Holdener macht sich verrückt – aber weniger, als auch schon

Wendy Holdener will in dieser Saison endlich, was ihr noch fehlt: Einen Sieg im Slalom gegen Mikaela Shiffrin. Zunächst steht nun aber der Riesenslalom von Sölden an.

Wendy Holdener freut sich auf den Saisonstart. (Video SDA)

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Mikaela Shiffrin ist nicht da – und doch präsent an diesem Donnerstagabend im Hotel der Schweizerinnen in Sölden. Unweigerlich wird die Amerikanerin zum Thema, wenn Wendy Holdener über die Saison spricht, die morgen mit dem Riesenslalom auf dem Rettenbachgletscher beginnt. Als wäre sie ein lästiger Schatten. Nicht einer, der ihr folgt, sondern einer, der ihr vorauseilt.

Noch immer rennt die beste Slalomfahrerin des Landes ihrem ersten Sieg in ihrer Spezialdisziplin hinterher. 22-mal stand sie auf dem Slalompodest, dazu gab es Silber an der WM in St.Moritz, Silber an den Olympischen Spielen in Pyeongchang, gewonnen hat sie nie. Oft lag das eben an Shiffrin, der Wunderfahrerin unter den Technikerinnen.

«Ich fahre einfach länger als sie»

Das kann frustrieren, zermürben. Holdener versucht, es gelassen zu nehmen, sie kennt die Situation allmählich. Im Scherz sagt die 26-Jährige: «Ich habe mir überlegt, einfach länger zu fahren als sie. Bis mir in den Sinn kam, dass sie ja zwei Jahre jünger ist.» Es ist ein Spruch, der Holdener in anderen Jahren nicht über die Lippen gekommen wäre.

Mikaela Shiffrin steht Holdener zumindest im Weltcup noch vor der Sonne. (Bild: Joan Cros/NurPhoto via Getty Images)

Ja, sie ist noch die Perfektionistin von einst, sie ist kaum je zufrieden mit sich, macht sich «manchmal selber verrückt im Training», so sagt sie das, «weil ich immer noch besser und noch besser werden will, obwohl es gar nicht schlecht war». Doch irgendwie, so wirkt es, tut sie das doch weniger verbissen als auch schon.

Beat Tschuor, der Cheftrainer der Frauen, sagt: «Ich war nicht immer dabei im Training, aber wenn ich sie sah, wirkte sie spielerischer, lockerer, ruhig und konsequent. Es muss fliessen, dann passt es.» Dorthin will Holdener kommen.

«Andere sind cooler als ich»

Sie sehe das Ganze jetzt mehr «als Game», sagt sie, als Spiel. «Ich will nicht mehr das Gefühl haben, viel verlieren zu können, sondern will Gas geben für den Sieg. Ich weiss, dass andere Athletinnen cooler sind als ich. Aber so bin ich halt.» Wenn sie am Start stehe, möchte sie «schöne Sportmomente schreiben, das treibt mich an und macht mich lockerer. Und: Ich habe ja auch schon ein paar Sachen erreicht.» Es ist eine Untertreibung.

«Habe ich alles gegeben und waren andere einfach besser, kann ich das gut akzeptieren.»Wendy Holdener

Holdener gehört zu den grössten Figuren des Weltcups der letzten Jahre. Zu den beiden Silbermedaillen im Slalom gesellen sich zweimal WM-Gold und einmal Olympia-Bronze in der Kombination sowie WM- und Olympia-Gold im Team, das sie mit starken Fahrten in den Parallelrennen zum Erfolg führte.

Und doch ist da eben dieser verflixte Slalomsieg, der ihr noch fehlt. «Die Medaillen helfen mir auf der einen Seite, das wegzustecken. Auf der anderen gab es auch kaum ein Rennen, bei dem es schmerzte, dass ich den Sieg verpasst habe. Habe ich alles gegeben und waren andere einfach besser, kann ich das gut akzeptieren.» Nur das letzte Rennen der vergangenen Saison im andorranischen Soldeu, das habe «extrem wehgetan. Weil ich dort vor dem Ziel einfach ein bisschen Tempo rausnahm. Sonst hätte ich den ersten Sieg in der Tasche gehabt.» Sieben Hundertstel fehlten ihr zur Premiere. Die Siegerin? Genau.

Auf ein neues Niveau gehoben

Shiffrin ist das, was Marcel Hirscher bei den Männern über Jahre war: die Überfigur in den technischen Disziplinen und damit auch kaum zu schlagen im Gesamtweltcup. Dreimal in Serie hat die 24-Jährige die grösste Auszeichnung im Skirennsport nun schon gewonnen, Hirscher stand bei acht Triumphen, ehe er Anfang September seinen Rücktritt bekannt gab.

Marcel Hirscher gibt seinen Rücktritt bekannt. (Video: ORF)

Der Österreicher, so sagen es seine Konkurrenten, habe das Skifahren auf ein neues Niveau gehoben, sie inspiriert und motiviert. Gilt Gleiches für Shiffrin? Holdener sagt: «Das Level ist dank ihr schon ein anderes, im Slalom haben wir einen guten Kampf, wir anderen müssen uns ständig antreiben und besser werden. Das ist gut für den Sport.»

Das erste Kräftemessen in den eng gesteckten Stangen gibt es in einem Monat im finnischen Levi. Den frühen Auftakt macht am Samstag der Riesenslalom in Sölden (ab 10 Uhr im Ticker). Holdener gehört im Ötztal nicht zu den grössten Favoritinnen. Das kann helfen. Auch auf ihrer steten Suche nach etwas mehr Lockerheit.

Erstellt: 25.10.2019, 17:51 Uhr

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