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Cologna gibt den Stimmungskiller

Der Bündner Langlaufbotschafter startet nach seinen Wadenproblemen mit Rücklage in die Heimrennen in Davos. Doch seine Betreuer reden ihn stark – er wiederum kontert.

Dario Cologna will in der Vorbereitung kaum nennenswerte Unterschiede zu früheren Jahren erkannt haben – im Gegensatz zu seinem Trainerteam. Foto: Gian Ehrenzeller (Keystone)
Dario Cologna will in der Vorbereitung kaum nennenswerte Unterschiede zu früheren Jahren erkannt haben – im Gegensatz zu seinem Trainerteam. Foto: Gian Ehrenzeller (Keystone)

Da schwärmt sein Trainer Ivan Hudac über Minuten, wie reibungslos die Vorbereitung seines Besten doch verlaufen sei. Da redet sich Disziplinen-Chef Hippolyt Kempf in Fahrt, wie sehr er sich auf den Einsatz des bereits starken Teamleaders nach tollen letzten Trainingsmonaten freue. Und Dario Cologna? Sitzt im Bauch des Luxushotels, wo die Schweizer Langläufer in Davos residieren, auf seinem Stuhl, hört sich die Nacherzählung der Lobpreisungen stoisch an – und relativiert dann fast genüsslich einen Punkt nach dem anderen.

Cologna gibt just auf den Heim-Weltcup von Davos hin den Stimmungskiller. Wobei man ­sagen muss: Kempf und Hudac sind vor ersten Einsätzen ihres Top-Schützlings stets im Crescendo-Modus, während Cologna meist den Bremser gibt. Was vor allem Disziplinen-Chef Kempf gerne als Durchbruch oder zumindest essenziellen Fortschritt darstellt, empfindet Cologna meist als Petitesse seines sportlichen Alltags.

Kempf berichtete in den Vorwochen beglückt, dass man das lästige Hustenproblem von Cologna wohl gelöst habe. Es tritt primär nach mehreren harten, kurzen Wettkämpfen wie an der Tour de Ski auf. Cologna radelte etwa in einer Kältekammer bei minus 17 Grad auf einem Velo und liess seine Lungen überprüfen.

Man glaubte auch anhand dieser Informationen, er bilde zu viel Magensäure, die sich über Nacht zu wenig abbaue und ihm dann bei intensiven Einsätzen aufstosse, was wiederum zum Husten führe. Eine Umstellung beim Essen und ein Säureblocker haben wesentliche Abhilfe schaffen können.

Der Husten: (K)ein Problem

Cologna aber sitzt auf seinem Stuhl, fährt sich durchs Haar und sagt nur trocken auf die Frage, was er nun anderes zu sich nehme: «Wein sollte ich nicht zu viel trinken.» Was er beim Essen umgestellt haben soll, fällt ihm beim besten Willen nicht ein. Ohnehin findet er, Kempf hätte dazu besser geschwiegen. Ob sich sein Hustenproblem wirklich vermindert habe, zeige erst die Tour de Ski mit den erwähnt hohen Belastungsspitzen.

Dass darum Coach Hudac kurz zuvor erklärte, im finalen Trainingsblock in der Kälte von Schweden gar nach harten Trainings keinen hustenden Cologna erlebt zu haben, kontert dieser schlicht mit dem Hinweis auf die Tour.

Und während Hudac sagt, ­Cologna habe sich erstmals seit nun fünf Jahren so auf einen Winter vorbereitet können, wie er sich das vorstelle, denn zuvor habe er nach seiner schweren Fussverletzung vom Dezember 2013 immer wieder Kompromisse im Trainingsalltag hinnehmen müssen, findet dieser: «Es ist doch keineswegs so, als hätte ich in den Jahren zuvor nicht trainieren können.»

Was Cologna beim Essen umgestellt haben soll, fällt ihm beim besten Willen nicht ein.

Einig ist man sich im Cologna-Lager immerhin, dass der Bündner im Vergleich zu früheren Vorbereitungen die intensiven Trainings härter hat ausführen können und mehr dieser Einheiten zu Fuss statt auf den Langlaufrollen stattfanden.

Uneinig sind sich die Betreuer und Cologna wiederum in einer weiteren Neuerung: Nämlich der noch besseren Verzahnung der täglichen Trainings, damit primär die einzelnen Krafteinheiten maximalen Effekt entfalten. Kempf und Hudac finden, diesbezüglich sehr viel besser gearbeitet zu haben, Cologna will kaum einen nennenswerten Unterschied zu früheren Jahren erkannt haben.

Bei so viel gegensätzlichen Sig­nalen hält man sich wohl am besten an Cologna. Er hat sein Niveau stets am verlässlichsten einschätzen können. Nur fehlt ihm heuer die Grundlage dafür. Just vor dem Saisonstart mit einem Klassisch-Sprint zwickte seine linke Wade – seine Problemwade, muss man sagen. Sie störte ihn immer wieder. Zumindest in den letzten zwei Jahren aber muckte sie nie auf.

Top 6 – oder auch nur Top 10

Darum kann Cologna seine Situation nicht recht interpretieren. Klar ist: Im Skating bereitet ihm die Wade keine Probleme. Klar ist auch: Er muss diese Muskeln für die baldige Tour de Ski ­konditionieren, die Ende Dezember beginnt und hälftig in der klassischen Technik absolviert wird. Ansonsten kann der 33-Jährige den wichtigsten Anlass dieses Langlaufwinters ohne WM gleich auslassen. Was er natürlich nicht tun will.

Die Skating-Qualifikation heute dient ihm deshalb primär als wettkampfmässiges Aufwärmen. Cologna ist einer, der Rennen braucht, bis er seine Topform erreicht. Zumindest über die 15 km Skating strebt er morgen die Top 10 an, was gemessen am Abschneiden früherer Jahre ein ambitioniertes Ziel ist. Dass sein Trainer Ivan Hudac wiederum von einem Top-6-Rang redet, passt ebenfalls. Wenigstens sind sich die beiden dieser Tage konstant uneinig.

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