Spätfolgen einer Verletzung

Dario Cologna rutscht an der Tour de Ski auf Platz 7 ab. Warum sein Schwächeln auch im Gold von Sotschi begründet ist.

Dario Cologna ist nur noch als Verfolger unterwegs. Foto: Alessandro Garofalo (Reuters)

Dario Cologna ist nur noch als Verfolger unterwegs. Foto: Alessandro Garofalo (Reuters)

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Als Sportfreund neigt man im Erfolg zum Kurzblick – und der besagte nach dem Triumph von Dario Cologna zum Auftakt dieser 9. Tour de Ski: Der Bündner zählt wieder zu den Favoriten. Er kann siegen! Vergessen war damit in Nullkommanichts, dass er sich zu Beginn der Saison nach einem Trainingsrückstand schwergetan hatte. Aber eben: Es ist im Spitzensport wie beim Essen: Der Hunger nach Erfolgen kommt mit dem Siegen. Vier Etappen später weiss man, diese Hoffnung war trügerisch.

Denn diese Tour wird keine mehr für Cologna. Über 25 km Skating im Jagdstart von Toblach verlor er viel Zeit auf das Führungsquartett. Gut 2 Minuten liegt er nun in der Zwischen­wertung als Siebter zurück. Cologna wird – falls sich die Ereignisse nicht überstürzen – seine 7. Tour bestenfalls als Fünfter beenden. Das wäre gut und trotzdem enttäuschend.

Nach seinem Debüt 2008 als 30. klassierte er sich in der Gesamt­wertung dreimal als Erster, einmal als Zweiter und einmal als Dritter. Kurz: Cologna galt bis jetzt als wie gemacht für diese Prestigeserie der Langläufer. Dass er es nicht mehr vollumfänglich ist, hängt mit ihm und seinen Gegnern zusammen.

Erst zu seinen Konkurrenten: Sie sind in dieser Dichte so stark wie nie an der Tour. Gerade Hauptfavorit und Titelverteidiger Martin Johnsrud Sundby und der 25-jährige zweitplatzierte Calle Halfvarsson (Sd) haben sich im Vergleich zur vergangenen Saison nochmals verbessert. Kommt dann eine für Cologna unglückliche Rennkonstellation dazu, in der er wie gestern solo gegen ein Führungsquartett ankämpfen muss, ist er chancenlos. Schon vor Wettkampfhälfte resignierte er darum, oder wie er es sagte: «Ich gab mich in Bezug auf das Gesamt­klassement auf.»

Das Positive am Rückschlag

Sein Rückschlag hat allerdings auch etwas Beruhigendes. Selbst ein Athlet seines Formats kann nicht innert weniger Tage an Niveau aufholen, was er über Wochen verpasst hatte – und was sich in den ersten Weltcuprennen in substanziellen Rückständen offenbarte. Hätte er diesen Unterschied zum bislang überragenden Sundby in einem Trainingszwischenspurt über Weihnachten geschlossen, hätte man sich fragen müssen, wie ein solcher Schub möglich ist. Insofern zeigen diese Tour-Rennen, dass es im Fall von Cologna keine Wunder gibt – und er paradoxerweise wohl weiter für seine Olympiatitel von Sotschi büsst.

Nach seiner schweren Fussverletzung vom Dezember 2013 kitzelte er in den verbleibenden zwei Monaten bis zu den Spielen alles aus sich heraus – körperlich wie mental. Als Folge ver­zögerte sich sein Aufbau für die Saison 14/15, zumal er den Fuss ein weiteres Mal operieren lassen musste. An eine kontinuierlich-starke Vorbereitung war nicht zu denken.

Schon vor Ablauf dieser Tour lautet darum die Frage: Schafft er es bis zur WM ab Mitte Februar, sich auf ein titelträchtiges Niveau zu bringen? Oder wird er eine weitere Aufbauphase im nächsten Sommer benötigen, bis er wieder ganz der alte Cologna ist? Der 28-Jährige glaubt, bis zu den Titel­rennen «noch ein bisschen besser werden zu können». Das muss er auch, wenn er in Falun (Sd) mindestens zum Mitfavoriten werden will.

Erstellt: 08.01.2015, 21:24 Uhr

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