Entspannter Cologna

Der Bündner gleitet in Davos über 15 km Skating auf Platz 5. Die körperlichen Probleme hat er unter Kontrolle.

Weniger Rückstand als auch schon und deshalb selbst ohne Podestplatz zufrieden: Dario Cologna.

Weniger Rückstand als auch schon und deshalb selbst ohne Podestplatz zufrieden: Dario Cologna. Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone

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Dario Cologna ist nach Jahren in der Öffentlichkeit leicht zu lesen: Spricht er in Einzeilern, ist Vorsicht im Umgang mit ihm geboten. Dann ist die Langlaufgrösse aus der inneren Balance. Mag er hingegen gar auf spitze Fragen keck zurückgeben, ist er in doppeltem Sinn in Form. In Davos gab er sich entspannt – vor dem Heimrennen und danach.

Als Fünfter verpasste er den erhofften Podestplatz zwar, mit seinen 26,5 Sekunden Rückstand auf Sieger Maurice Manificat verlor er über 15 km Skating im Einzelstart aber keineswegs eine Ewigkeit. Das war in der jüngeren Vergangenheit auf der selektiven Flüela­strecke auch schon anders – und Dario Cologna entsprechend einsilbig oder verärgert über sich.

Nun beklagte der 31-Jährige primär, auf der letzten der drei Runden im Vergleich mit den noch Besseren gar stark abgebaut zu haben. Das jedoch sind für einmal sportliche Luxusprobleme, weil ihm der Saisonhöhepunkt mit den Olympischen Spielen im Februar ausreichend Zeit lässt, seine Goldform aufzubauen.

Trotz aller Entspanntheit war die Vorbereitung auf Davos suboptimal verlaufen. Im Herbsttraining hatte er beide Achillessehnen entzündet. Weil die Schmerzen in den ersten Klassisch-Einsätzen zunahmen, liess er den letzten Weltcup vor Davos aus. Er wollte und musste sich schonen. Weiterhin kann er klassisch nicht so hart an sich arbeiten, wie er es gerne würde.

In Gedanken schon an der Tour

Selbst im Wettkampf in der freien Technik vermag er die Probleme jedoch so gut zu kontrollieren, dass er sein Maximum aus sich herauskitzeln kann. Denn wie Cologna nach seinem Einsatz im Schnee von Davos lag, verdeutlichte: Da hatte sich einer, der ansonsten selten nach einem Rennen zu Boden muss, so richtig ausgepowert.

Und sobald ein Athlet von Colognas Format um seine kompetitive Form weiss, denkt er weiter. Schliesslich ­beginnt Ende Jahr mit der Tour de Ski bald ein grosses Highlight. Da der bislang dominante Norweger Johannes Klaebo ­erklärte, die Serie auszulassen, dürfte der Ausgang offener sein. Hatte Cologna in den letzten beiden Jahren zwar angedeutet, wegen seines Leistungsasthmas allenfalls nie mehr ein Tourfavorit zu sein, liess er gestern deutlich mehr Selbstbewusstsein aufblitzen.

Primär nach Sprinteinsätzen bei tieferen Temperaturen bricht sein chronischer Husten aus. Aus diesem Grund liess Cologna am Samstag den Heim-Sprint aus. Die Massnahme wirkte. Der Husten blieb aus, dies erlaubt ihm, die nächsten Tage zuversichtlich planen zu können.

Gelöst beendete auch Jonas Baumann seinen Arbeitstag. Der Bündner wurde Elfter. Besser klassiert war er im Weltcup in einem Distanzrennen erst einmal als Zehnter. Der 27-Jährige hat seine herausfordernde Phase aus dem letzten Winter und Frühling überwunden. Bei Baumann wurde eine Erschöpfungsdepression diagnostiziert. Er musste sich im Frühling darum behutsam ans Training herantasten. In Davos offenbarte er, dass er aus seiner Notlage gelernt hat.


Nathalie Siebenthal: Bestmarke beim Olympia-Testlauf

Den Fehler wollte sie nicht noch einmal machen: «Top oder Flop», hatte sich ­Nathalie von Siebenthal vergangenen Winter an der WM gesagt, als sie zum Rennen über 30 Kilometer antrat. Tatsächlich lief sie dann mutig mit den Weltbesten mit, lancierte gar eine frühe Offensive – und wurde im Finale chancenlos distanziert.

Das sollte ihr also nicht noch einmal passieren. Erst recht nicht vor Heim­publikum. Und nicht über die 10 Kilometer Skating, welchen sie in dieser Saison eine besondere Bedeutung zumisst: Die Distanz ist im olympischen Programm.

Doch dann startete die Saanenländerin wie ein Derwisch, stieg leichtfüssig den langen Anstieg der Davoser Loipe hoch. Bei der Zwischenzeit zuoberst war nur eine Konkurrentin schneller, bei der Zielpassage zur Rennhälfte keine mehr.

Also doch Top oder Flop? Weit gefehlt. Zwar konnte von Siebenthal ihre Pace nicht ganz halten, wurde Fünfte. Doch damit stellte sie wie schon 2016 in Davos eine persönliche Weltcupbestmarke auf. Zwar verbesserte sie sich nur um einen Rang von 6 auf 5. Aber was entscheidender war: Der Rückstand auf die Siegerin verkleinerte sie von 65 auf 16 Sekunden.

Die Olympia-Vorfreude wächst

Entsprechend zufrieden war sie danach, auch wenn die Zähne der leichtgewichtigen Athletin in der Interviewzone klapperten, trotz Daunenjacke. «Wenn ich so weiterlaufe und meine Form halten kann, freue ich mich immer mehr auf Olympia», sagte sie über den erfolgreichen Test. Deutlich war auch die Wertung von Trainer Peter von Allmen, mit dem von Siebenthal erst seit dieser Saison zusammenarbeitet: «Hervorragend.»

Dass ihr am Schluss etwas die Kraft gefehlt hatte, erklärte er auch mit von Siebenthals Alter. «Sie ist immer noch jung im Vergleich zur Konkurrenz.» Tatsächlich war sie gestern mit ihren 24 Jahren die Fünftjüngste in den Top 30, die Läuferinnen vor ihr sind alle zwei oder drei Jahre älter. Und vor allem: Sie sind schon viele Jahre im professionellen Trainingsapparat ihrer Verbände integriert. Von Siebenthal hat da weiterhin viel brachliegendes Potenzial. Auch den vergangenen Sommer verbrachte sie als Bergbäuerin auf der Alp ihrer Familie, das Training nebenher erledigend.

Als sie vom Trainerwechsel erfuhr, war sie zuerst etwas unsicher, wie von Allmen ihre Situation akzeptieren würde, «mit dem Werken daheim». Doch der Berner Oberländer, einst als Sprinter im Weltcup unterwegs, arrangierte sich mit ihrem aussergewöhnlichen Modell. ­«Jeder Versuch, an der jetzigen Situation etwas zu ändern, wäre kontraproduktiv», sagte er der NZZ. Erst recht wenn Spitzenresultate auch so glücken. (ebi.)

Erstellt: 10.12.2017, 21:39 Uhr

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