Mehr Airbag im Ski alpin, bitte!

Die geplanten Tests von Gröden wurden ausgerechnet vom einflussreichsten Skiverband torpediert.

In der Testphase: Der «D-air Ski» soll dereinst gröbere Verletzungen im Ski alpin verhindern.

In der Testphase: Der «D-air Ski» soll dereinst gröbere Verletzungen im Ski alpin verhindern.

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Im alpinen Skisport gibt es ein neues Sicherheitssystem. Ein Airbag, den man wie eine Weste trägt, soll sich bei drohendem Sturz in maximal 100 Millisekunden aufblasen und so Rücken, Schulter und Schlüsselbeine besser schützen. Bis Ende Jahr ist der «D-air Ski» der italienischen Firma Dainese nur im Training zugelassen, ab Wengen soll er auch in Rennen erlaubt sein.

Die geplanten Tests im Abfahrtstraining von Gröden wurden am Mittwoch ausgerechnet vom einflussreichsten Skiverband torpediert. Der österreichische Männerchefcoach Andi Puelacher verbat sich «Experimente» bei den fünf ausgewählten Fahrern, weil es die einzige Trainingsfahrt sei. Die Athleten waren darob wenig erfreut.

Puelacher betonte gestern, dass er nicht wegen Sicherheitsbedenken entschieden habe. Dabei gibt es tatsächlich offene Fragen: Was passiert, wenn der Airbag ohne Not ausgelöst wird? Wie stark ist der Knall beim plötzlichen Gasausstoss, kann dieser den Athleten aus der Balance bringen? Alle diese Fragen müssen beantwortet werden, und das geht nur durch Tests. Die italienischen und kanadischen Abfahrer, die den Airbag gestern trugen, beanstandeten, dass der Airbag noch nicht optimal passte und sich seltsam anfühlte. Diesen Input braucht der Hersteller. «Wir sind immer noch in einem Entwicklungsprozess», sagt Marco Pastore, Sponsoringchef bei Dainese. Es braucht aber auch mehr Testpersonen.

Das Unternehmen will mit dem Airbag, dessen Entwicklung viel gekostet hat, am Ende etwas verdienen, er soll irgendwann auch für den Normalbürger erhältlich sein. Bislang werden Prototypen nur an Athleten von Verbänden kostenlos abgegeben, in deren Ausrüsterpool Dainese vertreten ist. Swiss-Ski zum Beispiel setzt auf Helme und die herkömmlichen Rückenprotektoren anderer Firmen, die Schweizer Fahrer müssten den Airbag für etwa 1500 Franken kaufen. Laut Pastore verhandeln die beiden Seiten jetzt über eine spezielle Partnerschaft. Eine Einigung wäre wünschenswert. Mehr Tests bedeuten eine schnellere Entwicklung. Und das hilft am Ende den Athleten. Höchste Zeit für Experimente.

Erstellt: 18.12.2014, 20:40 Uhr

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