Der Rücktritt des Abfahrts-Chefs wirft Fragen auf

Nach zwei Saisons ist Andy Evers nicht mehr Trainer bei Swiss-Ski. Fehlte das Vertrauen der Athleten?

Andy Evers verlässt Swiss-Ski nach zwei Jahren bereits wieder. (Bild. Keystone/Gian Ehrenzeller)

Andy Evers verlässt Swiss-Ski nach zwei Jahren bereits wieder. (Bild. Keystone/Gian Ehrenzeller)

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Es ist ein Abgang, wie er zu Andy Evers passt: still, ganz ohne Tamtam. Ein trockenes Communiqué mit dem Titel «Speed-Trainer Andy Evers tritt zurück», verschickt am Freitag um 17.36 Uhr vom Schweizer Skiverband, das wars.

Alpin-Direktor Stéphane Cattin dankt ihm darin «herzlich für seine sehr gute Arbeit und Loyalität». Der Österreicher selber wird so zitiert: «In den letzten Wochen reifte mein Entschluss, dass ich aus persönlichen Gründen meinen Vertrag bei Swiss-Ski kündigen werde und damit der Zeitpunkt für eine Veränderung gekommen ist.» Für weitere Auskünfte war am Freitag weder Evers noch Männer-Cheftrainer Thomas Stauffer zu erreichen.

Dabei wirft der Rücktritt des 51-Jährigen einige Fragen auf. ­Allen voran diese: Weshalb zieht es den profilierten Trainer nach nur zwei Jahren als Abfahrtschef der Schweizer weg? Dass sein Entschluss «in den letzten Wochen reifte», deutet zumindest darauf hin, dass es tief liegende Gründe dafür gibt.

Kritik und Flucht

Nicht alle in der Mannschaft kamen mit Evers' ruhiger Art zurecht. Carlo Janka beschwerte sich während der WM in Are öffentlich über mangelnde Kommunikation und Stimmung in der Mannschaft. Die Kritik zielte direkt auf Evers. Dass Janka diese auf solche Art und an einem Grossanlass äusserte, brachte ihm die Rüge des Verbandes ein – es stand aber auch dafür, dass das Problem akut war.

Auch Beat Feuz, der Krösus der Abfahrer, brauchte seine Zeit, bis er mit dem Mann zurechtkam, der im Frühjahr 2017 auf Sepp Brunner gefolgt war. Brunner war über ein Jahrzehnt lang eine enge Bezugsperson des Emmentalers gewesen und unmittelbar nach dem Saisonfinal entlassen worden – begleitet von vielen Misstönen. Nach der ersten Sommervorbereitung mit dessen Nachfolger sagte Feuz: «Andy ist ein sehr Ruhiger. Sich kennen zu lernen, ist ein Prozess. Es brauchte seine Zeit, bis wir uns gefunden haben und wir wussten, wie er tickt.»

Und Patrick Küng, ein weiterer Routinier, der vor der WM zurückgetreten ist, hatte nach der Saison 2017/18 gar Reissaus genommen und kam beim jungen Team um Trainer Simon Rothenbühler unter. Der Glarner sagte: «Ich hatte das Gefühl, dass die Stimmung im Team nicht immer top war. Das hing auch etwas mit Evers zusammen: Kommunikativ sind die Österreicher nicht so sehr die Profis. Er ist ein sehr guter Trainer, unbestritten, nur fehlte manchmal das Lebendige.»

Der Leistungsausweis von Evers ist beeindruckend. Er war Privattrainer von Hermann Maier, coachte Bode Miller und Tina Weirather. Er ist ein Fachmann, der seinesgleichen sucht im Skizirkus. Für das Schweizer Abfahrtsteam war das offensichtlich nicht genug. Sein Nachfolger wird die Fähigkeit mitbringen müssen, das Feuer in der Mannschaft neu zu entfachen.

Erstellt: 30.03.2019, 12:06 Uhr

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