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Bretter, die die Welt verbinden

Was in den Bergen Afghanistans einen Anfang nahm, findet an den Olympischen Spielen seinen Höhepunkt: Zwei afghanische Skifahrer starten in Pyeongchang als erste Athleten ihres Landes.

Zwei Exoten in der alpinen Skiwelt: Sayed Alishah Farhang und Sajjad Husaini im Bamyan Ski Club in St. Moritz.
Zwei Exoten in der alpinen Skiwelt: Sayed Alishah Farhang und Sajjad Husaini im Bamyan Ski Club in St. Moritz.
Andreas Pranter (EQ Images)

An der Ski-WM, da waren sie eine Art Maskottchen für jedermann. Kaum eine Zeitung, kaum ein TV-Sender, der während der alpinen Titelkämpfe Anfang Jahr in St. Moritz nicht über Sajjad Husaini und Sayed Alishah Farhang berichtete. Die beiden Afghanen verbringen seit drei Jahren jeweils den Winter im Engadin und kennen den mondänen Skiort mittlerweile wohl besser als so mancher Sportjournalist, der damals mit den beiden Athleten eine Tellerwäscher-Story inszeniert hatte.

Potenzial dazu bieten die beiden Wintersportler allemal, sie sind Pioniere, und eine besondere Geschichte haben sie auch. Und die hat nun ihren Höhepunkt gefunden: Der afghanische Verband hat Farhang und Husaini für die Olympischen Spiele im südkoreanischen Pyeongchang nominiert. Somit erfüllt sich der Traum, der mit der WM-Teilnahme in St. Moritz bereits ein Stückchen näher gerückt war: Farhang und Husaini sind die ersten afghanischen Athleten an Olympischen Winterspielen.

Vom Talibanversteck zum Skiort

Wie so oft hatte auch in dieser Geschichte der Zufall seine Hände im Spiel, als der NZZ-Journalist Christoph Zürcher vor ein paar Jahren in Afghanistan weilte und alles andere im Sinn hatte, als Ski zu fahren. Doch Zürcher konnte seine Reise nicht wie geplant weiterführen, verbrachte einige Tage im Bamyan-Tal in den afghanischen Bergen und merkte: An diesen wunderbar verschneiten Pulverschneehängen fährt kaum jemand Ski.

2011 fand die erste Afghan Ski Challenge statt, Husaini nahm teil, ein Jahr später auch Farhang, beide standen sie das erste Mal auf Ski. Als Kinder mussten sie sich in diesen Bergen mit ihren Familien vor den Taliban verstecken, nun erkundeten sie denselben Ort plötzlich mit Hunderten anderen und lernten eine neue Sportart, eine neue Welt kennen. Die Bande in die Schweiz blieben bestehen, es entstand der Bamyan Ski Club und daraus die gleichnamige Bar in St. Moritz. Martin Berthod, WM-Organisator und Sportdirektor in St. Moritz, zeigte sich begeistert von den beiden Afghanen, lud sie Winter für Winter in die Schweizer Berge und stellte ihnen einen Trainer zur Verfügung.

Party im Clublokal

Mit ihm holten sie in Schweizer Dresses in St. Moritz die ersten Qualifikationspunkte in einem Skirennen für Afghanistan und damit die Grundlage für eine Olympiaqualifikation. «Wir wollen unser Land auf eine andere Art und Weise zeigen. Wir wollen zeigen, dass Afghanistan nicht nur gleichbedeutend mit Krieg ist», sagte Husaini noch im Winter gegenüber SRF. Unten, im Clublokal im St. Moritzer Dorf, stieg nach den Rennen im Januar ein grosses Fest. Und bestimmt wird im Bamyan Ski Club dieser Tage der eine oder andere auf die beiden ersten afghanischen Olympiateilnehmer anstossen.

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