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Nur das Mitleid ist garantiert

Was ist von den Schweizer Skirennfahrern im kommenden Winter zu erwarten? Nicht viel, wenn man liest, wie wohlwollend im Land des Erzrivalen über sie geschrieben wird.

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Die österreichische Zeitung «Der Standard» veröffentlichte in dieser Woche einen Artikel mit dem Titel «Die Leiden der Schweizer Skifahrer». Darin konstatiert der Schreiber das fast schon unglaubliche Verletzungspech der Swiss-Ski-Athleten. Wo früher Schadenfreude gewesen wäre, ist nun Mitleid. Tatsächlich lief im vergangenen Jahr vieles schief bei den Schweizern. Zehn der 15 Fahrerinnen der Weltcup-Trainingsgruppen verpassten zumindest einen Teil der Saison wegen Verletzungen, bei den Männern sah es nicht bedeutend besser aus: Es erwischte sechs von zwanzig – Beat Feuz, Sandro Viletta und Carlo Janka, die sich angeschlagen durchkämpften, nicht eingerechnet. Zudem ist 2012/13 die Saison Nummer 1 nach Didier Cuche.

«Die meisten befinden sich noch nicht auf ihrem ursprünglichen Niveau»

Hans Flatscher, österreichischer Cheftrainer der Schweizer Frauen, gab gegenüber dem «Standard» freimütig zu: «Die meisten befinden sich noch nicht auf ihrem ursprünglichen Niveau.» Es ist eine Feststellung, die sich problemlos auf die Männer übertragen lässt. Für den Riesenslalom vom Wochenende erscheint der erste Schweizer in der Favoritenliste der Wettanbieter mit Carlo Janka erst an 15. Stelle. Wer auf einen Sieg des Bündners setzt, bekommt das Dreissigfache seines Einsatzes zurück. Didier Défago wird mit 40:1 geführt, Beat Feuz, der mit der Hilfe von Fischölinjektionen sein lädiertes Knie rechtzeitig in Schwung bringen will und dessen Start noch immer fraglich ist, würde im Fall des Sieges den hundertfachen Einsatz bringen. «Es wäre vermessen, wenn man von mir etwas erwarten würde. Ein Start wäre nicht mehr als ein rennmässiges Training», erklärte Feuz gegenüber dem Fachportal Ski online.

Marcel Hirscher, Überflieger made in Austria

Die Österreicher feiern derweil ihren Überflieger Marcel Hirscher. Sölden ist tapeziert mit Bildern des 23-jährigen Gesamtweltcupsiegers der vergangenen Saison, der vor Selbstvertrauen strotzt. Darum ist er für den früheren Superstar Hermann Maier auch der klare Favorit auf den ersten Sieg in diesem Winter. Es ist der härteste Riesentorlauf der Saison. «Für mich gibt es hier nur einen Siegertipp – und der lautet Marcel Hirscher. Der Hang ist extrem selektiv, jeder ist nervöser als sonst, weil es das erste Rennen ist», sagte der 40-Jährige der «Kronen Zeitung».

224 Tonnen Gewichte für ein Halleluja

Im Schweizer Lager verbreitet Dominique Gisin zumindest gute Laune. Die Engelbergerin, einer der grössten Pechvögel im Weltcupzirkus, ist glücklich, dass sie nach überstandener Knieverletzung wieder Rennen bestreiten kann. Sie lobte Trainer Flatscher im Gespräch mit dem «Tages-Anzeiger» als «super Lösung» und freut sich über den neuen Realismus. Flatscher sagt, man müsse zufrieden sein, wenn Gisin und Lara Gut morgen im Söldener Riesenslalom den zweiten Lauf erreichen. Ein Statement, das in einem Land, das sich als Ski-Grossmacht sieht, trotzdem kaum besonders gut ankommen wird.

Gut hofft, dass sie in den Speed-Disziplinen – vom 30. November bis am 2. Dezember finden in Lake Louise zwei Abfahrten und ein Super-G statt – wieder auftrumpfen kann. Die Vorbereitung war laut ihrem Vater Pauli Gut perfekt. «Wir wollten wieder auf die einfachen Elemente zurückkommen. Um Laras Technik zu verfeinern, haben wir Übungen mit tiefer Geschwindigkeit gemacht», erklärte er gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Guts Trainingsdaten lesen sich eindrücklich: Die Tessinerin stemmte während der 375 Stunden Krafttraining insgesamt 224 Tonnen Gewichte, machte 4500 Sprünge und 240 Sprints. Dadurch soll sie 15 Prozent an Kraft zugelegt haben. Kraft, welche der Schweizer Skirennsport gut gebrauchen kann.

Erstellt: 26.10.2012, 11:21 Uhr

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Der Weltcup-Prolog in Sölden

Am Wochenende fällt mit den Riesenslaloms auf dem Gletscher von Sölden der Startschuss zum Weltcup-Winter 2012/13. Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtet am Samstag über das Rennen der Frauen und am Sonntag über den Wettbewerb der Männer mit einem TV-Liveticker. Der erste Lauf findet jeweils ab 9.20 Uhr statt, der zweite ab 12.35 Uhr.

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