Meillard erlöst sich selbst

Der Romand muss sich nach der Führung im ersten Lauf im Riesenslalom von Garmisch nur Alexis Pinturault geschlagen geben. Auch Caviezel und Odermatt schaffen es in die ersten 15.

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Als Loïc Meillard die 16 Hundertstel in Rot aufleuchten sah, wusste er nicht so recht, was er davon halten sollte. Darum verwarf er einfach mal die Hände. Noch während er es tat, merkte er offenbar, dass dieses Rennen doch nicht so schlecht gelaufen war für ihn. Also ballte er die Faust. Der Romand wurde Zweiter im Riesenslalom von Garmisch, er hatte nach dem ersten Lauf geführt. Darum zuerst das Händeverwerfen. Schneller als er war nur Alexis Pinturault, Dritter wurde Leif Kristian Nestvold-Haugen.

Meillard hatte noch vor dem zweiten Lauf gesagt, er wolle voll attackieren. Er tat es vielleicht etwas zu vehement. Unmittelbar vor einem flachen Stück unterlief ihm ein Fehler, beinahe schied er aus. «Ich habe gedacht: Das ist der falsche Ort, um einen Fehler zu machen», sagt er. Aber der 23-Jährige kämpfte sich durch diese Passage, holte seinen vierten Podestplatz der Karriere – und findet das dann doch «richtig schön». Im Riesenslalom stand er zuletzt im Dezember 2018 in Saalbach auf dem Podest. Auch da wurde er Zweiter. Es war damals sein erster Podestplatz überhaupt, ein Durchbruch.

Im Kopf nicht bereit

Etwas mehr als ein Jahr später ist der zweite Platz von Garmisch für den Romand eine Erlösung. Er war nicht gut in die Saison gestartet, ein dritter und ein vierter Platz in den zwei bisher ausgetragenen Kombinationen schönen seine Bilanz etwas. Im Slalom fuhr er in acht Rennen zweimal in die Top 10. Der Schweizer Slalomtrainer Matteo Joris sagte vor den Rennen in Kitzbühel, Meillard fahre derzeit nicht mit 100 Prozent, «ihm gelingt nur ein halber Lauf». In Adelboden fiel er vom fünften auf den neunten Rang zurück, in Wengen vom sechsten auf den zehnten. Und in Kitzbühel verpasste er gar den zweiten Durchgang. Oft dachte er zu viel darüber nach, was er zwischen den Stangen tun sollte, vor allem bei grossen Torabständen.

Noch schlechter ist seine Bilanz im Riesenslalom, der Disziplin, die bei Meillard Priorität hat. Kein einziges Mal schaffte er es unter die ersten zehn. Er sagt, er sei oft schnell gewesen, «aber immer machte ich einen Fehler». Die Bilanz ist zu wenig für einen wie ihn, an den die Erwartungen höher sind als an andere. Meillard holte an Junioren-Weltmeisterschaften fünf Medaillen, drei goldene. Viele sehen in ihm einen zukünftigen Gesamtweltcupsieger. Nun könnte dieser zweite Platz Kräfte freisetzen. «Wenn er in einer Disziplin auf das Podest fährt, dann wird es auch in der anderen Disziplin besser gehen», glaubt Joris.

Den weiteren Schweizern lief es am Sonntag nicht nach Wunsch. Gino Caviezel wurde Zehnter, Marco Odermatt fuhr im ersten Riesenslalom nach seiner Knieverletzung auf Rang 15. Der Nidwaldner haderte mit der Piste. Zu schlecht für ein Weltcuprennen sei sie, fand er schon nach dem ersten Durchgang. «Ich finde das zu gefährlich.» Im zweiten Lauf machte ihm dann der Regen zu schaffen. Odermatt sagte aber auch: «Vielleicht bin ich nach der Verletzung noch etwas sensibel.»

Ein Debakel war Garmisch für die Österreicher, Manuel Feller wurde als bester 28. Es ist das schlechteste Riesenslalom-Resultat der Österreicher in der Weltcupgeschichte.

Resultat: 1. Alexis Pinturault (FRA) 2:03,10. 2. Loïc Meillard (SUI) 0,16 zurück. 3. Leif Kristian Nestvold-Haugen (NOR) 0,24. 4. Filip Zubcic (CRO) 0,35. 5. Zan Kranjec (SLO) 0,52. 6. Aleksander Kilde (NOR) 0,54. 7. Henrik Kristoffersen (NOR) 0,79. 8. Victor Muffat-Jeandet (FRA) 0,80. 9. Stefan Luitz (GER) 1,00. 10. Gino Caviezel (SUI) 1,06.

Ferner: 15. Marco Odermatt (SUI) 1,68. 29. Justin Murisier (AUT) 2,41. - Alle 30 Finalisten klassiert.

Stand Riesenslalom-Weltcup:
1. Zan Kranjec (SLO) 315 Punkte. 2. Henrik Kristoffersen (NOR) 289. 3. Alexis Pinturault (FRA) 272. 4. Filip Zubcic (CRO) 188. 5. Tommy Ford (USA) 185. 6. Mathieu Faivre (FRA) 183. 7. Leif Kristian Nestvold-Haugen (NOR) 170. 8. Victor Muffat-Jeandet (FRA) 147. 9. Aleksander Aamodt Kilde (NOR) 145. 10. Loic Meillard (SUI) 131

Stand Gesamtweltcup:
1. Henrik Kristoffersen (NOR) 877 Punkte. 2. Alexis Pinturault (FRA) 822. 3. Aleksander Aamodt Kilde (NOR) 820. 4. Matthias Mayer (AUT) 692. 5. Beat Feuz (SUI) 617. 6. Vincent Kriechmayr (AUT) 588. 7. Dominik Paris (ITA) 556. 8. Daniel Yule (SUI) 495. 9. Kjetil Jansrud (NOR) 466. 10. Clément Noël (FRA) 450


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Die Sendung ist zu hören auf Spotify sowie auf Apple Podcast. Oder direkt hier: (mro)

Erstellt: 02.02.2020, 10:25 Uhr

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