Der abgestürzte Ammann-Rivale

2014 gewann Thomas Diethart sensationell die Vierschanzentournee. Dann rebellierten Körper und Kopf.

«Das war natürlich Blödsinn»: Thomas Diethart geht mit sich hart ins Gericht.

«Das war natürlich Blödsinn»: Thomas Diethart geht mit sich hart ins Gericht. Bild: Keystone

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Wenn am Dienstag in Oberstdorf die Vierschanzentournee beginnt, jubelt keiner mehr dem einstigen Überflieger Thomas Diethart zu. Der 23-Jährige, der im letzten Weltcup-Winter nicht einmal mehr eine Top-10-Platzierung erreichen konnte, fehlt im fünfköpfigen Aufgebot der Österreicher. Obwohl die mit Abstand erfolgreichste Skisprung-Nation der jüngeren Vergangenheit derzeit in einer Krise steckt und einen mit Dietharts Talent gut gebrauchen könnte.

Die Gründe für den sportlichen Absturz des Thomas Diethart sind vielschichtig. Hartnäckige Knieprobleme und zu grosser Ehrgeiz sind an erster Stelle zu nennen. «Ich hatte schon in der vorigen Saison immer wieder mit einer Knieverletzung, die von einer Überbelastung hervorgerufen wurde, zu kämpfen. Ich habe trotz Schmerzen weitertrainiert, was natürlich ein Blödsinn war», erklärte der Athlet in einem Interview mit den «Niederösterreichischen Nachrichten».

Heinz Kuttin, der wegen ausbleibender Erfolge selbst unter Beschuss geratene Cheftrainer der ÖSV-Springer, hatte Diethart zuvor falschen Ehrgeiz vorgeworfen: «Wenn der Körper ein Signal sendet, dann musst du es annehmen, das hat er leider nicht getan.» Kuttin ist aber überzeugt, dass sein Schützling mittelfristig wieder Fuss fassen wird. Diethart sieht in der Verbannung aus der Weltcup-Equipebei aller Enttäuschung auch Positives: «Ich habe letztes Jahr gesehen, wie schwierig es im Weltcup ist, wenn man die ersten Schneesprünge gleich im Wettkampf macht. Wenn man da nicht in Form ist, macht es gar keinen Sinn, mit dabei zu sein.»

In keinem Sport ist der Erfolg so fragil wie im Skispringen. Diethart ist bei weitem nicht das einzige Beispiel für die Wechselhaftigkeit: Auch Simon Ammann und Andreas Küttel, die beiden erfolgreichsten Schweizer Springer, können ein Lied davon singen. Der vierfache Olympiasieger Ammann belegte nach seinem ersten Doppel-Gold 2002 in Salt Lake City in der folgenden Saison im Gesamtweltcup auf einmal nur noch Rang 28. Küttel krönte vier gute Winter 2009 mit WM-Gold, um sich in der Saison darauf auf Position 33 der Weltcupwertung wiederzufinden.

(ak)

Erstellt: 24.12.2015, 08:26 Uhr

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