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Grenzen ausloten nach dem Fest

Selina Gasparins Ziel ist eine Olympiamedaille – deshalb sind für die Biathletin die Weihnachtstage auch Trainingstage und die Tour de Ski ein Gradmesser

«Ich bin bei den Leuten.» Selina Gasparin wähnt sich vor der Tour de Ski im Olympiafahrplan.
«Ich bin bei den Leuten.» Selina Gasparin wähnt sich vor der Tour de Ski im Olympiafahrplan.
Keystone

Feiern und Zusammensein mit der Familie – für ­Selina Gasparin hat Weihnachten einen hohen Stellenwert. Seit sie und ihr Ehemann Ilja Tschernoussow Eltern sind erst recht. Bald drei Jahre alt ist Tochter Leila, und das Erwartungsfrohe, Begeisterte überträgt sich auch auf die Eltern. Und trotzdem sind für die Weltklasse-Biathletin und den russischen Weltklasse-Langläufer die Festtage ­geprägt vom Sportleralltag. Zwei Trainingseinheiten täglich stehen bei beiden an. Die ­Organisation dieser Tage ist noch einen Tick anspruchsvoller, das Koordinieren der Trainings, der Kinderbetreuung, das Miteinbeziehen der Eltern und der Nanny. Und natürlich das Feiern.

Die Motivation für die weihnächtlichen Einheiten muss Selina Gasparin nicht suchen: Es sind die Olympischen Spiele in Pyeongchang im Februar. Im Zusammenhang damit steht auch ein erstaunliches Kräftemessen: Weil die ersten drei Etappen der Tour de Ski ab nächstem Samstag auf ihrer Trainingsloipe in Lenz stattfinden, startet auch Gasparin. Sie will wissen, wo sie im Vergleich mit den weltbesten Langläuferinnen steht.

Alles auf Olympia

Auf sich bezogen, sagt sie: «Grenzen lassen sich in einem Wettkampf immer besser erkunden als im Training.» Die Weihnachtstage bis zum Tour-Auftakt will sie nutzen und einige spezielle Langlauf-Akzente setzen. In Lenz findet sie dazu die idealen Voraussetzungen. Ohne dass das Biathlon-Spezifische zu kurz käme. Das Schiessen am vollelektronischen Stand mit 30 Scheiben ist kein grosser Zusatzaufwand. Die Biathlon-Arena war vor zwei Jahren der Grund gewesen für ­Selina Gasparin und ihre beiden jüngeren Schwestern Elisa und Aita, den Lebensmittelpunkt vom Engadin in die Region Lenzer­heide zu verlegen. «Die kurzen Wege und die Topmöglichkeiten schätze ich enorm», sagt sie nach wie vor überzeugt von jenem Schritt.

Die Saison ist für die 33-Jährige bisher wunschgemäss verlaufen. In jedem Weltcuprennen lief sie in die Punkteränge. Und die Leistungskurve zeigt aufwärts. Mit den Plätzen 6 (Sprint) und 4 (Verfolgung) überzeugte sie zuletzt in Frankreich. «Diese Rennen waren cool mit den Teilnahmen an der Flower-Zeremonie», sagt sie. Trotzdem betont sie, dass sie diesen ­Ergebnissen keinen allzu hohen Stellenwert beimisst: «Alles ist auf Olympia ausgerichtet, und ich kann nicht die ganze Saison topfit sein.» Auf die Tour de Ski folgt im Januar eine Wettkampfserie mit nochmals neun Rennen. Dort will sie zusätzliche Erfahrung sammeln und ­an Sicherheit gewinnen.

An Selbstsicherheit fehlt es ­Selina Gasparin nicht. Ihre Vergangenheit, die Gesundheit, das Training ohne Unterbruch sowie ihr neues, noch besser auf sie abgestimmtes Gewehr haben dazu geführt. Der Waffenwechsel war ein bewusster Entscheid. Das neue Gewehr hat einen Carbon- statt einen Holzschaft. Dadurch hat sie die Schiessposition verändert. Und die intensive, wochenlange Aus­einandersetzung mit dem Sportgerät, die Diskussionen mit Armin Auchentaller, dem Nationaltrainer der Frauen, die Feineinstellung, der neue Schussblick, die ­Optik, der Abzug und das viele Üben haben sie in den Stehend- und Liegensequenzen weitergebracht. «Ich schiesse konstanter», sagt sie überzeugt.

Die höhere Leistungsdichte und die diffuse Lage ihres Mannes

Auf dem Weg an die Olympischen Spiele fühlt sich Selina Gasparin im Fahrplan. «Ich bin bei den Leuten», sagt sie. Die Möglichkeit auf einen erneuten Medaillengewinn nach Silber 2014 in Sotschi sieht sie – auch auf Gold. Was sie aber auch weiss: «In den letzten Jahren hat die Leistungsdichte weiter zugenommen. Will ich Erfolg haben, muss ich besser sein als in Sotschi und beim Schiessen fehlerfrei bleiben.»

Gar nicht äussern will sie sich zur diffusen Situation ihres Lebenspartners. Ob Tschernoussow in Südkorea antreten will, wird und kann, ist unklar. Allerdings schon vorher könnte er Olympiagold von 2014 erben, als er Dritter über 50 km geworden war. Vor ihm ­waren damals zwei Russen klassiert, denen im Nachhinein ­Doping nachgewiesen wurde.

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