Selbst dieser Ammann ist bitter nötig

Simon Ammann wird besser – seine Teamkollegen bleiben dürftig.

Er hat sich seit Saisonbeginn stetig verbessern können: Simon Ammann.

Er hat sich seit Saisonbeginn stetig verbessern können: Simon Ammann. Bild: Keystone

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In den guten alten Zeiten hätte man einen 11. Platz von Simon Ammann als herbe Niederlage interpretiert. Aber die guten alten, sprich erfolgreichen Zeiten sind im Schweizer Skispringen längst vorbei. Die Realität ist, dass dieser Rang von gestern beim zweiten Weltcup-Springen in Engelberg das beste von Ammann in diesem Winter darstellt. Damit schnuppert der Toggenburger immerhin an den Top 10, auf die besten Springer allerdings verliert er noch immer viele Punkte.

Trotzdem war der 36-Jährige zufrieden, weil er sich seit seinem zähen Saisoneinstieg sukzessive hat verbessern können und zumindest wieder zu Leistungen für eine einstellige Platzierung fähig ist. Das mag für einen vierfachen Olympiasieger in einer Olympiasaison nach wenig klingen. Wenn man allerdings weiss, wie bescheiden Ammann noch im vergangenen Winter agierte, wo wenig zusammenpasste, muss man festhalten: Er hat sich kräftig vorwärtsentwickelt – und darf berechtigterweise mit Zuversicht die kommende Vierschanzentournee vorbereiten.

Dass ihm die Konstanz für zwei Topflüge noch abgeht, ist zwar offensichtlich: In Engelberg fiel er am Samstag vom 6. Zwischenrang noch auf den 14. Schlussrang zurück, gestern rückte er vom 16. auf den 11. vor. Die Punktedifferenz zu den unmittelbaren Konkurrenten war immerhin gering. Bloss zu den Top 3, allen voran zum überlegenen Sonntagssieger Richard Freitag, klafft eine Lücke. Ob sich Ammann bis auf die Spiele darum noch einmal in die Position eines Favoriten bringen kann, ist zu bezweifeln. Dafür scheint der Abstand zu den Besten doch zu gross.

Handkehrum offenbart diese Saison einmal mehr, was für ein sonderbarer Sport dieses Skispringen doch ist. Denn so mancher Dauersieger der vergangenen Jahre schwächelt oder fällt regelrecht ab. Der prominenteste von ihnen ist Gregor Schlierenzauer, der Rekordsieger im Weltcup. Nach einer Sinnkrise erst kürzlich auf die Schanzen zurückgekehrt, scheiterte der 27-jährige Österreicher in Engelberg an beiden Tagen nur schon daran, in den Final vorzustossen.

Mehr Polen- als Schweizer Fahnen

Oder nehmen wir Peter Prevc. Der Slowene erdrückte die Gegner in seinem besten Winter vor zwei Jahren mit seiner Dominanz fast. Besser als 13. war Prevc in dieser wichtigen Saison nun noch nie. Simon Ammann, von den Top 15 der mit Abstand älteste Springer, hält sich folglich gar nicht so schlecht. Ergebnisse im Mittelmass helfen seinem Sport allerdings nicht, damit er ausserhalb der kleinen Schweizer Skisprung-Szene breit wahrgenommen wird. In Engelberg schwenkten dafür sinnbildlich mehr polnische als Schweizer Fans schon einmal ihre Fahnen.

Trotzdem ist der Teamoldie für seinen Sport im Land unabkömmlich. Denn was seine Kollegen daheim in Engelberg präsentierten, ist mit ­bescheiden noch grosszügig bschrieben. Mit Killian Peier (28.) war übers ganze Wochenende nur ein anderer Schweizer gut genug, sich für einen Finaldurchgang zu qualifizieren. Der Rest fiel durch. Ohne Simon Ammann geht in der kleinen Schweizer Equipe also weiter wenig – und das nun seit vielen Jahren.

Nicht einer, den älteren Andreas Küttel und den gebürtigen Deutschen Michael Möllinger ausgenommen, hat seither einen Winter konstant Weltcupergebnisse zwischen 15 und 20 liefern können. Dabei hat die Zahl an Nationen, die Skispringen betreiben, nun wirklich nicht zugenommen. Man muss folglich kein Prophet sein, damit man sagen kann: Sobald Ammann abtritt, interessiert das Schweizer Skispringen in diesem Zustand nur noch Insider. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.12.2017, 21:03 Uhr

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