«Schiessen lerne ich nicht mehr»

Warum Dario Cologna vor der WM über den Biathlon-Sport nachdenkt – und warum man sich trotz schwieriger Saison keine Sorgen um ihn zu machen braucht.

«Man müsste das Publikumsinteresse bei uns im 
Langlauf stärker gewichten»: Dario Cologna (32). Foto: Keystone

«Man müsste das Publikumsinteresse bei uns im Langlauf stärker gewichten»: Dario Cologna (32). Foto: Keystone

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Sie starten am Samstag ohne Podestplatz aus diesem Winter in den WM-Skiathlon. Woran hapert es?
Für grosse Analysen ist jetzt nicht der Zeitpunkt. Noch stehen die WM-Rennen und damit das Hauptziel der Saison an.

Sie haben in dieser Saison ungewohnt oft auf den letzten Kilometern ordentlich Zeit eingebüsst. Warum?
Das ist schwierig zu sagen. Ich hatte auch nicht immer das beste Material. Aber ich habe die letzten paar Wochen so trainieren können, wie ich mir das vorstellte. Ich habe also auf die WM hin alles getan, was ich kann.

Just vor den Spielen entwickelten Sie im letzten Jahr eine Hochform. Spüren Sie nun vor der WM einen ähnlichen Boost?
Nein, die Resultate und damit die Indizien waren andere. Ich hätte vor der WM gerne einmal auf dem Podest gestanden, bessere Resultate gehabt – als Bestätigung für meine Arbeit. Nun bleibt mir primär die Hoffnung, noch einen Schritt getan zu haben.

Darauf deutete der letzte Weltcup-Einsatz vor der WM nicht hin. Sie entschieden sich als einer von nur zwei Athleten im Klassisch-Rennen für Skating-Ski und fielen durch.
Ja, ich vertat mich. Entsprechend weiss ich nun halt nicht so recht, wozu ich fähig bin. Aber ich bin routiniert genug, mit dieser Situation umgehen zu können.

Ziel bleibt die Medaille?
Natürlich, was soll es auch anderes sein? Ich rede von der Medaille, das kann Gold sein, muss aber nicht.

Ihr Selbstvertrauen schien auch schon grösser.
Ich habe keine Selbstzweifel, seien Sie unbesorgt.

Trauen Sie sich zu, wie in den Topjahren nochmals regelmässig in die Top 3 zu laufen?
Das wird bestimmt schwieriger. Ich muss wohl punktueller denken, also Rennen gezielter auswählen und vorbereiten, gerade die 50 km an den Grossanlässen. Das heisst als Konsequenz: Wenn ich weniger oft starte, muss die Vorbereitung auf diese Wettkämpfe umso mehr passen.

Könnten Sie auch Ihre Renntaktik ändern? Sie attackieren gerne im Finale. Warum an Titelkämpfen nicht einmal sehr früh angreifen?
Da muss man sich schon sehr, sehr gut fühlen. Verzweiflungsaktionen bringen nichts. Ich müsste also vor einem 50er bereits anhand anderer Rennen spüren, dass ich super drauf bin.

An der WM werden fast alle Rennen im Massenstart ausgetragen. Im Weltcup gab es bislang kaum welche. Warum?
Man muss sich in der Tat fragen, warum das Programm so zusammengestellt wurde. Denn sind wir ehrlich: Für die Zuschauer sind Massenstartrennen interessanter. Natürlich braucht es dafür mehr Platz als bei Einzelstarts. Aber der momentane Zustand behagt mir nicht.

Die Biathleten sind da weiter – gar Vorbilder?
Zumindest haben sie es geschafft, ausschliesslich attraktive Formate zu kreieren.

Wird Cologna noch zum Biathleten?
Ich fürchte, schiessen lerne ich nicht mehr. Im Ernst: Man müsste das Publikumsinteresse bei uns stärker gewichten.

Hat der Langlaufsport gar einen Reformstau?
So weit würde ich nicht gehen. Auch die Alpinen haben sich in den letzten Jahren nicht fundamental verändert. Aber klar ist: Die grossen Änderungen passierten bei uns vor mehr als zehn Jahren mit der Einführung des Sprints oder Massenstarts.

Neben den ewigen Gegnern aus Norwegen haben Sie es neu auch mit jungen Russen zu tun. Wie begegnen Sie ihnen?
Man weiss seit längerem, dass die Russen eine neue, starke Generation haben. Diese hat sich unabhängig von der älteren, dopingbelasteten entwickelt. Ihnen hilft auch die Teamgrösse. Sie können sich schon im Sommer in der Vorbereitung pushen.

Dieses Fordern fehlt Ihnen?
Ich wünschte mir zumindest, dass ich im Team manchmal etwas mehr Konkurrenz hätte.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 22.02.2019, 23:29 Uhr

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