Was wäre der Schweizer Skisport ohne seine Frauen?

Beim Weltcupauftakt in Sölden werden die Schweizer im ­Riesenslalom nur eine Nebenrolle spielen. Bei den Schweizerinnen sieht es ganz anders aus.

Top-Erinnerung an Sölden: Lara Gut. Foto: Keystone

Top-Erinnerung an Sölden: Lara Gut. Foto: Keystone

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Die ersten Sieger von Sölden stehen fest, ehe die erste Riesenslalomfahrerin heute aus dem Starthaus schiesst. Der heftige Schneefall der vergangenen zwei Tage hat die Tourismusverantwortlichen nämlich zu glücklichen Menschen gemacht. Mehr als ein Meter Schnee fiel in Sölden. Die Lawinenspezialisten haben die ­gefährlichen Überhänge entlang der Strasse zum Rettenbachferner weg­gesprengt. Der Neuschnee verleiht dem durch die vielen Föhntage im Herbst schwer ergrauten Gletscher ein wunderbar weisses Kleid.

Und weil nun bis morgen die Sonne am wolkenlosen Himmel strahlt, wird es die perfekten Bilder für die weltweit 70 Millionen TV-Zuschauer geben. Die Tourismus-Chefin von Sölden erzählt freudig, dass die Internetseite mit den Hotelangeboten nach den Weltcuprennen statt mit 15'000 Klicks pro Tag 45'000-mal angewählt wird.

So viel zum Rahmen. Wer aber wird sich heute und morgen als Sieger und Siegerin in sportlicher Hinsicht feiern lassen? Vertraut man den Wettanbietern, ist die Sache relativ klar: Anna Fenninger (Ö) und Ted Ligety (USA). Für ihn wäre es der vierte Erfolg auf dem Gletscher in vier Jahren. Als härtesten Konkurrenten bezeichnet Ligety den Österreicher Marcel Hirscher, der in diesem Winter Skihistorisches erreichen könnte. «Ich werde immer öfter darauf angesprochen, dass ich der Erste sein kann, der viermal in Folge den Gesamtweltcup gewinnt», sagt der Salzburger. «Aber allein der Fakt zeigt schon, wie schwierig dies ist.»

Jankas Sonderstellung

Den Schweizer Skifahrern wird nur eine Nebenrolle bleiben. Carlo Janka ist der Einzige, der mit einer Startnummer um die 20 unter den Top 30 im Riesenslalom ist. Der Obersaxer ist nach dem Markenwechsel noch etwas unsicher bei der ­Abstimmung, aber er sieht Fortschritte. Thomas Stauffer, seit Frühjahr Männerchef, freut sich, dass «wir mit Carlo nicht mehr so viel übers Material diskutieren müssen und er sich mehr aufs Training konzentrieren kann».

Stauffer arbeitete viele Jahre erfolgreich im Ausland. Warum die Männer nicht aus der Riesenslalomkrise herausfinden, kann er auch mit dem Blick des lange aussenstehenden Experten nicht erklären. Seit sechs Monaten ­besitzt er nun die Sicht eines Insiders, und da ist ihm vor allem eines aufgefallen: «Die Athleten müssen früher und besser ausgebildet zu uns kommen.» Die Kritik zielt auf die drei nationalen Leistungszentren. Die Fahrer würden erst mit 20, 21 Jahren ihre berufliche Ausbildung ­abschliessen und dann voll aufs Skifahren setzen. «In diesem Alter sollten sie aber schon gestandene Europacupfahrer mit einzelnen Weltcupeinsätzen sein», sagt Stauffer.

Gut vor nächster Serie

Geduld ist gefragt, bis die Krise ausgestanden ist. «Wir müssen froh sein, wenn wir am Ende des Winters drei Fahrer ­unter den Top 30 haben», sagt Stauffer, der morgen mit drei Athleten im zweiten Durchgang zufrieden wäre.

Es werden also wieder einmal die Frauen sein müssen, die für die herausragenden Schweizer Resultate im ­Riesenslalom sorgen. Lara Gut, die vor einem Jahr in Sölden ihren fulminanten Saisonstart mit drei Siegen in drei Rennen begründete, und Abfahrtsolympiasiegerin Dominique Gisin haben das ­Potenzial, aufs Podest zu fahren. Beide sind wie gewohnt vorsichtig mit Prognosen. «Sölden ist nicht das wichtigste Rennen des Winters», wiegelt Gut ab. Es sei die übliche erste wichtige Bestandsaufnahme, «alle wollen endlich einen Wettkampf bestreiten». Frauenchef­trainer Hans Flatscher freut das Niveau ­seiner beiden Teamleaderinnen, aber er sagt auch: «Dahinter klafft weiterhin eine Lücke.» Jasmina Suter hatten die Trainer nach guten Fortschritten und einer starken Saisonvorbereitung am ehesten zugetraut, den Abstand zu schliessen. Doch die 19-Jährige aus Stoos brach sich ­Anfang Oktober das rechte Sprungbein. Sie ist frühestens in zweieinhalb Monaten ­wieder dabei.

Immerhin verfügt die Equipe über zwei Athletinnen, die vorne mitfahren können. Und diese wünschen sich, dass es bei den Männern wieder besser läuft. «Es ist einerseits mühsam, wenn man immer wieder auf negative Punkte angesprochen wird», sagt Lara Gut. «Andererseits ist es doch unglaublich: Erst kam Dani Albrechts schwere ­Kopfverletzung, Beat Feuz plagte ewig das Knie, und Carlo Janka hatte ­Herzrhythmusstörungen.» Sie schüttelt den Kopf, sagt dann: «Da wäre so viel Potenzial vorhanden.»

Erstellt: 24.10.2014, 23:57 Uhr

Saisonauftakt in Sölden

Heute: Riesenslalom Frauen, 9.30/12.45
Morgen: Riesenslalom Männer, 9.30/12.45

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