Rekordfest mit der Familie

Lindsey Vonn hat in Cortina die Chance, Annemarie Moser-Prölls 62 Weltcup­siege zu übertreffen. In der Abfahrt kann sie sich heute (9.30 Uhr) eigentlich nur selbst schlagen.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es ist alles angerichtet. Und Lindsey Vonn freut sich «auf eine richtig gute Zeit, die wir hier in Cortina haben werden». Mutter Linda Krohn ist mit ihrem Partner erstmals in Europa. Auch Lindseys Schwester Laura und ihr Vater Alan Kildow sind in Italien, Alan ebenfalls mit neuer Partnerin, er und Linda sind seit vielen Jahren geschieden. Es ist die erste Familienzusammenführung dieser Art, aber der Grund dafür könnte würdiger nicht sein: Es müsste vieles schieflaufen, wenn Lindsey Vonn nicht bereits heute in der Abfahrt mit ihrem 62. Weltcupsieg den Rekord von Annemarie Moser-Pröll (Ö) egalisiert.

Bereits wenige Wochen nach ihrem Comeback nach zweijähriger Verletzungszeit ist es wieder so weit: Vonn kann sich im Prinzip nur selbst schlagen, zumindest auf bestimmten Strecken. Die Olimpia delle Tofane gehört zweifellos dazu. In elf Jahren stand sie hier 14-mal auf dem Podest, die Hälfte dieser Rennen gewann sie. Sie dürfte an diesem Wochenende drei Chancen erhalten: Macht das Wetter morgen die zweite Abfahrt unmöglich, wird sie auf Sonntag verschoben und der ­Super-G auf Montag.

«Ich mag diesen Berg», sagte die US-Amerikanerin gestern nach dem einzigen Training. Sie kam als Schnellste ins Ziel, obwohl sie im unteren Teil sehr lange in der Skilehrerhocke unterwegs gewesen war. Ist der 62. Sieg also heute fällig, der 63. zur alleinigen Führung auch bald? «Ich habe in der Vergangenheit so viel über diesen Rekord geredet», sagte Vonn, «jetzt­ ­konzentriere ich mich nur auf mein Skifahren. Man kann nicht im Starthaus stehen und das Gefühl ­haben, bereits die Siegerin zu sein.»

Ansteckende Gelassenheit

Kann man natürlich schon. Gerade Lindsey Vonn hatte dieses Selbstverständnis. Aber sie hat einen Reifeprozess hinter sich. Mit Vater Alan hatte sie jahrelang jeglichen Kontakt gemieden, nachdem er in ganz jungen Jahren massgeblich an ­ihrer Entwicklung zur Skifahrerin mit­gewirkt hatte. «Ich brauchte Abstand», sagte sie zu dieser Phase. Der Vater ist ein dominanter Mensch, als Lindsey selbst zu einer immer stärkeren Persönlichkeit wurde, funktionierte es nicht mehr.

Die 30-Jährige wirkt aufgeräumt wie nie in ihrer langen Karriere. Wie hat sie all die schwierigen Phasen weggesteckt, die Bekanntgabe ihrer Depressionen, die Scheidung von Ehemann Thomas Vonn, den Kreuzbandriss, die verpassten Olympischen Spiele in Sotschi? «Ich liebe das Skifahren», antwortete sie darauf, «ich liebe, was ich tue. Und es gibt immer etwas, worauf es sich lohnt, hinzuarbeiten: Rekorde, Heim-WM, Olympische Spiele, mich selbst zu verbessern. Das motiviert mich. Deshalb habe ich auch keine Ahnung, wie das ist, wenn ich einmal meine Karriere beende.» Wie war es denn, als sie zwei Jahre nur Zuschauerin war im Weltcup? «Mir war furchtbar langweilig.»

Leo Vonn, der Hund

Es sieht so aus, als sei Lindsey Vonn ­tatsächlich ganz tief drinnen bei sich ­angekommen. Sie redete davon, dass sie mit ihrem Lebenspartner Tiger Woods gerne Kinder haben möchte, sie erzählte von der Stiftung mit ihrem ­Namen, die sie im vergangenen Februar gegründet hat. Dort bietet sie Camps mit professioneller Betreuung an, «wir vergeben aber auch Stipendien an Mädchen, die Hilfe in der Schule brauchen». Vonn will für 7- bis 14-Jährige die Inspiration sein, die einst die ehemalige Spitzenskifahrerin Picabo Street für sie selbst war. Das Programm soll ausschliesslich Mädchen zugutekommen. Dazu sagte sie einer amerikanischen Journalistin lachend: «Die Girls sollen merken, dass sie absolut keine Jungs brauchen.»

Einer wird beim Rekordfest der ­Familie allerdings fehlen. Hund Leo, den Lindsey Vonn im Tierheim adoptiert hat und der wegen eines Knieschadens humpelt. Als Welpe hatte ihn ein Auto angefahren. Doch den Kontakt hält sie mit Leo auch auf Auslandsreisen, sie redet via Skype mit ihm, und Leo bellt zurück. Wen das wundert, der sollte wissen, dass Leo Vonn ein eigenes ­Profil beim sozialen Netzwerk Instagram hat. Mit 11 682 Followern.

Erstellt: 15.01.2015, 23:26 Uhr

Artikel zum Thema

Mittendrin im Adrenalinrausch

Stefan Abplanalp muss als Trainer des US-Frauenteams an der Heim-WM Medaillen liefern. Der Schweizer liebt diese Herausforderung. Mehr...

Vonn auf Rekordjagd – Schweizerinnen stark

US-Ski-Ass Lindsey Vonn feiert in der Abfahrt von Val-d'Isère den 61. Weltcupsieg. Das Schweizer Speed-Team zeigt eine starke Reaktion. Mehr...

Vonn enttäuscht beim Comeback – nur sich selber

Die Amerikanerin kehrte als Achte der Abfahrt von Lake Louise in den ­Weltcup ­zurück. Gegen Tina Maze war nicht nur sie chancenlos. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Blogs

Geldblog Sie trauen der Börsen-Hausse nicht? So gewinnen Sie beim Crash

Von Kopf bis Fuss Hausmittel gegen Husten und Halsweh

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Warten auf den Papst: Ein Mann schaut aus seinem Papst-Kostüm hervor. Der echte Papst verweilt momentan in Bangkok und die Bevölkerung feiert seine Ankunft. (20. November 2019)
(Bild: Ann Wang) Mehr...