Misslungener WM-Auftakt von Cologna

Langlauf-Olympiasieger Dario Cologna startete bescheiden in den Grossanlass in Oslo.

Ihm bleibt eine Woche, auch zum Siegläufer in einzelnen Rennen zu werden: Dario Cologna mit seinen Teamkollgen in Oslo.

Ihm bleibt eine Woche, auch zum Siegläufer in einzelnen Rennen zu werden: Dario Cologna mit seinen Teamkollgen in Oslo. Bild: Keystone

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Dario Cologna ist Erfolge gewohnt: Er ist Olympiasieger von 2010. Er ist Gesamtweltcupsieger von 2009 mit grossen Chancen, diese Saison abermals als Bester zu beenden. Er ist Tour-de-Ski-Sieger von 2009 und 2011. Drei Jahre reichten ihm für diesen beeindruckenden Palmarès. Kein Schweizer Langläufer vor ihm schaffte auch nur einen dieser Erfolge. Leer aber ist seine Statistik, was WM-Medaillen betrifft. 2009 war ein 4. Rangsein bestes Ergebnis. Weil er inzwischen ein noch höheres Grundniveau erreichte, war für ihn klar: Er will in Oslo eine Medaille.

Nach seinen zwei ersten WM-Einsätzen – dem Sprint vom Donnerstag und der Doppelverfolgung von gestern – ist seine Zuversicht der Ernüchterung gewichen: Rang 9 im Sprint und vor allem Platz 24 in der Doppelverfolgung sind Rückschläge. Dazu passte, dass er sich im langen Schlussaufstieg der Verfolgung mit einem Skiverschneider, der ihn entscheidendes Tempo kostete, schon vor dem finalen Sprint gleichselber um die Medaillenchance brachte. Die Enttäuschung war dem ansonsten stets cool wirkenden Bündner im Ziel leicht anzusehen.

Stagnierende Leistungsentwicklung

Aber unabhängig davon, dass er sich im Skating über einen suboptimal präparierten Ski beklagte, war klar: Dieser Cologna war zum zweiten Mal an dieser WM ganz einfach nicht gut genug für einen Top-3-Platz. Dass ihm in der Hektik des sich anbahnenden Schlusskampfes noch ein mitentscheidender Eigenfehler unterlief, war jedoch keineswegs nur ein ärgerlicher Ausrutscher und der Müdigkeit zuzuschreiben – wie beim 50-km-Rennen an den Olympischen Spielen in Whistler, als er in der Schlusskurve und der Aussicht auf Silber oder Bronze stürzte. Ein Cologna in Bestform wäre zu diesemZeitpunkt kaum mehr im Pulk gelaufen, wo wegen des Gedränges und der Hektik die Gefahr für einen Rempler oder einen Eigenfehler viel grösser ist. Cologna in Bestform hätte wie der Sieger Petter Northug von der Spitze aus agiert. Insofern ist Cologna, der bislang immer auch durch taktisch klug eingeteilte Wettkämpfe überzeugte, nur bedingt eine missglückte Strategie vorzuhalten. Wer nicht stark genug ist, die Gegner in einem Massenstartrennen in die schwächere Position zudrücken, wird selber in diese gezwängt.

Seine Erfolglosigkeit ist allerdings nur eine Momentaufnahme. Mit dem 15-km-Rennen vom Dienstag in klassischer Technik und dem abschliessenden 50-km-Rennen mit Massenstart im Skating bleiben dem 24-Jährigen zwei Chancen zum Medaillengewinn – sofern er die Enttäuschungen rasch verkraftet und seine Form besser ist, als sie bislang scheint. Seine Leistungsentwicklung im Verlauf dieser Saison stimmt dabei nur bedingt optimistisch: Während er in seiner Form nach dem exzellenten Weltcupauftakt stagnierte – gemessen an den zwei bisherigen WM-Resultaten –, haben seine härtesten Konkurrenten ihre Bestform genau auf den Grossanlass hinbekommen.

Eine Woche Zeit

Fundamentalkritik ist bei Cologna trotzdem nicht angebracht: Holt er die erwartete (Gold-)Medaille noch, darf er von einer gelungenen WM sprechen. Denn gerade sein souveräner Olympiasieg trügt über eines hinweg: Im Weltcup vermochte er noch nie in einem Einzelrennen zu triumphieren, sondern «nur» in Etappen von Tour de Ski und Weltcupfinale. Dem besten Allrounder bleibt eine Woche Zeit, auch zum Siegläufer in einem einzelnen Rennen zu werden.

Erstellt: 28.02.2011, 08:58 Uhr

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