Jankas Zeichen bei der gelungenen WM-Generalprobe

Der Schweizer wurde im Riesen­slalom von Beaver Creek Siebter, Ted Ligety gewann das Rennen vor ­heimischem Publikum.

Carlo Janka verschlief den ersten Lauf, holte dafür im zweiten die Bestzeit.

Carlo Janka verschlief den ersten Lauf, holte dafür im zweiten die Bestzeit. Bild: Ezra Shaw (Getty Images)

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Den Schlusspunkt beim Weltcup in Beaver Creek setzte ausgerechnet Ted Ligety. Besser konnte die Generalprobe zur WM im Februar gar nicht enden. Mit einem typischen Ted-Lauf im zweiten Durchgang, mit den ihm eigenen, extremen Kurvenwinkeln fuhr der Amerikaner vor heimischem Publikum vom vierten auf den ersten Rang vor. Dabei hatte er sich erst vor zwei Wochen mehrere Brüche in der linken Hand zugezogen. Die Fans ­gerieten geradezu in Ekstase. Ligety machte damit das Spektakel auf der Raubvogelpiste perfekt.

Der Massstab, den Abfahrt und Super-G gesetzt hatten, konnte gehalten werden, damit endete der WM-Test positiver, als es selbst OK-Präsidentin Ceil Folz erhofft hatte. «Es waren wichtige Tage, wir haben realisiert, dass wir manches noch verbessern können, aber es sind weniger Probleme aufgetreten, als wir befürchtet hatten.» So herrschte ein bisschen Enttäuschung, weil nicht mehr Zuschauer kamen, «das müssen wir kritisch hinterfragen: Wie bekommen wir mehr Fans hierher», sagte Folz.

Aus Schweizer Sicht war das sport­liche Fazit eher durchwachsen. Nach Beat Feuz’ 2. Rang in der Abfahrt sorgte Carlo Janka gestern als Siebter für den zweiten Exploit. «Ich habe im ersten Lauf den Start etwas verschlafen», sagte er, «im zweiten wollte ich voll attackieren, das ist mir gelungen.» Dieses Resultat tut seinem Selbstvertrauen gut, es bringt ihn in der Startliste wieder ein Stück nach vorn. Seine Bestzeit im zweiten Lauf war ein starkes Zeichen, was möglich ist, wenn beim neuen Material die Abstimmung passt. Abgesehen von diesen erfreulichen Resultaten war Cheftrainer Thomas Stauffer nicht wirklich zufrieden. «Wir hielten technisch und vom Tempo her zwar mit den Besten mit», sagte er, «um so bedauerlicher, dass die Athleten gerade im Super-G durch Fehler bessere Platzierungen vergaben.»

Perfekte Pisten

Am Zustand der Strecke lag es nicht, dass nicht nur die Schweizer zu Fehlern gezwungen wurden. Was die Streckenpräparierung betrifft, da macht Rennchef Greg Johnson keiner etwas vor. «In dieser Hinsicht ist Beaver Creek absolut perfekt», lobt Markus Waldner, Renndirektor der FIS. Was ihm allerdings mindestens genau so viel Freude bereitete: «Die vielen freiwilligen Helfer auf der Strecke verbreiten trotz stundenlanger Einsätze eine einzigartig positive Stimmung.»

Neue Kameraperspektiven

Die Skiregion Vail/Beaver Creek will die WM als weltweite Werbeplattform optimal nutzen. Der Skisport soll in den USA stärker in den Mittelpunkt gerückt werden. Dafür braucht es grosse einheimische Namen wie Lindsey Vonn und ­Mikaela Shiffrin, Bode Miller und Ted ­Ligety. Nur wenige versprechen mehr Spektakel auf und neben der Piste. Aber es braucht davon starke Bilder, und da hat der TV-Sender NBC Massstäbe gesetzt. Neue Kameraperspektiven geben die Dynamik des Skisports perfekt wieder. Umso unverständlicher, dass NBC die Weltcuprennen in Beaver Creek zwar erstmals überhaupt komplett live übertrug – aber nur im Bundesstaat Colorado.

Bleibt die Organisation. Die Generalprobe verlief ohne grosse Zwischenfälle, allerdings wird das Sicherheitsdispositiv bei der WM ungleich grösser sein. «Uns ist aber wichtig, dass sich das alles stark im Hintergrund abspielt», sagt Folz. 1,2 Millionen Dollar muss allein das OK für diesen Bereich aufbringen. 1999, bei der letzten WM, seien es noch «200'000 bis 300'000 Dollar gewesen». Doch den Hauptanteil an den Sicherheitskosten tragen staatliche Organisationen, allen voran FBI, NSA und Homeland Security.

Bereits jetzt liefen Leute mit der Bezeichnung «Security on slopes» auf der Akkreditierung herum. Für diese Sicherheit auf der Strecke hatte das FBI Kurse angeboten, «dort erfuhren wir zum Beispiel, dass wir darauf achten sollen, wenn Leute Objekte fotografieren, die nicht touristisch sind», erzählt einer, der teilgenommen hat. «Also den Skilift oder eine Überwachungskamera.» Und was ist in einem solchen Moment zu tun nach Vorgaben des FBI? «Wir sollen unsererseits die verdächtige Person fotografieren. Aber nur, wenn wir uns damit nicht in Gefahr bringen.»

Beaver Creek und Vail scheinen also bereit für das Spektakel. Die Athleten freuen sich auf die Tage im Februar, auf die perfekten und so schwierigen Pisten. Und wie soll man sich nicht auf eine WM in einem Skigebiet freuen, in dem statt DJ Ötzi und des «Vogel-Lisi» Songs von The Clash, Bruce Springsteen und Led Zeppelin gespielt werden?

Erstellt: 07.12.2014, 23:34 Uhr

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