Plötzlich wieder aufgetaucht

Carlo Janka feiert in der Super-Kombination von Wengen seinen ersten Sieg nach 1413 Tagen, Herzproblemen, Rückenbeschwerden und Materialsorgen. Und morgen gehört er in der Abfahrt zu den Favoriten.


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Als er abgeschwungen hatte und die grüne 1 auf der Anzeigetafel sah, streckte er den Zeigefinger der rechten Hand in die Luft. Einmal, zweimal, dreimal. Da waren sie wieder, die für ihn schon ausserordentlichen Emotionen, die ihm einst, als er vor fünf und sechs Jahren Weltmeister, Olympiasieger und Weltcup-Gesamtsieger war, den Namen «Iceman» eingetragen hatten.

1413 Tage hatte Carlo Janka auf diesen Augenblick warten müssen. Am 5. März 2011 in Kranjska Gora, nur elf Tage nach seiner Herzoperation, war die Nationalhymne zum letzten Mal für ihn erklungen, umso mehr war er nun berührt, dass sie in Wengen bereits im Zielraum für ihn gespielt wurde. Auch wenn es nur eine Superkombination war, die in seinen Augen in dieser Form mit nur zwei Rennen im Jahr kein sinnvoller Event ist. Sieg ist Sieg, und die Art, wie er ihn herausfuhr, erinnerte an den grossen Janka von Val-d’Isère 2009 und Vancouver 2010.

«Der Ort ist magisch»

1,31 bzw. 1,38 Sekunden betrug sein Vorsprung auf die Slalomspezialisten Victor Muffat-Jeandet und Ivica Kostelic, die beim Slalom auf einer wesentlich besseren Piste fahren, aber nur die Hälfte ­ihres Rückstandes aus der Abfahrt aufholen konnten. Möglich war das, weil Janka innerhalb vier Stunden zweimal verblüffte. Als Sieger der verkürzten ­Abfahrt mit Start bei der Minschkante vor Olympiasieger Matthias Mayer und Saisondominator Kjetil Jansrud, die sich in den beiden Trainings für die Abfahrt von morgen in die erste Reihe geschoben hatten. Und als Slalomfahrer, der den Vergleich mit dem besten Stangenspezialisten im Feld nicht scheuen musste: ­Alexis Pinturault, der als 32. der Abfahrt unmittelbar nach ihm starten musste, nahm ihm nur 86 Hundertstel ab. «Ich hatte in Adelboden gut trainiert», sagt Janka, «und es hat mir geholfen, dass ich dort als Vorfahrer starten konnte.»

Dass Janka ausgerechnet in Wengen zum Erfolg zurückkehrte, ist kein Zufall. Am Lauberhorn gewann er 2009 die Kombination und 2010 die Abfahrt. Hier gelangen ihm auch in den schwierigen Jahren danach immer wieder gute Leistungen. 2011 als Dritter in der Abfahrt und Zweiter in der Kombination. 2012 als Vierter der Abfahrt und Dritter der Kombination – sein bis gestern letzter Podestplatz. Weshalb ihm Wengen besonders gut liegt, weiss er nicht. Seine einzige Erklärung: «Der Ort ist magisch.»

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Hoffen auf das gute Los

Und die Magie könnte anhalten. Nach der gestrigen Demonstration in der Abfahrt trotz einem etwas verpatzten Start (14 Hundertstel Zeitverlust auf den ersten 7 Sekunden), zählt er zum engsten Kreis der Favoriten. Er selber sieht das nicht ganz so: «Ich bin nur der Herausforderer. Am Sonntag gibt es andere Bedingungen, und vor allem muss ich Glück haben mit der Startnummer.» Als Nummer 23 der Weltrangliste wird ihm entweder eine zwischen 1 und 7 oder zwischen 23 und 30 zugelost. Für Janka geht es also bereits heute um sehr viel. Beeinflussen kann er da nichts, doch vielleicht hilft ihm Wengens Magie. Klar ist: Nach vier schwierigen Jahren hat er sein Selbstvertrauen zurück­gewonnen.

Vergessen sind die Zeiten, als sein Herz raste und sich der Puls nicht mehr beruhigen konnte, als sein Rücken streikte und er keinen Weg fand, die neuen, weniger taillierten Ski seinem Fahrstil anzupassen. Janka erklärt sich für hundertprozentig gesund. Und mit der Materialabstimmung ist er zumindest auf dem besten Weg. Bei Bedingungen, wie sie jetzt in Wengen herrschten, passt sie. Ob dies auch der Fall sein wird, wenn es am Sonntag ein Neuschneerennen geben sollte, lässt er offen. Janka hat im Frühling erstmals in seiner Weltcupkarriere die Skimarke gewechselt, von Atomic auf Rossignol. «Ich habe eine neue Herausforderung gebraucht», sagt er.

WM auf dem Lieblingsschnee

Ob er wieder der «Alte» sei, wurde Janka nun gefragt. «Hier in Wengen schon», sagte er, «das Vertrauen ist zurück, und ich hoffe, dass ich davon in Kitzbühel profitieren kann.» Die Streif ist für ihn nicht magisch, denn dort fuhr er auch in seinen besten Jahren nie aufs Podest. Im Gegensatz zu Beaver Creek, wo Anfang Februar die WM-Medaillen verteilt werden. Der amerikanische Schnee liegt ihm, wie er 2009 mit seinem Dreifach-Sieg bewies. Vor einem Jahr glückte ihm dort als Sechstem das beste Riesenslalom­ergebnis seit Jahren, im Dezember klassierte er sich sowohl im Riesenslalom (7.) als auch im Super-G (9.) in den Top Ten. «Diese Resultate waren okay, aber in der Abfahrt muss ich noch ein Set-up finden, damit ich auf dem flachen ersten Abschnitt nicht zu viel Zeit verliere.»

(Erstellt: 16.01.2015, 14:37 Uhr)

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