Wo Feuz im Vergleich mit den Grössten steht

Der Emmentaler gehört zu den besten Abfahrern, die das Land je hatte. Er ist anders als Müller, Russi und Zurbriggen. Er ist der währschafte Gefühlsfahrer.

Mit seinem einzigartigen feinen Gespür ist Beat Feuz das Lauberhorn runter gefahren.

Mit seinem einzigartigen feinen Gespür ist Beat Feuz das Lauberhorn runter gefahren. Bild: Marcel Bieri)/Keystone

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Beat Feuz hat es wieder getan. Er hat zugeschlagen am Lauberhorn. Zum dritten Mal nach 2012 und 2018. Der 32-Jährige hat an diesem Samstag alles riskiert, weil es für ihn nur noch den Sieg geben kann. Gerade auf der Strecke, die ihm so liegt – mit seinem feinen Gespür. Oder wie es der Speaker in Val-d’Isère einst holprig formulierte: «Der Mann hat Füsse wie ein Klavierspieler.» Dem Emmentaler gelang eine Traumfahrt, kompakt in der Luft und in der Hocke, er erinnerte an Didier Cuche in seinen besten Tagen.

Überhaupt drängt sich der Vergleich mit den Besten auf. Drei oder mehr Wengen-Siege feierten nur Karl Molitor, Karl Schranz, Toni Sailer, Rudolf Graf und Franz Klammer. Klammer ist der Einzige, der seit der Einführung des Weltcups 1967 dreimal gewann. «Mein Name will da nicht so recht hineinpassen», findet Feuz. Dabei gehört er zu den grössten Abfahrern, die das Land je hatte.

Die Siege im Weltcup:
Nur drei sind noch besser

Pirmin Zurbriggen, dieser filigrane Künstler im Schnee, hat in den 80er-Jahren ziemlich alles gewonnen, was es zu gewinnen gab. Olympia-Gold, viermal WM-Gold, viermal den Gesamtweltcup.

Und mit ihm, dieser Ikone des Skisports, zog Beat Feuz am Samstag gleich. Zumindest in einer Statistik: mit seinem zehnten Weltcup-Sieg in der Abfahrt, womit er Bernhard Russi hinter sich liess. Vor ihm liegen nur noch drei Schweizer: Didier Cuche (12), Franz Heinzer (15) und Peter Müller (19). Es spricht alles dafür, dass Feuz in dieser Rangliste bald weiter hinauf klettert.

Bald könnte Feuz der erfolgreichste Schweizer Abfahrer der Geschichte sein. (Bild: Peter Klaunzer/Keystone)

Die Postur:
Klein und kompakt

Es gibt sie nicht, die typische ­Figur für einen Abfahrer. Da stehen Athleten am Start wie der US-Amerikaner Bryce Bennett, 2,01 m gross und schmal wie seinerzeit Zurbriggen. Oder solche wie Feuz: 172 kompakte Zentimeter. Modell: Didier Cuche. Der Schangnauer mag einen Gewichtsnachteil haben, Dominik Paris, sein härtester Gegner im Kampf um die Disziplinenwertung, bringt mit seinen rund 100 kg deren 20 mehr auf die Waage als Feuz.

Doch dessen Masse haben auch Vorteile. «Er steht dank seiner eher geringen Körpergrösse, seinem Können und dem ihm eigenen Gespür immer zentral über dem Ski. Das ist sehr kräfteschonend. Es gibt keine Hebelwirkung wie bei anderen», sagt sein Trainer Manfred Widauer. Carlo Janka sagt in Wengen: «Er hätte nach der Zieleinfahrt wohl noch ein, zwei Minuten weiterfahren können.»

Der Trainingseifer:
Ein fauler Hund

Feuz ist kein Chrampfer wie es Müller war, kein Modellathlet wie Zurbriggen oder Heinzer. Er machte schon immer nur das Nötigste, oft auch weniger. Als er 2007 an der Junioren-WM in Altenmarkt so richtig abgeräumt hatte mit Gold in der Abfahrt, im Super-G, der Kombination, mit Bronze im Slalom, da glaubte er, bereit zu sein für den Angriff auf der grossen Bühne des Weltcups. Sepp Brunner, der damalige Trainer im Speedteam, fand: zu gross der Bauch, zu schlecht die Kondition. Der Steirer sagt: «Er war ein Rohdiamant, aber auch ein fauler Hund.»

Mit der Zeit verstand Feuz, dass er mehr tun muss, will er es an die Spitze schaffen. Sein linkes Knie erschwerte die Umsetzung, elfmal ist es schon operiert worden und taugt deshalb zum neuen «Knie der Nation». 1985 bekam Zurbriggens Gelenk diesen Übernamen, drei Wochen nach einer schweren Verletzung hatte der Walliser an der WM in Bormio zweimal Gold und einmal Silber geholt. Feuz kann Umfänge wie seine Teamkollegen längst nicht mehr trainieren. Es dürfte ihn nicht allzu sehr stören.

Das Alter:
Feuz, der Jungspund

Etwas mehr als drei Wochen sind es noch, dann brennen die Kerzen auf Feuz’ Geburtstagskuchen. Sofern sie noch Platz haben. 33 wird der Emmentaler am 11. Februar, es ist ein Alter, in dem sich Sportler für gewöhnlich umsehen nach der zweiten Karriere. Doch der Abfahrtssport hat schon einigen im hohen Athletenalter die schönsten Momente beschert. Das beste Beispiel: Didier Cuche.

Als der Neuenburger seine Rekordjagd auf der Streif in Kitzbühel 2008 so richtig lancierte – das erste Mal hatte er die Abfahrt 1998 gewonnen –, war er: 33. Mit 35 gewann er seine dritte, mit 36 seine vierte und mit 37 seine fünfte. Feuz darf also noch auf ein paar gute Jahre hoffen, schliesslich spielt die Erfahrung in den Speeddisziplinen eine entscheidende Rolle. Zudem hat er noch einiges aufzuholen. Oft ist er verletzt ausgefallen, gerade 2012 nach der schweren Entzündung im Knie. In seinem Körper stecken also nicht allzu viele Weltcuprennen. 169 sind es genau. Zum Vergleich: Zurbriggen hatte 1990 nach 211 genug. Da war der Walliser 27.

Die Beliebtheit:
Ihm fliegen die Sympathien zu

Es gibt Charmeure im Skizirkus, umgeben von einer Aura. Russi war in den 70er-Jahren einer von ihnen. Feuz ist das vielleicht nicht, zu bodenständig und währschaft ist der Emmentaler. Die Herzen fliegen ihm gleichwohl zu.

Umjubelt lief Feuz am Samstagabend zum Podest. (Bild: Anthony Anex/Keystone)

Dass das Publikum wie am Samstag in Wengen den Namen eines Fahrers über Minuten skandiert, gibt es kaum je. Nun ist das Lauberhorn natürlich Feuz-Gebiet. Doch auf viele Sympathien wird er auch diese Woche stossen, in Kitzbühel, wenn die Österreicher ihren Höhepunkt vor Heimpublikum haben sollen. Das hat damit zu tun, dass er mit Freundin Katrin Triendl und Tochter Clea in Aldrans nahe Innsbruck wohnt. Vor allem aber liegt das an seiner einfachen Art und seiner von Verletzungen geprägten, einmaligen Aufstiegsgeschichte: zum besten Abfahrer der Gegenwart.

Erstellt: 19.01.2020, 17:19 Uhr

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