Norwegische Dominanz bei der Tour de Ski

Johannes Klaebo löst Dario Cologna als jüngsten Sieger der Tour ab. Bei den Frauen siegt Ingvild Flugstad Östberg überlegen.

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Die Tour de Ski fand am Sonntag mit Norwegens Johannes Hösflot Klaebo und Ingvild Flugstad Östberg die vor dem Anstieg zur Alpe Cermis erwarteten Sieger.

Klaebo gewann als bislang jüngster Langläufer die Tour de Ski. Der 22-Jährige tritt also auch in dieser Statistik die Nachfolge von Dario Cologna an, der 2009 bei seinem ersten von vier Triumphen acht Monate älter gewesen war. Klaebo verteidigte am Sonntag auf der siebenten und letzten Etappe zur Alpe Cermis seinen Vorsprung in der Gesamtwertung. In dem bis zu 28 Prozent steilen Anstieg schwand sein sattes Polster allerdings bedrohlich. Der Russe Sergej Ustjugow, mit einem Handicap von 1:20 Minuten gestartet, kam bis auf 16 Sekunden heran. Klaebos Landsmann Simen Hegstad Krüger lief noch auf Platz 3 vor. Nach dem Verzicht von Cologna beendeten noch die Schweizer Toni Livers und Jonas Baumann auf den Plätzen 31 und 32 die Tour.

Östberg bei den Frauen völlig überlegen

Nach zwei 2. Plätzen steht auch Östberg erstmals zuoberst auf dem Tour-de-Ski-Podest. Die 28-Jährige feierte ihren Sieg gleich mit einem Doppelschlag. Die einstige Sprint-Spezialistin stellte auch die Tagesbestzeit auf, was wie der Overall-Triumph als Weltcupsieg gewertet wird. Östberg baute ihren Vorsprung auf die Russin Natalia Neprjajewa auf 2:42 Minuten aus - ein Rekordvorsprung in der Tour de Ski.

Einen versöhnlichen Abschluss einer wenig erfreulichen Woche erlebte Nathalie von Siebenthal. Die Berner Oberländerin büsste als Tages-Siebente 1:38 Minuten auf Östberg ein. Die 25-Jährige arbeitete sich noch vom 20. in den 15. Rang vor. In den vergangenen zwei Jahren war Von Siebenthal im Etappenrennen jeweils Achte geworden. «Jetzt nur nicht krank werden», betonte die Schweizerin, denn die Form sei ansteigend.

Aus internationaler Sicht brachte die Tour die Erkenntnis, dass sich Russland als klare Nummer-2-Nation hinter Norwegen festgesetzt hat. Bei den Männern teilten sich die beiden Länder sämtliche Top-8-Plätze, bei den Frauen stiessen drei Russinnen in die ersten sechs vor.

Wie weiter?

Die Tour de Ski 2018/19 stand nicht nur aus Schweizer Sicht unter einem schlechten Stern - Aufgabe von Cologna, Von Siebenthal ausserhalb der Top Ten. Das Etappenrennen, vor 14 Jahren massgebend vom Bündner Jürg Capol entworfen, um dem komplettesten Langläufer zu küren, hat an Ausstrahlung eingebüsst. Zuviele Sportler picken bloss die ersten Rennen heraus, um sich in Form zu laufen. Cologna und auch Martin Johnsrud Sundby hatten schon vor der Tour durchblicken lassen, dass ihnen der Mix der Etappen nicht behagt: Zu sprintlastig, zu wenig lange Rennen, zu wenig Wettkämpfe mit Einzelstarts. Klaebo beispielsweise strich 3:12 Minuten an Bonus ein. Gegen ein solches Polster lässt sich nur schwer ankommen.

Bei den Frauen trat mit Therese Johaug die Beste gar nicht an und auch bei den Männern musste, wie Capol im Gespräch mit der «Aargauer Zeitung» andeutete, hinter den Kulissen geweibelt werden, um den vorzeitigen Ausstieg von Klaebo zu verhindern. Ein Tour-Leader, der zwei Tage vor Schluss aufgibt, wäre nicht gut für den Ruf des Anlasses, der einen beträchtlichen Teil des Marketing- und Medienwerts des gesamten Langlauf-Winters ausmacht.

Mit dem vorübergehenden Ausstieg des traditionellen Etappenorts Oberstdorf wegen der nordischen Weltmeisterschaften 2021 und der verlorenen Volksabstimmung in Liechtenstein zu einem erstmaligen Besuch der Tour im Ländle, fehlt der FIS für die nächste Austragung ein Organisator. Kommenden Winter findet kein Grossanlass statt, damit steigt der Wert der Tour de Ski. «Das Produkt braucht einen Farbtupfer», forderte Capol, der Nordisch-Direktor bei der FIS Marketing AG. Der 53-Jährige denkt an eine spezielle Etappe, einen etwas verrückten Startort («Wieso nicht Moskau?») oder eine revolutionäre Wettkampfform. Bis im Frühling soll Klarheit herrschen. (sda)

Erstellt: 06.01.2019, 16:40 Uhr

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