Monopol bedroht das Skispringen

Skihersteller Fischer will die Last des (fast) einzigen Ausrüsters im Skisprung-Zirkus nicht mehr alleine tragen und droht mit dem Ausstieg.

Alles Fischer, oder was? Der österreichische Skihersteller rüstet rund 90 Prozent der Skispringer aus (im Bild der Finne Matti Hautamäki).

Alles Fischer, oder was? Der österreichische Skihersteller rüstet rund 90 Prozent der Skispringer aus (im Bild der Finne Matti Hautamäki). Bild: Reuters

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Wer im Skispringen in dieser Saison top sein will, hat eigentlich nur eine Wahl was den Ski betrifft. Vor Jahren schon hatte sich Rossignol zurückgezogen, auf diese Saison beendete auch Atomic, der langjährige Dominator im alpinen Weltcup, sein Engagement im Skispringen. «Da springen Leute wie Ahonen auf einmal auch Fischer. Die besten Springer – alle auf Fischer. Das ist schon etwas eindimensional und tut dem Sport nicht nur gut», sagt auch der vierfache Olympiasieger Simon Ammann.

Rund 90 Prozent der Skispringer tragen Latten der Marke Fischer, einige wenige springen noch auf dem Modell der slowenischen Firma Elan, mit dem einst auch Ammann gesprungen war. Entsprechend dominiert Fischer auch den Weltcup. Doch der österreichische Skihersteller ist darüber überhaupt nicht glücklich. Statt 450 Paar Sprungski musste Fischer im Oktober, November 750 Paar produzieren – mit viel Handarbeit. Skisprungski sind personalisierte Ski. «Ohne die Bereitschaft unserer Belegschaft zu einer 60-Stunden-Woche wäre das nicht gegangen», erzählte Thomas Drindl, Chef nordisch von Fischer. «Wir waren uns einig, dass wir die Sportart nicht über die Klinge springen lassen.»

Flugportal als kleine Konkurrenz

Für Fischer ist diese Quasi-Monopol-Stellung weder finanziell noch aus marketingtechnischen Gründen interessant. «Ein bisschen Wettbewerb schadet nie. Wenn alle Fischer springen, dann ist für uns die Aussage, wir seien die Nummer eins im Skispringen, wertlos», so Drindl. Die Österreicher wollen ihr Engagement im Skispringen auf eine breitere Basis verteilen. «Sollte das nicht gelingen, sieht sich Fischer gezwungen, seine Aktivitäten in dieser Disziplin zu überdenken», sagt Drindl. Einen Kraftakt wie in diesem Jahr will Fischer auf keinen Fall wiederholen.

Ein Ausstieg von Fischer wäre fatal für eine Sportart, die vornehmlich bei den Grossanlässen wie Olympischen Spielen, Weltmeisterschaften oder eben der Vierschanzentournee im medialen Fokus steht. Ein Versuch von Fischer, zumindest die Kosten breiter abzustützen, wurde zu Beginn der Saison von der FIS gestoppt. Der Skiverband verbot die Marke Sport 2000, mit der unter anderem Janne Ahonen hatte springen wollen. Fischer hatte die Skis für die Sportgeschäft-Kette Sport 2000 hergestellt, was laut FIS gegen die Regelung für Werbung verstösst. Es sind nur Marken zugelassen, die von den entsprechenden Firmen in Eigenproduktion hergestellt werden.

Diesen Passus machte sich nun das deutsche Flugportal Fluege.de zu Nutze. Der Reiseunternehmer suchte eine Sonderwerbeform und ging auf den früheren deutschen Skispringer und heutigen TV-Experten Dieter Thoma zu. «Ich machte mich schlau und es wurde klar, dass man dazu Hersteller einer eigenen Skisprungmarke werden muss», erklärte Thoma gegenüber dem Fachportal skijumping.de. «Fluege.de hat dann die Geschäftsanteile und Produktionsanlagen der Firma Germina übernommen und wurde so Hersteller von Sprungskis.» Derzeit springen aber nur einige Deutsche mit dem Werbe-Ski.

Erstellt: 28.12.2010, 13:32 Uhr

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