Cologna muss sich verändern

Der Bündner reist vor der letzten Etappe der Tour de Ski wegen Dauerhustens ab. Er muss von lieb gewonnenen Gewohnheiten lassen, will er sein Sieger-Gen wiederfinden.

Wohin des Weges nach dem krankheitsbedingten Tour-Aus? Dario Cologna bangt um seine WM-Form. Foto: Federico Modica (Freshfocus)

Wohin des Weges nach dem krankheitsbedingten Tour-Aus? Dario Cologna bangt um seine WM-Form. Foto: Federico Modica (Freshfocus)

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Der kompetenteste Experte für Dario Cologna heisst: Dario Cologna. Just vor dem Start in die 13. Tour de Ski sagte der vierfache Gesamtsieger und damit Erfolgreichste dieser Langlauf-Serie: «Für einen Topplatz wird es diesmal schwierig.» Doch selbst Cologna rechnete nicht damit, was zum Abschluss der Tour passieren würde: sein Abgang noch vor der letzten Etappe.

Aber ein altbekannter, lästiger Widersacher setzte ihm dermassen zu, dass er aufgab: sein Reizhusten. Davon gezeichnet, büsste Cologna schon in der zweitletzten Etappe im Val di Fiemme zu viel Zeit ein, um allenfalls noch in die Top 3 zu stürmen. Statt sich und seinen Gesundheitszustand erklären zu können, verschwand er danach subito im Teambus zur Behandlung und entschied sich zum Tour-Abbruch, damit er seine schwer belasteten Bronchien im Hinblick auf die WM im Februar schonen kann.

Cologna büsste in Italien mehr als nur die Gewissheit ein, dass seine alte Liebe zur Tour immer mehr erkaltet. Er muss sich mit 32 Jahren im finalen Zyklus seines Athletenlebens gar neu erfinden, will er allenfalls auch an einer Tour nochmals als Gesamtsieger vom Podest winken. Denn mittlerweile kommt auf den Bündner die sechste Phase seines sportlichen Schaffens zu. Die vorangegangenen sind im Schnelldurchlauf: 1. Durchbruch. 2. Etablierung. 3. Dominanz. 4. Rückschläge (Verletzungen). 5. Comeback.

Fehleinschätzung des Trainers

Seit seinem Durchbruch mit dem ersten Tour-Titel vor mittlerweile 10 Jahren entwickelte Cologna ein Erfolgssystem, das er Saison um Saison verfeinerte bzw. nach der schweren Fussverletzung vom Dezember 2013 stark anpasste. Eines aber blieb gleich: Spätestens an der Tour lief er sich in (Top-)Form und reüssierte danach auch meist am Grossanlass. Dieses Muster endete am Samstag. Statt sich in den vergangenen Tagen in die gewünschte Form gebracht zu haben, muss er nun erkennen: Die Lücke zu den Besten ist weiter relativ gross, der ­Standardablauf mit dem ­Standardprogramm greift (vorerst) nicht mehr.

Dass sein Trainer Ivan Hudac dennoch findet, bloss Kleinigkeiten fehlten Cologna zu Spitzenplätzen, zeugt von seltsamer Einschätzung der Situation. An dieser Tour reichte es Cologna selten nur schon in die Top 10. An Hudac aber hat Cologna sein sportliches Schicksal geknüpft. Wechselte das Langlauf-Team auch auf sein Bestreben hin jeweils nach Ablauf eines Olympia- und damit Vierjahreszyklus den Trainer, um neue Impulse zu erhalten, durfte Hudac nach 2018 weitermachen.

Weniger Rennen, dafür bessere Resultate

Nun müssen sich beide bewegen. Aus dem einstigen Siegläufer Cologna wurde ein Manchmal-Siegläufer und in dieser Saison bislang ein Mitläufer. Cologna aber definiert sein Athletenglück über Erfolge: «Die grossen Siege sind das, was mich reizt, warum ich weitermache.» Vor den Spielen 2018 sagte er diese Worte. Sie haben weiter Gültigkeit und bedeuten: Cologna wird, sollte er sich zum Weitermachen entscheiden, selektiver als bislang agieren müssen.

So könnten mögliche Veränderungen aussehen: Er reduziert seinen hohen Trainingsumfang in der Vorbereitung, um noch qualitativer an sich arbeiten zu können. Er testet seine Verfassung auch im Alltag an starker internationaler Konkurrenz, verlässt seinen heimischen Kokon in Davos also ab und zu, wo er zwar alles vorfindet, was er benötigt, er dafür seine Komfort- und Wohlfühlzone kaum je verlassen muss. Er absolviert deutlich weniger Rennen, bereitet sie noch viel gezielter vor.

Denn was sagt Cologna über Cologna: «Ich muss siegen, damit ich weiss, wie sich Siegen anfühlt und ich mit Selbstbewusstsein agieren kann.»

Erstellt: 06.01.2019, 22:10 Uhr

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