel Hirscher (Ö) 140. 5. Manfred Mölgg (It) 130. 6. Matteo Marsaglia (It) und Hannes Reichelt (Ö) je 129. 8. Christof Innerhofer (It) 125. 9. Klaus Kröll (Ö) 113. 10. Max Franz (Ö) 112. Ferner: 19. Didier Défago (Sz) 86. 29. Patrick Küng (Sz) 56. 37. Carlo Janka (Sz) 37. 59. Markus Vogel (Sz) 14. 70. Silvan Zurbriggen (Sz) 11. 80. Sandro Viletta (Sz) 6.

Super-G: 1. Aksel Lund Svindal (No) 180. 2. Matteo Marsaglia (It) 129. 3. Ted Ligety (USA) 100. 4. Werner Heel (It) 90. 5. Adrien Théaux (Fr) 86. 6. Matthias Mayer (Ö) 76. Ferner: 14. Patrick Küng (Sz) 33. 25. Didier Défago (Sz) 15. 27. Carlo Janka (Sz) 13. 35. Sandro Viletta (Sz) 6. 36. Silvan Zurbriggen (Sz) 4. (si)

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