Mittendrin im Adrenalinrausch

Stefan Abplanalp muss als Trainer des US-Frauenteams an der Heim-WM Medaillen liefern. Der Schweizer liebt diese Herausforderung.

Bringt gute Stimmung ins Frauenteam der USA: Der Schweizer Stefan Abplanalp. Foto: Keystone

Bringt gute Stimmung ins Frauenteam der USA: Der Schweizer Stefan Abplanalp. Foto: Keystone

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Stimmung! Kein Angst, es geht nicht ums «Vogel-Liesi» und DJ Ötzi, die bei Ski­veranstaltungen so gern gespielt werden. «Stefan bringt eine gute Stimmung in unser Frauenteam», sagt US-Alpin­direktor ­Patrick Riml. Stefan ist Stefan Abplanalp, seit Frühjahr 2014 Speedchef der Gruppe um Lindsey Vonn und Julia Mancuso. «Amerikaner und Amerikanerinnen sind fast überemotional», sagt der 40-jährige Meiringer. Sie arbeiten vielleicht nicht so detailverliebt wie Europäer, aber sie leben das Gefühl. Abplanalp erklärt damit auch ihre traditionelle Stärke bei Grossanlässen. «Sie können sich in einen wahren Adrenalinrausch versetzen.» Das liebt der temperamentvolle Abplanalp.

Doch soll der Schweizer hier nicht als reine Stimmungskanone verkauft werden. Alpindirektor Riml sagt nämlich auch: «Stefan ist einer der besten Speedtrainer im gesamten Weltcup.» Deshalb hat Abplanalp vor drei Jahren ein Angebot des österreichischen Verbandes erhalten. Deshalb wollte ihn während Sotschi 2014 der damalige Schweizer Männerchef Walter Hlebayna als Abfahrtstrainer verpflichten.

Beide Male sagte er ab. Dem ÖSV, weil er mit den Schweizerinnen noch etwas erreichen wollte – ein Jahr später musste er nach einem Krach mit Chefcoach Mauro Pini und ­Alkoholvorwürfen gehen. Das war aber nicht der Grund, warum er Hlebayna einen Korb gab. «Das ist längst ausdiskutiert», sagt Abplanalp, «es war ein Problem mit Mauro, nicht mit dem Verband.» Die Herausforderung USA reizte ihn einfach mehr.

Er muss mit seinen Fahrerinnen an der Heim-WM in Vail/Beaver Creek im Februar Medaillen liefern. Die Vorfreude ist riesig, der Druck auch. Das bekam vor zwei Tagen Roland Pfeifer zu spüren, der stark am Aufstieg von Mikaela Shiffrin beteiligt war. Doch Pfeifer vernachlässigte darob die anderen Technikerinnen, er rieb sich am Ende auch mit Shiffrin selbst und deren Mutter Eileen, die mit Mikaela unterwegs ist. «Eileen», sagt Riml, «gehört zum Team. Punkt.» Er verschob Pfeifer zum Männerteam,

Abplanalp kümmert sich nun auch um den Riesenslalom, alles andere übernimmt Riml selbst. Shiffrin und ihre Slalomkolleginnen wurden zur Chef­sache erklärt. Schon im Dezember wurden die Speed-Assistenztrainer Wade Bishop (USA) und Pascal Hasler (Lie) ersetzt, sie hätten die Philosophie nicht mitgetragen, sagt Riml, «und dann muss man sofort personelle Konsequenzen ziehen». Das Adrenalin steigt, und Abplanalp ist mittendrin.

Vertrauen wie Joghurt

Respekt und Vertrauen, sagt Abplanalp, seien weitere Schlüsselbegriffe zum Verständnis der amerikanischen Sportlerinnenseele. ­Generell seien Werte wichtig, «in den USA spielen sie eine besonders entscheidende Rolle». War es für Abplanalp schwierig, das Vertrauen zu bekommen von selbstbewussten Topstars wie Vonn und Mancuso? «Wird ein Coach verpflichtet», sagt er, «werden solche Athletinnen um ihre Meinung gefragt.» Man habe als Neuer also einen Vertrauens­bonus, «aber das ist wie beim Joghurt: Dieser Bonus hat ein Ablaufdatum.»

Abplanalp hat es geschafft, dieses Ablaufdatum zu überstehen. Vonn, die bei seiner Ankunft noch verletzt war, zeigte er, dass er sich nicht nur um fitte Fahrerinnen kümmert. Er flog zu ihr nach Park City, «das war anfangs ein langer Monolog», erzählt er. «Es war Lindsey, die geredet hat, und das war gut und wichtig.» Mit Mancuso arbeitete er daran, nicht nur bei Grossanlässen Adrenalin zu produzieren. «Stefan brachte neue Energie ins Team», sagt sie, «er ist immer positiv.» Oder anders gesagt: Stimmung!

Erstellt: 09.01.2015, 21:49 Uhr

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Bad Kleinkirchheim (Ö). Zweites und letztes Abfahrtstraining: 1.* Meri­ghetti (It) 1:47,45. 2.* Rebensburg (De) 0,54. 3. Vonn (USA) 1,25. 4. Maze (Sln) 1,32. 5. Görgl (Ö) 1,35. 6. Sterz (Ö) 1,37. 7. Fabienne Suter 1,53. 8. Fenninger (Ö) 1,60. 9. McKennis (USA) 1,72. 10. Hosp (Ö) 1,82. 11. Weirather (Lie) 1,84.– 14.Gut 2,07. 15. Dominique Gisin 2,08. 30.* Corinne Suter 3,26. 34. Nufer 3,36. 47. Abderhalden 5,09. 49.* Küng 5,13. – 56 Fahrerinnen klassiert. – * Fahrerinnen mit Torfehler.


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