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Kristallkugel verheisst Fünfkampf der Skiasse

Mit der Abfahrt morgen in Lake Louise wird die alpine Rennsaison lanciert. Und der Kampf um den Gesamtweltcup.

Bode Miller (31)Der Amerikaner gewann den Gesamtweltcup 2005 und 2008. Er hat 31 Weltcup-Siege auf seinem Konto.
Bode Miller (31)Der Amerikaner gewann den Gesamtweltcup 2005 und 2008. Er hat 31 Weltcup-Siege auf seinem Konto.
Keystone
Daniel Albrecht (25)Der Schweizer belegte in der letzten Saison den 7. Platz im Gesamtweltcup. Er gewann bisher drei Weltcuprennen.
Daniel Albrecht (25)Der Schweizer belegte in der letzten Saison den 7. Platz im Gesamtweltcup. Er gewann bisher drei Weltcuprennen.
Keystone
Didier Cuche (34)Der Schweizer wurde  2002, 2007 und 2008 Dritter im Gesamtweltcup. Er gewann in seiner Karriere bisher acht Weltcuprennen.
Didier Cuche (34)Der Schweizer wurde 2002, 2007 und 2008 Dritter im Gesamtweltcup. Er gewann in seiner Karriere bisher acht Weltcuprennen.
Keystone
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Sie ist das Mass aller Dinge im alpinen Weltcup. Die grosse Kristallkugel, die der Sieger im Gesamtweltcup erhält. Auch in WM-Wintern wie diesem thront zumindest für die Fahrer selbst dieser Triumph über allen anderen. Weil er für Konstanz steht und für Vielseitigkeit.

Mit den Rennen in Nordamerika am Wochenende beginnt die Jagd auf diese Trophäe nun endgültig, weil nach dem Prolog in Sölden (Riesenslalom) und dem Ausflug nach Levi (Slalom) auch die Speed-Spezialisten eingreifen. Allerdings sind die «reinen» Abfahrer eine aussterbende Spezies, erfolgreich hat der internationale Skiverband (Fis) den Allrounder gefördert: Um den alpinen Rennsport globaler zu etablieren, wurde mittels Super-Kombi (einer verkürzten Abfahrt und einem Slalomlauf) die technische Seite gestärkt: Denn die wenigsten Nationen können sich im Sommer auf langen Strecken am Gletscher im Speedbereich üben.

In der Schweiz und in Österreich hat aber vor allem die Abfahrt in der Öffentlichkeit einen ungebremst hohen Stellenwert. Doch während der ÖSV dank enormer Breite auf allen Jahrgangsstufen in jeder Disziplin stark war und ist, gerieten die Schweizer in einen Teufelskreis: Durch ihre Fixierung auf die Abfahrt verpassten sie in den 90er-Jahren den Anschluss im Riesenslalom, und damit in der Basis-Disziplin für den Rennsport.

Zwei Schweizer und drei andere

Nun wurde diese Lücke gefüllt, und prompt hat das Schweizer Männerteam im Kampf um den Gesamt-Weltcup als Einziges zwei Anwärter - im Gegensatz zu den Frauen, wo Nadia Styger im vergangenen Jahr als 17. beste Schweizerin war und der Weg zurück noch sehr, sehr lang ist. Hier wird wohl wieder das Trio Lindsey Vonn, Nicole Hosp und Maria Riesch ganz vorne sein. Bei den Männern dürfte ein Quintett den Sieg im Gesamt-Weltcup unter sich ausmachen: Titelverteidiger Bode Miller, seine Vorgänger Aksel Svindal und Benjamin Raich sowie der Neuenburger Didier Cuche und der Walliser Daniel Albrecht. So oberflächlich sei der Blick in die andere Kristallkugel, die der Wahrsagerin, einmal gewagt.

Fragt man aber einen, der es kraft seiner eigenen Geschichte genau wissen muss, weil er selbst viermal Gewinner der grossen Kugel war, tönt das so: «Nur so viel: Die letzten drei Jahre hat immer der den Gesamt-Weltcup geholt, der auch die Disziplinenwertung in der Kombination gewonnen hat» - sagt Hermann Maier.

Cuches Probleme mit den Kurzski

Folgt man Maier, fällt einer aus dem Quintett der Favoriten: Didier Cuche, der Dritte der vergangenen Saison, dessen Versuche mit den kurzen Slalomski scheiterten. Erst läppische 32 Punkte holte er bisher in der Super-Kombi - in sieben Anläufen. Sein erstes Ziel ist der dritte Sieg im Abfahrts-Weltcup in Folge, wo er sich vor allem gegen Miller wehren muss und gegen Michael Walchhofer (Ö), der auf den Thron zurück will, den er vor Cuche zwei Jahre besetzt gehalten hatte. Zudem strebt Cuche den ersten Sieg im Super-G-Weltcup an, den er zuletzt zweimal als Zweiter verpasste, im Frühling um einen Punkt gegenüber Hannes Reichelt.

Der alte und der jüngere Wilde

Vom verbleibenden Quartett im Rennen um den Gesamt-Weltcup kommt Benjamin Raich, dem Zweiten des letzten Winters, eine Schwäche in den Speedevents in die Quere, die für einen grossartigen Techniker wie den Pitztaler selbst unerklärlich ist: In der Verzweiflung hat er in der diesjährigen Vorbereitung auf Abfahrtstraining bewusst verzichtet, «weil ich in dieser Disziplin schlechter wurde, je mehr ich gemacht habe».

Somit wäre man bei einem Favoritentrio angelangt, wobei es für Svindal vermessen wäre, direkt in der Saison nach seiner Pause wegen des schweren Sturzes vor Jahresfrist in Beaver Creek schon wieder vom höchsten aller Ziele zu reden. Das sagt der Norweger selbst, auch wenn er Wettkämpfer genug ist, um nichts von vornherein auszuschliessen.

Also am Ende nur noch ein Duell zwischen dem alten Wilden Miller (31) und dem jüngeren Wilden Albrecht (25)? Die beide mit ihrer Unberechenbarkeit leben müssen? Miller, weil dies tief in seinem Charakter steckt, Albrecht, weil ihm noch viel Erfahrung abgeht.

Was, bitte, soll das denn für ein Blick in die Kristallkugel sein? Zeigt man nur die Schwächen der Kandidaten auf, bleibt im Prinzip gar keiner mehr übrig. Aber vermutlich macht in dieser Saison gerade das den Reiz aus: Wer seine Schwächen am besten überwinden kann, der steht am Ende ganz oben. Mit der Rückkehr von Svindal und der Entwicklung von Albrecht sind neue, selbstbewusste Jäger da, sie alle werden sich gegenseitig auf hohem Niveau Punkte abjagen.

Wer aber, liebe Kristallkugel, bekommt nun am Ende die grosse Kugel? «Vor Prognosen sollte man sich unbedingt hüten, vor allem vor solchen über die Zukunft.» Vermutlich war der amerikanische Schriftsteller Mark Twain selten in Wettbüros anzutreffen.

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