Janka weiss, wie schnell er sein kann

Der 24-Jährige hat trotz gesundheitlicher Probleme rechtzeitig zur WM seine Zuversicht wiedergefunden. Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtet ab 11 Uhr live.

Das Schweizer Super-G-Quintett: Sandro Viletta, Tobias Grünenfelder, Silvan Zurbriggen, Carlo Janka und Didier Cuche.

Das Schweizer Super-G-Quintett: Sandro Viletta, Tobias Grünenfelder, Silvan Zurbriggen, Carlo Janka und Didier Cuche. Bild: Keystone

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Ein Wohlgefühl hat Carlo Janka während Interviews immer noch nicht. Am Montag sass er im House of Switzerland, einen Wald von Mikrofonen direkt vor der Nase, die Hände lagen verkrampft auf dem Tisch. Janka sprach viel, aber seine monotone Stimme drückte keine Begeisterung aus, die Mimik war so leblos, wie man sie in solchen Situationen kennt beim Obersaxer. Er mag diesen Teil seines Jobs nicht.

Dabei ist Janka an den Ort zurückgekehrt, an dem er einen seiner grössten Triumphe feiern konnte. In Garmisch sicherte er sich vor knapp einem Jahr den Sieg im Gesamt-Weltcup. «Natürlich», sagte er, «das Gefühl ist gut, wenn ich hierher zurückkomme. Ich weiss, dass ich auf der Kandahar schnell sein kann, wenn alles passt.»

Aber passt bei ihm alles? Die Pause vor den Rennen am vergangenen Wochenende in Hinterstoder hat ihm gut getan, er fuhr im Riesenslalom erstmals seit Garmisch 2010 wieder aufs Podest. Doch das Grundproblem von Janka ist noch akut: Während Trainings- und Rennbelastung steigt bei ihm der Puls wie bei allen anderen auch, nur kommt er bei ihm lange Zeit nicht mehr runter. «Wir müssen das schon genau beobachten», sagt sein Gruppentrainer Sepp Brunner. Es ist keinesfalls lebensgefährlich, aber man darf ihn nicht zu sehr belasten, muss auch Medienanfragen und Sponsorenwünsche genau abwägen. Im Frühjahr, sagt Brunner, werde Janka zu einem Spezialisten in Zürich gehen, der wird dann entscheiden, ob sich die «Fehlsteuerung» medikamentös beheben lässt oder ob ein Eingriff nötig ist. Die Verantwortlichen wollen dieses Thema nicht zu sehr in den Vordergrund stellen, aber es sei schon eine Option, dass Janka bei der WM nach Super-G und Abfahrt auf die Super-Kombi verzichte, sagt Brunner.

Der Formaufbau vor der WM

Rudi Huber kennt Janka seit vielen Jahren, der Rennsportleiter von Atomic ist auch im Skizirkus bewandert. Er hat sich gefreut über die Ruhepause, die sein Aushängeschild eingelegt hat. Huber mischt sich nicht in die Angelegenheiten des Verbands ein, aber er hat natürlich regelmässig Kontakt zu den Athleten. «Man hat gesehen, dass Carlo körperlich nicht komplett fit war», sagt Huber. «Und das ist beim aktuellen Material besonders schlecht, denn man muss physisch absolut in Topform sein, um es gerade in kritischen Situationen zu beherrschen.» Mit Unbehagen denkt Huber an das Lauberhorn zurück, als Janka im Ziel-S mit den Kräften am Ende war und dennoch Dritter wurde. «Er konnte sich nur dank seiner überragenden technischen Fähigkeiten ins Ziel retten», sagt Huber, «aber da habe ich mir schon gedacht: Jetzt ist der Carlo gefährlich unterwegs.»

Während fünf Tagen machte Janka nach den Rennen in Kitzbühel gar nichts, dann folgte eine Trainingseinheit: zwei Tage Super-G in Saalbach, zwei Tage Riesenslalom in Hinterreith. «Es waren kurze Einheiten», betont Coach Brunner. Es sei um Qualität gegangen, nicht um das Erreichen des Limits. Janka hat dieser Aufbau gut getan, er wirkt deutlich dynamischer auf den Ski, hat auch wieder einen anderen Gesichtsausdruck, eine andere Körpersprache – wenn nicht gerade Interviews anstehen.

Die Taktik von Janka ist klar: In dieser Saison zählen nur noch die nächsten Tage, die WM-Rennen. In Hinterreith hatte er auch engen Kontakt mit den Spezialisten von Atomic. Doch sei es dabei in erster Linie um die Abstimmung für die kommende Saison gegangen, sagt Huber: «Für die WM konnten und wollten wir nichts mehr ändern.» Huber sagt, Janka habe «nichts von seinem Killerinstinkt eingebüsst». Das sei bei einer WM von unschätzbarem Vorteil.

Ein Gelände für Janka

Janka kann seinen Fokus perfekt ausrichten, das wissen auch die Konkurrenten. Er weiss, was hier an der WM zu tun ist. «Das Gelände der Kandahar passt, es stellt hohe Anforderungen an die Technik, das gefällt mir», sagt Janka. Er steht auf, lässt den Mikrofonwald unter sich, es zieht ihn zum Ausgang, weg von all den Fragen. Zuvor hat er noch erklärt, wie wichtig es sei, dass er hier als Titelverteidiger im Riesenslalom antreten kann. «Ich bin schon Weltmeister, das ist gut, denn so kann ich es besser verarbeiten, wenn es nicht klappen sollte.» Das ist kein Zweifel, der aus ihm spricht, das ist ein genau zurechtgelegter Plan, der ihm Ruhe verschafft.

Erstellt: 09.02.2011, 07:52 Uhr

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