Provokateur, Flegel, Ausnahmesportler

Petter Northug, der grosse norwegische Konkurrent des Bündner Langläufers Dario Cologna, brilliert in der Loipe – und mischt mit seinen Provokationen die Szene auf.

Frech und arrogant: Petter Northugs Dreistigkeit beim WM-Staffel-Finale in Oslo. (Video: Youtube)


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Nein, Fairplay und Respekt lebt Petter Northug nicht gerade vor. Das jüngste Beispiel: Beim sonntäglichen Weltcup-Staffellauf über 4 mal 10 km im norwegischen Sjusjöen dominiert der einheimische Schlussläufer die Konkurrenz klar und lässt sie diesen Fakt schonungslos wissen. Auf den letzten Metern vor dem Ziel tut er so, als würde er sich Schnee von den Armen schütteln. Und dem schwedischen Läufer zeigt er die lange Nase, als wolle er sagen: «Im Finish hat keiner eine Chance gegen mich. Ihr aus Schweden schon gar nicht.» Womit der Mann aus der norwegischen Ortschaft Mosvik nicht einmal ganz unrecht hat.

Northug ist unbestritten ein hervorragender und vielseitiger Athlet, ein weiterer Glücksfall für das langlaufverrückte Norwegen. Siebenfacher Weltmeister, zweifacher Goldmedaillengewinner an Olympia 2010 sowie weitere Triumphe und Podestplätze in wichtigen Wettbewerben – der Palmarès ist jetzt schon beeindruckend, obwohl Northug erst 25-jährig ist. Und dennoch ist der selbstbewusste Mann nicht der Darling der Nation. Denn die Arroganz, mit der er rund um die Loipe auftritt, sowie die Provokationen, die sich der Sportstar leistet, scheiden die Geister – selbst in seiner Heimat.

Der berühmte Finish im WM-Staffelrennen

Weitere Müsterchen von seinem Verhalten sind an dieser Stelle angebracht. «Ich weiss nicht, warum die anderen überhaupt gestartet sind, wenn doch klar war, dass ich gewinnen würde», sagte er einmal. Oder, als er in Falun gewann, verkündete er sogleich lautstark: «Ich bin der neue König von Schweden.» Schwedens Population war ob der Worte nicht gerade begeistert. Zu seinen Nachbarn scheint Northug ohnehin ein gespaltenes Verhältnis zu haben. An der Heim-WM im vergangenen Februar in Oslo besass der Norweger die Frechheit, im Finish des Staffellaufs vor dem anrückenden Marcus Hellner eine halbe Pirouette zu drehen, um schliesslich als Erster die Ziellinie zu durchqueren und sich die Goldmedaille für Norwegen zu schnappen. Dies wiederum brachte einen schwedischen Reporter dazu, den neckischen Lausbuben als «Schwein» zu bezeichnen.

Pikant äusserte sich Northug zu seiner überaus erfolgreichen Landsfrau Marit Björgen. Als er darauf angesprochen wurde, dass der Star im Frauen-Langlauf in der norwegischen Bevölkerung populärer sei als er, meinte er spitzbübisch: «Einverstanden. Ich mag Marit auch lieber.» Das beweist immerhin, dass er sich – bei allem Erfolg im Schnee – nicht immer ganz ernst nimmt. Sein Vater und Manager John findet aber, dass seinem Filius etwas mehr Bescheidenheit gut anstehen würde.

Zwei Gemeinsamkeiten mit Cologna

Northug polarisiert – im Gegensatz zum einen Jahr jüngeren Cologna, der als besonnener und bescheidener Mann aus dem Bergtal Val Müstair sein Pensum absolviert, ohne viel Worte zu verlieren oder die Konkurrenz verbal zu attackieren. Gerade in Norwegen wird der Bündner wegen seiner sportlichen und menschlichen Qualitäten sehr geschätzt. In zwei Punkten sind die sonst so verschiedenen Typen aber gleich: Sowohl der Norweger als auch der Schweizer sind unheimlich ehrgeizig und Langläufer der Extraklasse.

Im Falle von Northug muss man beifügen: Der Mann hat nicht nur eine grosse Klappe, er hat auch Erfolg. Ob das seinen Hang zur Provokation rechtfertigt, ist wieder eine andere Frage.

Erstellt: 21.11.2011, 17:35 Uhr

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