WM ohne Schweizer Olympiasiegerin

Weinend sass sie im Zielraum: Dominique Gisin fällt wegen einer Knieverletzung mehrere Wochen aus.

Ihr Ausfall schwächt das Schweizer Frauenteam empfindlich: Dominique Gisin, Abfahrts-Olympiasiegerin. Foto: Keystone

Ihr Ausfall schwächt das Schweizer Frauenteam empfindlich: Dominique Gisin, Abfahrts-Olympiasiegerin. Foto: Keystone

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Die Schweizer WM-Perspektiven haben sich bereits drastisch verschlechtert, ehe die Teams überhaupt nach Beaver Creek gereist sind. Dominique Gisin, Abfahrts-Olympiasiegerin, erlitt bei ihrem Sturz im Super-G von Cortina eine Fraktur des Schienbeinkopfes im rechten Knie, sie fällt damit für sechs bis acht Wochen aus. Zwar werde laut Communique von Swiss-Ski ein «definitiver Entscheid» erst am Dienstag gefällt, nach einem Gespräch zwischen Gisin und ihrem Vertrauensarzt. Aber es scheint klar: Das erste Training zur WM-Abfahrt in Colorado am 2. Februar und das Rennen selbst finden ohne Gisin statt.

Am Montag sass sie weinend im Zielraum von Cortina, sie fasste sich immer wieder ans rechte Knie, das sie nach vielen schweren Verletzungen in- und auswendig kennt. Nach einem Schlag hatten sich die Ski gekreuzt, ein Sturz war unvermeidlich. Ein MRI am Abend in Zürich ergab die niederschmetternde Diagnose. Gisin hatte Böses bereits geahnt: «Es fühlt sich nicht gut an», sagte sie, ehe sie humpelnd den Zielraum verliess. In Cortina hatte sie schon vor drei Jahren einen Meniskusschaden im Knie erlitten, der sie zum vorzeitigen Saisonende zwang.

Ein persönliches Drama

Die WM ohne Olympiasiegerin? Das ist für Gisin ein persönliches Drama. Aber es schwächt auch ein Frauenteam, das immer noch auf der Suche nach der letzten Sicherheit ist. Lara Gut war am Montag im Super-G als 6. beste Schweizerin, symptomatisch waren jedoch die Fahrten von Gisin und Fabienne Suter: Beide fuhren angriffig und dynamisch. Beide lagen auf Podestkurs. Dann stürzte Gisin, und Suter rutschte nach einem Fehler auf Rang 14 ab.

Wem die letzte Sicherheit fehlt, der muss in einen Rhythmus finden, braucht Erfolge. Die technisch anspruchsvolle Strecke in Bad Kleinkirchheim wäre den Schweizerinnen gelegen, doch wegen Sturm und Schnee mussten die beiden Rennen vorletztes Wochenende abgesagt werden. «Die Natur ist zurzeit nicht gerade auf unserer Seite», sagt Cheftrainer Hans Flatscher und: «Wir tun aber auch zu wenig.»

Nicht alles auf den Kopf stellen

Die vier Top-10-Plätze in Cortina genügen den Ansprüchen nicht. «Unser Ziel ist es, immer eine Athletin auf dem Podest zu haben im Speed», sagt Flatscher. Bislang gelang dies nur Gut bei ihrem Sieg im Super-G von Lake Louise. «Die Fahrerinnen, die stechen müssen», sagt Flatscher, «sind bislang zu wenig zuverlässig.» Und jetzt fehlt einer dieser Joker bei der WM wegen einer Knieverletzung ganz.

Ihm hatte zwar gefallen, wie die Fahrerinnen auf den enttäuschenden Freitag reagierten, wie sie angriffen. Aber noch immer ist es keiner gelungen, eine wirklich gute Fahrt vom Start bis ins Ziel zu zeigen. Sie lassen ihr Können nur phasenweise aufblitzen. Sie mögen die harten, eisigen Pisten lieber, weil sie die Rückmeldung der Ski bekommen, weil sie spüren, wie viel Kraft sie einsetzen können. Bei weichen Verhältnissen tun sie sich schwerer. Muss man am Training etwas ändern, weichere Pisten suchen? «Meine Erfahrung zeigt, dass es fatal ist, bei mangelnden Erfolgserlebnissen alles auf den Kopf zu stellen», sagt Cheftrainer Flatscher. «Man darf sich nicht aus der Spur bringen lassen, dann kehrt sich die Situation auch wieder um.» Das will er den Fahrerinnen vermitteln, aber er sagt auch: «Was wir auf keinen Fall tun werden: unsere Erwartungen herunterschrauben, mit einem 6. oder 8. Rang zufrieden sein.» Auch wenn das ohne Dominique Gisin um einiges schwieriger sein wird.

Erstellt: 19.01.2015, 21:18 Uhr

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