Wehe, wenn sie so gut gelaunt ist

Lara Gut ist eine der grossen Favoritinnen beim WM-Auftakt im Super-G. Und sie nimmt diese Rolle sehr gerne an.

Fühlt sich wohl in Beaver Creek: Lara Gut ist für die WM glänzend aufgelegt.

Fühlt sich wohl in Beaver Creek: Lara Gut ist für die WM glänzend aufgelegt. Bild: Keystone

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Wenn gute Laune bei Lara Gut ein Zeichen für die Konkurrenz ist, dann sollte sich diese beim Super-G heute zum WM-Auftakt in Beaver Creek vorsehen. Einer Entertainerin gleich schwebte die Tessinerin gestern beim offiziellen Presse­termin der Schweizerinnen durch die Lobby des Teamhotels. Von TV-Kamera zu Aufnahmegerät, von Italienisch über Englisch zu Deutsch. Keine Frage war ihr zu viel, mit dem Lachen sparte sie auch nicht. «Es ist schön, an einen Ort zurückzukehren, an dem man sich wohlfühlt», sagte sie.

Genau so wirkte Lara Gut. Glücklich, zufrieden, voller Vorfreude und Tatendrang. Dass sie bis zum Ende der WM auf weitere Medienauftritte verzichten wird, um Energie zu sparen, wie sie sagte, dürfte ihr zusätzlich Auftrieb ­verliehen haben. Sie konnte sich hemmungslos verausgaben.

Aber da sind schliesslich auch sportlich sehr positive Vorzeichen. Die Abfahrt in St. Moritz am Samstag vor einer Woche hat sie gewonnen, die WM-Generalprobe im November 2013 auf der Raptor-Piste hat sie gewonnen, und zwar Abfahrt und Super-G. «Cool» war deshalb gestern ihr liebstes Wort. Cool ist die Piste, cool ist die Disziplin Super-G, und cool ist es, «dass wir endlich wieder eine WM auf einer richtig schwierigen Strecke bestreiten». Für sie ist deshalb klar, dass es hier keine Zufallssiegerin geben wird, «es ist ein schwieriger Hang, hier können nur wenige gewinnen», sagt sie. Natürlich zählt sie sich selbst dazu.

Von Vonn zur Favoritin erklärt

Das mag auf den ersten Blick etwas gar selbstbewusst klingen. Aber soll sie sagen, ein Top-10-Platz sei schon in Ordnung? Eine Frau, die monatelang mit sich unzufrieden war, weil sie bei Olympia auf der Abfahrt nur Bronze gewonnen hatte? Mittlerweile kann sie diese Medaille durchaus als Erfolg sehen, aber sie sagt auch: «Wenn ich an diese Fahrt in Sotschi denke, dann denke ich immer zuerst: Ich hab diesen einen Fehler zu viel gemacht.»

Lara Gut ist selbstbewusst, aber sie ist nicht überheblich. Lindsey Vonn, Anna Fenninger, Tina Maze, Tina Weirather, Elisabeth Görgl und nicht zuletzt Teamkollegin Fabienne Suter, allesamt seien sie technisch beschlagen, mutig, alle hätten es deshalb drauf, hier zu gewinnen. Dass Vonn ihrerseits Gut zur Favoritin erklärt hat, löst bei dieser ein ­Lächeln aus. «Damit», sagt sie, «will Lindsey nur den Druck abschieben.» Aber ein bisschen gut tut diese Aussage halt schon auch, denn Gut will nichts davon wissen, dass der Sieg in den Speed-Disziplinen bereits vorzeitig an die Amerikanerin vergeben sei. «Wir sind hier nicht in Lake Louise», sagt sie im Hinblick auf die flache Abfahrt in Kanada, die Vonn liegt wie keine andere.

Wir sind in Beaver Creek. Und das ist ein Terrain, das den Schweizerinnen liegt. Auch Fabienne Suter kommt mit guten Gefühlen hierher zurück, nachdem sie bei der Hauptprobe im Super-G Vierte wurde. Ihr Cheftrainer Hans Flatscher hat die Schwyzerin noch nie so locker erlebt, so fokussiert den Blick nach vorne gerichtet. Sie erlebt ihre sechste Weltmeisterschaft, «es ist immer noch etwas Besonderes, aber ich bin schon nicht mehr so nervös», sagt sie. Dennoch ist sie froh, dass es nun losgeht, dass die Warterei ein Ende hat.

Strotzend vor Tatendrang

Suter und Gut lieben die Steilheit im ­Gelände, sie suchen immer den direkten Weg nach unten. Das ist mit Risiko behaftet, aber wenn es aufgeht, ist es richtig schnell. Dass sich die Amerikanerinnen mit Trainingsfahrten Anfang Januar einen Vorteil für die Abfahrt verschaffen wollten, finden sie beide legitim. «Sie wären blöde, wenn sie es nicht getan hätten», sagt Gut, «wir tun das in zwei Jahren bei der WM in St. Moritz ja auch.» Und wie stark ist die Auswirkung? Im ersten Training werde man das spüren, spätestens ab dem dritten Training sei es für alle gleich.

Lara Gut strotzte gestern tatsächlich vor Tatendrang und Zuversicht. Hängt ihr das Ausscheiden beim letzten ­Super-G vor der WM in St. Moritz nicht nach, schliesslich klagte sie unmittelbar danach über Rückenschmerzen? «Das war nur im ersten Moment so», sagt sie, «unser Körper ist nicht dafür gemacht, ins Netz zu rasen.» Und warum hat sie es dann gemacht? Sie lacht laut, dann sagt sie: «Ich wollte es einfach mal probieren, jetzt weiss ich, dass es mir nicht ­gefällt. Also tue ich es nicht mehr.» Wenn Lara Gut so gut aufgelegt ist, sollte sich die Konkurrenz wirklich ­vorsehen.

Erstellt: 02.02.2015, 21:05 Uhr

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