Wilder Ritt auf dünnem Grund

Beim Abfahrtstraining in Gröden gab die unruhige Piste und ein Airbag-Testverbot der Österreicher zu reden.

Im einzigen Abfahrtstraining der Schnellste: Der Amerikaner Steven Nyman. Foto: Johann Groder (Freshfocus)

Im einzigen Abfahrtstraining der Schnellste: Der Amerikaner Steven Nyman. Foto: Johann Groder (Freshfocus)

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Es war ein wilder Ritt auf der Saslong im Grödner Tal. Alle Fahrer waren im ersten und einzigen Training für die Abfahrt morgen positiv überrascht, welch gute Piste die Organisatoren trotz fehlendem Naturschnee und hohen Temperaturen auf den Berg gezaubert hatten. Damit die Qualität der Strecke aber nicht zu sehr leidet, wurde das heutige zweite Training abgesagt.

Die dünne Schneedecke sorgte für noch grössere Unruhe, noch mehr Schläge als sonst. Der Sprung bei den Kamelbuckeln ging spektakulär weit, aber er war problemlos zu meistern. Schwieriger gestaltete sich eine andere Schlüsselstelle: die Ciaslat-Wiese. «Dort war es enorm unruhig», sagte Patrick Küng (23.). «Wegen des Schneemangels ist die Einfahrt Ciaslat tiefer am Hang, deshalb sind die beiden ersten Wellen näher zusammen, und man kann die zweite nicht mehr überspringen.» Silvan Zurbriggen, als 7. bester Schweizer, freute sich zwar über das gute Resultat, aber er litt: «Gerade mit meinen heftigen Rückenproblemen sind die vielen Schläge Gift.» Zurbriggen, der schon in Nordamerika klagte, dass er «physisch am Limit» sei, verlor 1,07 Sekunden auf den Trainingsschnellsten Steven Nyman (USA) und knapp neun Zehntel auf ­Kjetil Jansrud (No), der die beiden ersten ­Abfahrten des Winters gewonnen hatte.

«Keine Experimente»

Zu reden gab gestern aber auch der erstmals offiziell im Training getestete Airbag (TA von gestern). Vor allem deshalb, weil die österreichischen Testkandidaten damit nicht fuhren. Genauer gesagt: Sie durften ihn nicht benutzen, Cheftrainer Andi Puelacher hatte es strikt verboten. Er hatte darauf spekuliert, dass es nur einen Trainingslauf geben werde, «und da wollte ich keine Experimente».

Seine Athleten waren, milde formuliert, etwas ungehalten ob dieses Verdikts. «Ich hätte ihn sehr gerne probiert», sagte Hannes Reichelt, «zumal ich am Dienstag mein persönliches Modell bekommen habe.» Auch Abfahrts-Olympiasieger Matthias Mayer reagierte mit Unverständnis, «ich fühle mich einfach wohler, wenn ich mit dem Airbag am Start stehe», sagte er.

Die Kanadier und Italiener testeten das Sicherheitsgerät, das sich in bedrohlichen Sturzsituationen blitzschnell aufbläst und damit Rücken, Schulter und Schlüsselbeine besser schützt. Der Südtiroler Werner Heel war sehr froh um diesen ersten Eindruck, «es ist ungewohnt», sagte er, «der Airbag drückt auf die Schultern, weil die Luftkammern nicht aus einem elastischen Material bestehen und bei Bewegungen nicht nachgeben». Er habe deshalb im Oberkörper auf dem letzten Streckenabschnitt eine unerwartete Müdigkeit gespürt.

Die nächste Testmöglichkeit gibt es vor der Abfahrt in Santa Catarina (28.  Dezember), im Rennen ist der Airbag erstmals in Wengen erlaubt.

Erstellt: 17.12.2014, 21:58 Uhr

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