Vieles im grünen Bereich

Simon Ammann ist vor seinem 16. Weltcup im fast schneefreien Engelberg entspannt – und doch angriffig.

Speziell sind die Aussichten dieses Jahr von der Titlisschanze. Foto: Oliver Lerch (Gepa)

Speziell sind die Aussichten dieses Jahr von der Titlisschanze. Foto: Oliver Lerch (Gepa)

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Simon Ammann kommt schon so manches Jahr nach Engelberg zum Weltcupspringen. 1999 debütierte er hier auf oberster Stufe. Doch derart schneelos hat er den Engelberger Winter kaum je erlebt. Man muss vor seinem 16. Heimauftritt heute und morgen darum sagen: Der (Kunst-)Schnee reicht gerade so weit, wie die Titlisschanze lang und breit ist. Rundherum dominiert hingegen das Wiesengrün. Darum mussten die Organisatoren gar Schnee aus Andermatt heranschaffen. Zusammen mit übersommertem Schnee und maschinell erzeugtem reichte es immerhin, die Anlage perfekt herzurichten.

Die Farbe Grün passt – im übertragenen Sinn – zu Ammanns sportlicher und privater Situation. Dem kleinen Sohnemann geht es gut, der Papa wiederum reiste mit bereits zwei Siegen ins Klosterdorf. Vieles scheint für ihn im grünen ­Bereich. Statt wie in früheren Jahren im Januar erstmals zu pausieren und sich mehrere Tage am Stück zu regenerieren, liess Ammann das Weltcupspringen vor einer Woche aus, besuchte mit der Familie die Eltern im Toggenburg und entspannte für die intensiven kommenden Wochen: Mit Engelberg, der Vierschanzentournee und dem Skifliegen am Kulm stehen die ersten Höhepunkte an, ehe es im ­Februar zur WM kommt.

Curlen – und sich steigern

Der Routinier wählte zuletzt also die Entschleunigung – und verzichtete am Donnerstag auch auf das Training. ­Immerhin begab er sich aufs Glatteis, ­indem er sich mit dem Team beim Curlen auf die Schweizer Sprungtage einstimmte. Denn nur weil er bislang überzeugte, komme es in Engelberg nicht ­automatisch gut, sagt er. Das zeigten seine Sprünge von gestern inklusive der Qualifikation: Sie waren bestenfalls solid. Wer wie Ammann aber «mindestens in die Top 5, besser noch aufs Podest springen will», wird eine ordentliche Steigerung benötigen. Entspannt betonte er allerdings: «Ich habe den Sprung im Kopf.» Er sagte aber auch: «Lange tat ich mich hier schwer.»

Engelberg dient darum ein bisschen als Symbol für seine Karriere. Sie ist bewegt. In den ersten drei Auftritten hier von 1999 und 2000 ging wenig, dann folgten gleich erste Podestplätze (neben den ersten Olympiasiegen) – und dann sechs Jahre mit vielen bescheidenen ­Resultaten. Zwischen 2008 und 2011 war er nie schlechter als Neunter – und schaffte es in den vier Springen ­danach kein einziges Mal mehr in die Top 10. Er würde mit seinem erhofften Rang in Podestnähe folglich eine negative Miniserie durchbrechen.

Bei welcher Weite es mit der Telemark­landung heikel wird, bei gegen 140 m, hat er sich auf jeden Fall schon einmal gemerkt. Das zeigt: Ammann ist in angriffiger Stimmung und im Gegensatz zu letzter Saison in dieser Phase kein Suchender mehr. Form und vor ­allem Materialabstimmung passen. Das kräfteraubende Pröbeln entfällt.

Starker Killian Peier

Dafür kann er, zuletzt oft nur mit Gregor Deschwanden unterwegs, wieder einmal den Teamleader geben. Gleich fünf Schweizer überstanden die Qualifikation, auch der kränkelnde Deschwanden. Der 19-jährige Killian Peier, der zum Saisonauftakt 17. geworden war, überzeugte besonders. Der Romand flog bei seinem Qualifikationsdebüt am Heim-Weltcup auf den siebten Rang. Das grüne Engelberg scheint zumindest den Schweizer Skispringern zu passen.

Engelberg. Weltcupspringen, Qualifikation: 1. Damjan (Sln) 136,5 (132,5 m). 2. Freitag (De) 135,1 (129,5). 3. Sakuyama (Jap) 134,1 (136). 4. Eisenbichler (De) 134,0 (131). 5. Kofler (Ö) 131,8 (130). 6. Kranjec (Sln) 130,8 (132). 7. Peier 130,4 (135). – 26. Karlen 120,3 (132). 32. Schuler 118,4 (128,5). 37. Deschwanden 116,2 (129). – Vorqualifizierte (Top Ten im Weltcup): 1. Bardal (No) 141 m. 2. Kraus (De) und Schlierenzauer, je 131 m. – 7. Ammann 126 m.

Erstellt: 19.12.2014, 22:36 Uhr

Engelberg. Weltcupspringen, Qualifikation

1. Damjan (Sln) 136,5 (132,5 m).
2. Freitag (De) 135,1 (129,5).
3. Sakuyama (Jap) 134,1 (136).
4. Eisenbichler (De) 134,0 (131).
5. Kofler (Ö) 131,8 (130).
6. Kranjec (Sln) 130,8 (132).
7. Peier 130,4 (135). – 26. Karlen 120,3 (132). 32. Schuler 118,4 (128,5). 37. Deschwanden 116,2 (129).
Vorqualifizierte (Top Ten im Weltcup): 1. Bardal (No) 141 m. 2. Kraus (De) und Schlierenzauer, je 131 m. – 7. Ammann 126 m.

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