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Im Zweifel für die Russen

Der Sportgerichtshof CAS hebt die Dopingsperren von 28 russischen Wintersportlern auf – aus Mangel an Beweisen.

MeinungChristian Brüngger
Alexander Legkow. Er kriegt seine Medaille von Sotschi zurück. Bild: Getty Images

Obschon das CAS in seinem Urteil, das erst summarisch vorliegt, damit explizit nicht sagt, dass es nie ein organisiertes Dopen der Russen rund um die Heimspiele von 2014 gab, ist der Entscheid weitreichend: Denn die offizielle Anmeldefrist für die Spiele, die nächste Woche beginnen, ist abgelaufen.

Trotz der expliziten Starterlaubnis des CAS können diese Russen also nicht einfach nach Südkorea reisen. Damit sieht sich das IOK als Hüterin der Ringe und Verteidigerin eines sauberen Sports gleich vor zwei Grundsatzfragen: Wie diese nun frei gesprochenen Russen doch noch integrieren? Und vor allem: Wie mit dieser schallenden Ohrfeige umgehen?

Wer clever genug seine Athleten mit Doping versorgt, hat exzellente Chancen, dass sie unbestraft davon kommen.

Denn das CAS-Urteil sagt nichts anderes, als dass die Informationen beim sogenannt indirekten Beweisverfahren gegenüber den verdächtigten Russen unzureichend waren. Das IOK glaubte, anhand von Insidern, vielen Dokumenten und Expertisen in 43 Fällen juristisch stichhaltig belegen zu können, dass diese Russen betrogen. Nun hat es lernen müssen, dass das Wissen um Betrug nicht zwingend zum Verurteilen reicht.

In diesem Sinn ist der CAS-Entscheid zu begrüssen. Er zeigt, dass sich der Kampf gegen Doper keineswegs im rechtsfreien Raum bewegt. Das Urteil offenbart auch, wo der Antidoping-Kampf besser werden muss, will er Athleten auf indirekte Weise wegen Dopings bestrafen – er muss detailliertere Informationen besitzen.

Nur: Wenn ein Land wie Russland bis heute negiert, systematisch betrogen zu haben, wird diese umfassende Dokumentierung des Betrugs nahezu unmöglich, wie die Causa verdeutlicht. Wer folglich clever genug seine Athleten mit Doping versorgt, hat zum jetzigen Zeitpunkt exzellente Chancen, dass seine Sportler unbestraft davon kommen.

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Video: Der Dopingflaschen-Skandal

«Dopingproben sind nicht sicher»: Dopingexperte Hajo Seppelt bezweifelt, dass vor den Olympischen Spielen noch Ersatz für die fehlerhaften Behälter beschafft werden kann. (30.1.2018) Video: AFP

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