Mit der Drohne über den Hundschopf

In der Lauberhorn-Abfahrt präsentiert das Schweizer Fernsehen am Samstag seine neueste Errungenschaft. Eine Drohne fliegt den Fahrern beim Hundschopf hinterher.

Spektakuläre Kulisse: Der Hundschopf ist das Wahrzeichen der Lauberhorn-Abfahrt.

Spektakuläre Kulisse: Der Hundschopf ist das Wahrzeichen der Lauberhorn-Abfahrt. Bild: Keystone

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Morgen gibt es am Lauberhorn weltexklusive Skibilder. Erstmals kommt im alpinen Abfahrtsklassiker eine mit einer Kamera bestückte Drohne zum Einsatz. Um 12.22 Uhr ist es bei der Einfahrt Richtung Hundschopf so weit: Das unbemannte Luftfahrzeug, ferngesteuert von zwei Spezialisten, fliegt SF-Kamerafahrer Bruno Kernen im Abstand von zehn Metern ein Stück hinterher. Die Drohne ist eine weitere Innovation des Schweizer Fernsehens. Das Fluggerät wurde im vergangenen Jahr bereits bei der Mountainbike-WM in Champéry und beim Unspunnen-Schwinget in Interlaken eingesetzt.

«Die Drohne wird am Hundschopf über die Fahrer hinwegfliegen, wenn sich diese in die Tiefe stürzen. Wir erhoffen uns spektakuläre Bilder», sagt Beat Zumstein, Verantwortlicher der Übertragungen der Lauberhornrennen. Als Producer International ist der 48-jährige Obwaldner Chef von 110 Mitarbeitenden, die während mindestens einer Woche ins Berner Oberland abgestellt sind, damit dem sportinteressierten Schweizer TV-Publikum via 22 Fernsehkameras eine Visitenkarte des nationalen Senders plastisch vermittelt werden kann. Die Lauberhornabfahrt ist der Quotenrenner im TV-Sport – im abgelaufenen Jahr schauten sich 86'3000 Personen das Spektakel an.

Spitzensport und Panorama

«Wengen ist unser Schaufenster», sagt Zumstein. Die Rekordeinschaltquoten erklärt er folgendermassen: «Das Schweizer TV-Publikum schaut hin, wenn spannender Spitzensport in einer fantastischen Bergwelt ausgetragen wird. Das monumentale Dreigestirn Eiger, Mönch und Jungfrau ist eine einzigartige, vertraute Arena.» Zumstein spricht von der mit Abstand aufwendigsten Wintersportveranstaltung. Die technische Infrastruktur wurde letzte Woche mit der Bahn, mit dem Helikopter, mit Pistenfahrzeugen und Manpower transportiert. 30 Flüge waren nötig, um 22 Tonnen Material an die Kamerastandorte zu bringen. Der Fernsehregiewagen steht in Lauterbrunnen. Er ist mit fest verlegten Glasfaserkabeln mit dem Zielgelände verbunden. Auch am Berg sind Kabel im Boden montiert – die Arbeiter der SRG-eigenen Produktionseinheit TPC kamen zügig voran.

Olympische Ambitionen

Die Prestigemarke «Lauberhorn» ist die Leistungsschau des Schweizer Fernsehens. Mit technischen Innovationen sowie einem beträchtlichen personellen und materiellen Aufwand will die SRG das Internationale Olympische Komitee im Hinblick auf die 22.Winterspiele in Sotschi ein weiteres Mal überzeugen. «Wir verhandeln gegenwärtig mit den Russen über eine Produktion für 2014», sagt Beat Zumstein. Auch dank der vorzüglichen Qualität der Lauberhorn-Sendungen erhielt die SRG die ehrenvollen Aufträge, an den Winterspielen in Turin 2006 und vier Jahre später in Vancouver die alpinen Skiwettbewerbe zu produzieren.

Budget ist ausgereizt

Zumstein und seine Crew verfolgen auf der längsten Abfahrtsstrecke der Welt ein ambitiöses Ziel: «Wir wollen den Titel als TV-Quotenrenner verteidigen, und es wäre schön, die Millionengrenze zu überschreiten.» Eine Million Franken investiert die SRG in seine Paradesendung – die teuerste Wochenendproduktion des Unternehmens. «Hätten wir die Möglichkeit, für die Lauberhornrennen mehr Geld einzusetzen, könnten wir mit noch spektakuläreren Kameraperspektiven aufwarten. Aber wir sind bereits auf einem sehr hohen technischen Niveau angelangt», sagt Zumstein. 22 Kameras am Berg – 6 mehr als vergangene Woche in Adelboden – genügen füglich, ein TV-Spektakel zu produzieren. Gleich viele Kameras wird das Schweizer Fernsehen heuer auch beim Champions-League-Achtelfinal FC Basel – Bayern München und am Leichtathletikmeeting Weltklasse Zürich einsetzen.

52 Jahre TV-Geschichte

Meilensteine in der 52-jährigen TV-Geschichte waren die erste Livesendung in Farbe (1973), die erste Übertragung vom Hundschopf (1978), die ersten Bilder vom Start (1984), das erste Liveinterview aus dem Zielraum (1987), die erste Kamerafahrt von Bernhard Russi (1989), die erste Superzeitlupe an der Minschkante (1991), die Übertragung der Brüggli-Passage (1997), die Analyse von zwei übereinanderkopierten Fahrten in einem Bild (1998), das neue Zielhaus (2008) sowie die erstmalige Produktion im hoch auflösenden High-Definition-Format für den Fernsehsender HD suisse (2009).

22 Kameras bringen am Samstag die Faszination des Lauberhorns in die Wohnstuben. Wo verfolgt Beat Zumstein das Rennen? «Ich werde am Schaltpult im Zielgebäude sein. So kann ich alle 22 Kamerapositionen überblicken.» Fast wie Captain Kirk im Raumschiff Enterprise. (Berner Zeitung)

Erstellt: 13.01.2012, 15:13 Uhr

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22 Kameras für die Abfahrt

Entlang der Rennstrecke sind 22 Kameras installiert, die spannende Fernsehbilder ermöglichen.

Über eine 216-adrige Glasfaserleitung von knapp 6 Kilometern Länge werden die Kameradaten vom Zielgelände nach Lauterbrunnen übertragen, wo der Fernsehreporterwagen steht.
In diesem 28 Tonnen schweren Sattelschlepper produziert das Fernsehteam die internationale Übertragung und sendet sie per Satellit nach Zürich. Von dort wird sie weiterverbreitet.
In der Regie im Zielgebäude in Innerwengen wird das Weltbild mit Interviews und Fernsehmoderationen (Matthias Hüppi, Jann Billeter, Bernhard Russi) für die eigenen Kanäle SF2 und HD suisse ergänzt.

Seit 1960 produziert das Schweizer Fernsehen die prestigeträchtigen Rennen am Lauberhorn. Die Produktionskosten belaufen sich auf rund 1 Million Franken.

(Bild: BZ Grafik)

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