Mit dem Bündner Begleiter nach Pyeongchang

Debütantin des Wochenendes: Eiskunstläuferin Alexia Paganini belegt an der EM Rang 7.

Geht für ihre alte neue Heimat an den Start: Alexia Paganini. Foto: Sergei Ilnitsky

Geht für ihre alte neue Heimat an den Start: Alexia Paganini. Foto: Sergei Ilnitsky

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Zur Musik von «The Phantom of the Opera» dreht sie elegant raffinierte Pirouetten. Springt fünf Dreifach-Sprünge – und dies, obwohl ihr die Landung beim Dreifach-Lutz zu Beginn des Programms nicht optimal gelingt und sie ihn deshalb nur mit dem doppelten statt dem dreifachen Toeloop kombinieren kann. Trotz dieser ­kleinen Unsauberkeit: Ihre Leistung sorgt für Aufsehen.

Noch vor kurzem war Alexia Paganini in der Schweiz höchstens Insidern bekannt. In den USA hingegen hatte sie sich in der Eiskunstlaufszene bereits einen Namen gemacht. Die schweizerisch-amerikanische Doppelbürgerin lebt in Harrison in der Nähe von New York, gewann von der Saison 2013/14 bis 2016/17 jeweils die Eastern Sectionals ihrer Alterskategorie und wurde 2013/14 und 2015/16 bei den amerikanischen Meisterschaften jeweils Zweite in ihrer Stärkeklasse. Diese Woche bestritt sie ihren ersten internationalen Grossanlass: Für die Schweiz debütierte die 16-Jährige an den Europameisterschaften in der russischen Hauptstadt Moskau und machte als starke Siebte auch hierzulande auf sich aufmerksam.

Mit dem Total von 161,62 Punkten schafft sie eine neue Bestleistung und verbessert sich gegenüber dem Kurzprogramm noch um zwei Ränge auf den 7. Schlussrang.

Am 15. November 2001 in Greenwich im US-Bundesstaat Connecticut geboren, begann Paganini bereits 2003 mit dem Eiskunstlauf, heute trainiert sie rund 32 Stunden pro Woche in Hackensack, New Jersey, und liebt insbesondere das Springen. Die Highschool macht sie nebenher online.

Verbundenheit zur Schweiz

Mit der Schweiz verbindet sie mehr als der rote Pass. Die Eltern, Mutter Margot und Vater Celso aus Brusio im Puschlav, wanderten vor 20 Jahren in die USA aus. Alexia hat zwei Brüder und kam als Einzige der Familie in den USA zur Welt. Einer der treusten Begleiter der Jugendlichen mit Zahnspange und den langen braunen Haaren ist ein waschechter Bündner. Luca ist «my teddy bear», sagt sie in breitem amerikanischem Slang, obwohl sie auch Deutsch spricht. Luca ist ein Rucksäckli in Form eines Steinbocks, in dem sie ihre CDs überallhin mitnimmt.

Paganini, die gerne Musik von Rihanna oder Cro hört, wechselte im Sommer auf Anraten ihres Trainers Igor Krokavec zum Schweizer Verband, ausgestattet mit einer Lizenz vom SC Winterthur, weil ihr Vater in der Stadt Bekannte hat. Paganini startete im August in Flims erstmals in der Schweiz bei einem Vorlaufen des Schweizer Eislauf-Verbands zusammen mit weiteren nationalen Spitzenläuferinnen und sicherte sich dabei die Selektion für die Internationale Nebelhorn-Trophy im deutschen Oberstdorf, wo sie der Schweiz im September als Dritte einen Quotenplatz für die Olympischen Spiele sicherte. Mitte Dezember nahm sie erstmals an den Schweizer Meisterschaften teil und gewann mit über 18 Punkten Vorsprung den Titel. Daraufhin selektionierte Swiss Olympic Paganini für Pyeongchang. Für sie geht damit ein grosser Traum bereits in Erfüllung.

In Südkorea will Alexia Paganini weiter von sich reden machen, wenn sie für ihre alte neue Heimat an den Start geht – mit dem Bündner Begleiter im ­Gepäck.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.01.2018, 10:30 Uhr

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