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Der grosse Schweizer Trumpf

Simon Ammann hat sich vom «Bueb» zur gereiften Persönlichkeit entwickelt. Morgen greift er nach seiner dritten Goldmedaille.

Gibt sich bescheiden: Simon Ammann.
Gibt sich bescheiden: Simon Ammann.
Keystone

Auch auf der Olympiaschanze von Whistler springt Simon Ammann so überzeugend, wie er dies bereits während des ganzen Winters getan hat. Das macht ihn beim morgigen Springen (18.45 Uhr, SF zwei) zum grossen Favoriten – jedoch kein bisschen nervös.

Als Simon Ammann am vergangenen Samstag auf dem Flughafen Vancouver landete, wurde er von einem Volunteer freundlich empfangen. Dieser fragte ihn nicht nur, wie sein Flug gewesen sei, sondern auch, ob es sich um seine ersten Olympischen Spiele handle. Ammann, der Doppel-Olympiasieger von Salt Lake City 2002 und vierfache Teilnehmer am Grossanlass, schluckte einen Moment leer, dann antwortete er bescheiden, dass er auch schon teilgenommen habe. «Vermutlich kennt er Katarina Witt, aber die hat auch einen anderen Jahrgang und ist ein ganz anderes Kaliber», sagt Simon Ammann, als er diese Geschichte mit einem Lächeln schildert.

Im Fokus der Welt

Dass er sich da nur mal nicht täuscht! An den Olympischen Spielen in Vancouver zählt der Toggenburger zu den meistbeachteten Athleten. Das zeigt sich auch an der Pressekonferenz an diesem Nachmittag: Sie findet im grossen Saal im Conference Center von Whistler statt, viele internationale Journalisten sind gekommen. Denn Ammann ist seit Monaten in grosser Form, im Weltcup liegt er an erster Stelle; bei den ersten Trainingssprüngen auf der Normalschanze in Whistler knüpfte er nahtlos an seine starken Leistungen an.

Vor allem erinnern sich viele – aber nicht alle, wie das Erlebnis am Flughafen zeigt – an seine schillernden Auftritte vor acht Jahren in Übersee. An den «Flying Harry Potter» im langen silbernen Mantel, der von David Letterman in dessen Talkshow eingeladen wurde und dabei genauso schlagfertig wirkte wie in seiner vertrauten Umgebung.

Pizza Simi

Auch Jay Leno, der andere berühmte US-Talkmaster, wollte Simi in seine Show einladen, doch dieser erteilte ihm eine Absage. Im Toggenburg benannten sie eine Pizza nach ihm, der damalige Swiss-Chef André Dosé wollte ihn als Werbeträger verpflichten. Menschlich hob Simon Ammann trotz des riesigen Trubels um ihn herum nicht ab, sondern blieb mit beiden Beinen auf dem Boden. Sportlich sackte er jedoch ab. Den Tiefpunkt erreichte er ausgerechnet vor vier Jahren auf der Olympiaschanze in Pragelato. Ammann stürzte und vermochte seinen Titel nicht mehr zu verteidigen. Er weiss zwar noch, «dass das einer der schlechtesten Wettkämpfe überhaupt war», aber sonst ist ihm Salt Lake City viel präsenter. Trotzdem möchte er die Erfahrung von Turin nicht missen. «Das hat es für meine Entwicklung gebraucht, danach ging es jedenfalls aufwärts.»

2007 wurde Simon Ammann Weltmeister, im Weltcup springt er regelmässig um die vorderen Plätze mit. Gary Furrer, der Chef Skisprung bei Swiss-Ski, hat die ganze Entwicklung Ammanns vom «Bueb, der er an Olympia 1998 in Nagano noch war», zum heutigen Mitfavoriten auf Olympiagold hautnah miterlebt. Besonders beeindruckt zeigt sich Furrer davon, dass sich sein Athlet durch nichts erschüttern lässt. «Er zieht sein Ding voll durch.» Das hebe ihn von vielen anderen Springern ab, die in wichtigen Momenten Nerven zeigen würden. Im Vergleich zu seinem ersten Olympiaauftritt hat sich Ammann, so Furrer, nicht nur körperlich, sondern auch als Persönlichkeit entwickelt. Auch deshalb traut Furrer ihm morgen einen Podestplatz zu.

Völlig unbelastet

Ammann selbst geht vollkommen unbelastet ins morgige Olympiaspringen. «Ich weiss, dass die Leute viel von mir erwarten, ich weiss aber auch, dass ich besonders viel Erfahrung mit Grossanlässen habe.» Ob es sich um seine letzten Olympischen Spiele handelt? Ammann lässt es offen. Bis zur WM in Oslo in einem Jahr mache er sicher noch weiter. «Ein Jahr ohne Gary Furrer geht vermutlich gerade noch, bis sich dies auswirkt», sagt er; der Skisprungleiter übernimmt nach dieser Saison das Amt als Chef Breitensport von Swiss-Ski.

Jetzt stehen für Simon Ammann allerdings erst einmal die beiden Skispringen in Whistler an. Darauf freut er sich. Das war vor vier Jahren noch ganz anders, als die Springer sich vor wenigen Zuschauern massen. In Kanada hingegen ist die Begeisterung gross. Er spürt ähnliche Glücksgefühle wie vor dem Doppelsieg in Salt Lake City. «Das ist natürlich besonders motivierend», sagt Ammann.

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