Vorwärts zum Mitfavoriten

Dario Cologna korrigierte in Davos mit Platz 3 seinen schlechten Saisoneinstieg.

Dario Cologna feiert in Davos seinen 3. Rang. Foto: AFP

Dario Cologna feiert in Davos seinen 3. Rang. Foto: AFP

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Wenn Athleten über ihren Formstand berichten, ist oft ein bisschen Skepsis angebracht. Gerne glauben sie sich nämlich in besserer Verfassung, als sie es tatsächlich sind. Diese Selbsttäuschung bildet ein zentrales Element des Spitzensports. Gerade aber die Grössen ihres Gebiets unterliegen dieser Illusion oft nicht. Sie wissen sich und damit ihr aktuelles Leistungslevel meist sehr realistisch sowie nüchtern einzuschätzen.

Dario Cologna gehört in diese Kategorie. Und der dreifache Langlauf-Olympiasieger ist jeweils auch offen genug, darüber zu sprechen. Er liefert als Konsequenz fast immer, was er verspricht. Zum Saisoneinstieg vor drei Wochen sagte er, noch ein wenig Zeit zu benötigen. So war es dann auch: Er startete in Finnland dezent in den Winter, für manche gar enttäuschend schwach.

Treffsichere Prognose

Bereits knappe drei Wochen später aber sagte er diesen Freitag vor dem Heim-Weltcup in Davos, über die 15 km klassisch in die Top 3 laufen zu wollen. Wieder bestätigte der 28-jährige Bündner als Dritter seine Prognose und verpasste dabei den zweiten Rang in einem packenden Rennen bloss um sieben Zehntel. In Siebenmeilenstiefeln verbesserte sich Cologna folglich über die längere Distanz in kurzer Zeit – und war nach seinem Ausscheiden gestern im Skatingsprint doch auch realistisch genug, zu sagen: «Es steht für mich noch viel Arbeit an.»

Gleichwohl darf dieses erste von zwei Weltcupwochenenden in Davos als Erfolg für ihn gewertet werden: Er schloss die Lücke zu den Distanzbesten und steigerte sein Selbstbewusstsein. Er erhielt zudem den resultatmässigen Beweis, dass seine Vorbereitung im Sommer keineswegs so schlecht war wie befürchtet.

Er hatte im Frühling wegen seiner gravierenden Fussverletzung vom Dezember 2013 nochmals unters Messer müssen, war darum mit Verspätung in das Training eingestiegen. Gerade die spezifischen Schnelligkeitseinheiten musste er wegen seines Fusses deshalb auslassen. Dieses Defizit konnte er bislang nicht ausgleichen. Es erklärt, weshalb er in Davos auch im dritten Weltcupsprint dieses Winters nicht in den Viertelfinal vorzurücken vermochte. Zumindest zeitmässig aber verminderte er den Abstand auf die Spezialisten, was belegt: Auch über die kürzeste Distanz kommt er besser in Schwung.

Erfreuliche Perspektiven

Entsprechend erfreulich sind bei diesen Fortschritten seine Perspektiven. Ab Ende Jahr beginnt für ihn mit der Tour de Ski der erste Saisonhöhepunkt. Der zweite wird Mitte Februar mit der WM in Falun (Sd) folgen. Es spricht zurzeit wenig gegen eine entscheidende Rolle Colognas in der prestigeträchtigen Tour – und dann natürlich auch an den Weltmeisterschaften.

Colognas Fortschritte sind auch für das Schweizer Langlaufteam wichtig. Ansonsten hätte es sich an den Heimrennen über den zwölften Platz von Sprinter Jöri Kindschi verkaufen müssen – und einen entsprechend schwierigen Stand gehabt. Ohne Cologna, es ist nun einmal so, läuft im helvetischen Langlauf zumindest in der Aussenwahrnehmung wenig. Er bleibt der Dreh- und Angelpunkt in dieser Disziplin von Swiss-Ski. Leidet er, leidet auch sein Sport. Das Positive dabei: Er ist diese Botschafterrolle nun seit ein paar Jahren gewohnt.

Erstellt: 14.12.2014, 23:33 Uhr

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