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«Für Österreich wird es noch viel schlimmer»

Weltcup-Paradiesvogel Rainer Schönfelder prophezeit Österreich eine finstere Ski-Zukunft. Sein einstiger Teamkollege Hermann Maier greift die Funktionäre an.

Bissiger Kritiker: Rainer Schönfelder. (Archivbild)
Bissiger Kritiker: Rainer Schönfelder. (Archivbild)
Keystone

Vor dem von vielen für sportlich wertlos gehaltenen Teamwettkampf resultierten für Österreich an der Heim-WM in Schladming aus sechs Bewerben lediglich zwei Bronzemedaillen. Viel zu wenig für ein Land, dessen Skirennfahrer 2011 in Garmisch noch viermal Gold, dreimal Silber und einmal Bronze gewannen. Das ruft natürlich die Kritiker auf den Plan. So auch Rainer Schönfelder, 2004 Gewinner der Slalom-Kristallkugel und 2005 Vizeweltmeister in dieser Disziplin.

«Der österreichische Skisport lebt derzeit von den Erfolgen von Marcel Hirscher und Anna Fenninger. Wenn man Hirscher aus einigen Ergebnislisten dieses Winters streicht, findet man keinen Österreicher unter den Top 10. Starke Einzelleistungen täuschen über die insgesamt schlechte Teamleistung hinweg», erklärte Schönfelder in einem «Kleine Zeitung»-Interview.

«Das Projekt Hirscher würde auch in Afghanistan funktionieren»

Der Tiefpunkt sei aber noch lange nicht erreicht. Österreich müsse sich darauf einstellen, dass es noch viel schlimmer wird. «Uns ist fast der gesamte Unter- und Mittelbau weggebrochen. Wenn man schaut, wo unsere ganz Jungen in den Europacuplisten zu finden sind, schaut es für die nächsten fünf Jahre schlecht aus.»

Die Behauptung, die Erfolge von Marcel Hirscher hingen ursächlich mit der Förderung durch den österreichischen Skiverband (ÖSV) zusammen, weist Schönfelder zurück: «Nein, nein, der ÖSV hat Marcel Hirscher nicht gemacht. Das waren sein Vater und sein privates Team. Das Projekt Hirscher würde in jeder Nation funktionieren, auch in Afghanistan.»

«Mit übertriebenen Erwartungen den Druck erhöht»

Der zweifache Olympiasieger und dreifache Weltmeister Hermann Maier hatte zuvor in seinem Blog die Entscheidungsträger des ÖSV angegriffen. «Es ist an der Zeit, das Umfeld, die Funktionäre und Trainer zu hinterfragen. Anstatt dem Team den Druck zu nehmen, haben sie ihn mit übertriebenen Erwartungen sogar noch erhöht. Unter den Funktionären vermisse ich auch nur einen Anflug von Selbstkritik», so Maier.

Er sieht konzeptuelle Fehler: «Das mit ungeheurem Aufwand betriebene Training gehört genau durchleuchtet. Ich würde mir mehr Kreativität wünschen. Die Freude sollte im Vordergrund stehen. Stattdessen versteckt man sich hinter den Sportlern – im beruhigenden Bewusstsein, dass man im Falle eines Scheiterns in anderer Funktion auftaucht.»

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