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Lara Gut und der Sexismus

Wer Erfolg hat, polarisiert. Aber warum ecken manche Sportler an und andere nicht?

David Wiederkehr
Ihr erstes Weltcuprennen gewann Lara Gut schon mit 17 Jahren und 8 Monaten und erfüllte so auf einen Schlag die hohen Erwartungen, die dem Talent aus dem Tessin vorausgeeilt waren. Sie war auch immer noch keine 18, als sie 2009 zwei WM-Medaillen gewann. Doch die Tessinerin war unbequem für Medienschaffende und Verbandsleute, mit denen sie sich regelmässig überwarf. Sie konnte strahlen wie keine Zweite, aber auch schnippisch reagieren wie sonst niemand. Jetzt ist sie die erste Gesamtweltcupsiegerin seit Vreni Schneider.
Ihr erstes Weltcuprennen gewann Lara Gut schon mit 17 Jahren und 8 Monaten und erfüllte so auf einen Schlag die hohen Erwartungen, die dem Talent aus dem Tessin vorausgeeilt waren. Sie war auch immer noch keine 18, als sie 2009 zwei WM-Medaillen gewann. Doch die Tessinerin war unbequem für Medienschaffende und Verbandsleute, mit denen sie sich regelmässig überwarf. Sie konnte strahlen wie keine Zweite, aber auch schnippisch reagieren wie sonst niemand. Jetzt ist sie die erste Gesamtweltcupsiegerin seit Vreni Schneider.
Keystone
An Martina Hingis zeigt sich exemplarisch, was schief laufen kann, wenn Athleten zu früh  oder zu wenig gut vorbereitet grosse Medienaufmerksamkeit auf sich ziehen. Der frühreife Teenager polarisierte durch kecke, selbstbewusste Auftritte und Interviews. So bezeichnete sie die Französin Amélie Mauresmo als «halben Mann», äusserte sich immer wieder politisch unkorrekt oder respektlos – und erhielt die Quittung. Sie habe einfach versucht, ehrlich zu sein, sagte sie zur «NZZ am Sonntag». «Nicht immer war das richtig. Doch darauf ist man mit 17, 18 Jahren nicht vorbereitet.»
An Martina Hingis zeigt sich exemplarisch, was schief laufen kann, wenn Athleten zu früh oder zu wenig gut vorbereitet grosse Medienaufmerksamkeit auf sich ziehen. Der frühreife Teenager polarisierte durch kecke, selbstbewusste Auftritte und Interviews. So bezeichnete sie die Französin Amélie Mauresmo als «halben Mann», äusserte sich immer wieder politisch unkorrekt oder respektlos – und erhielt die Quittung. Sie habe einfach versucht, ehrlich zu sein, sagte sie zur «NZZ am Sonntag». «Nicht immer war das richtig. Doch darauf ist man mit 17, 18 Jahren nicht vorbereitet.»
Keystone
Geliebt haben die Fans Pirmin Zurbriggen, den braven Walliser, diesen erhabenen Alleskönner. Oder Karl Alpiger, der immer lieb war und ständig Vierter. Aber nicht Peter «Pitsch» Müller. Der war erstens Zürcher und kein Bergler und zweitens Zurbriggens Feind im eigenen Lager. «Den Lokalpatrioten wäre lieber gewesen, irgendein Österreicher hätte Pirmin Zurbriggen auf Platz zwei verwiesen», schrieb einst die NZZ. Müllers Verbissenheit als Teenager war legendär und trug ihn weit. Fast doppelt so viele Abfahrten wie Zurbriggen gewann er im Laufe seiner Karriere. Aber: Hatte er je Spass dabei?
Geliebt haben die Fans Pirmin Zurbriggen, den braven Walliser, diesen erhabenen Alleskönner. Oder Karl Alpiger, der immer lieb war und ständig Vierter. Aber nicht Peter «Pitsch» Müller. Der war erstens Zürcher und kein Bergler und zweitens Zurbriggens Feind im eigenen Lager. «Den Lokalpatrioten wäre lieber gewesen, irgendein Österreicher hätte Pirmin Zurbriggen auf Platz zwei verwiesen», schrieb einst die NZZ. Müllers Verbissenheit als Teenager war legendär und trug ihn weit. Fast doppelt so viele Abfahrten wie Zurbriggen gewann er im Laufe seiner Karriere. Aber: Hatte er je Spass dabei?
Keystone
Fast überall, wo er auflief, wurde Reto von Arx ausgepfiffen. Und in Davos vergöttert. Er polarisierte im Schweizer Eishockey wie kein Zweiter, obschon er bodenständig und  gemütlich ist und kein Mann grosser Worte. Doch sein Ehrgeiz, alles für den Sieg zu tun, machte ihn zur Reizfigur. Dazu kam die «Bieraffäre» in Salt Lake City 2002, wegen der er aus Olympia heimgeschickt wurde. Fortan weigerte er sich, für die Schweiz zu spielen. Sein Zwist mit Nationalcoach Ralph Krueger zog sich über Jahre hin. Heute ist er beigelegt, und Von Arx als Assistent zurück im Nationalteam. Natürlich sorgte auch das für Wellen.
Fast überall, wo er auflief, wurde Reto von Arx ausgepfiffen. Und in Davos vergöttert. Er polarisierte im Schweizer Eishockey wie kein Zweiter, obschon er bodenständig und gemütlich ist und kein Mann grosser Worte. Doch sein Ehrgeiz, alles für den Sieg zu tun, machte ihn zur Reizfigur. Dazu kam die «Bieraffäre» in Salt Lake City 2002, wegen der er aus Olympia heimgeschickt wurde. Fortan weigerte er sich, für die Schweiz zu spielen. Sein Zwist mit Nationalcoach Ralph Krueger zog sich über Jahre hin. Heute ist er beigelegt, und Von Arx als Assistent zurück im Nationalteam. Natürlich sorgte auch das für Wellen.
Keystone
Ciriaco Sforza war begnadeter Fussballer, aber streitbarer Charakter. Karl-Heinz Rummenigge verpasste ihm einst den Übernamen «Stinkstiefel», in Kaiserslautern erfand einer den Ausdruck «Giftwolke» für Sforza, dem vorgeworfen wurde, er beherrsche die Mechanismen des Intrigierens. Gefiel ihm an Trainern etwas nicht, behielt er das nicht für sich – es kam vor, dass er seinen Unmut öffentlich machte. Kaiserslauterns ehemaliger Präsident René C. Jäggi sagte vor Beginn von Sforzas Trainerkarriere: «Ich hoffe, dass ihm seine Persönlichkeit nicht im Weg steht, wenn er es mit Charakteren zu tun bekommt, die ihm ähnlich sind.»
Ciriaco Sforza war begnadeter Fussballer, aber streitbarer Charakter. Karl-Heinz Rummenigge verpasste ihm einst den Übernamen «Stinkstiefel», in Kaiserslautern erfand einer den Ausdruck «Giftwolke» für Sforza, dem vorgeworfen wurde, er beherrsche die Mechanismen des Intrigierens. Gefiel ihm an Trainern etwas nicht, behielt er das nicht für sich – es kam vor, dass er seinen Unmut öffentlich machte. Kaiserslauterns ehemaliger Präsident René C. Jäggi sagte vor Beginn von Sforzas Trainerkarriere: «Ich hoffe, dass ihm seine Persönlichkeit nicht im Weg steht, wenn er es mit Charakteren zu tun bekommt, die ihm ähnlich sind.»
Keystone
«Zu Tomba passt der Ferrari, zu mir der Menzi-Muck», hatte Paul Accola einmal gesagt – und 1992 bei Thomas Gottschalk eine Wettfahrt gegen einen professionellen Baggerfahrer gewonnen. Ja: Der Bündner war ungewöhnlich. Als Mensch und Skifahrer. Dass er zwischen 1988 und 2001 vier Olympia- und WM-Medaillen in der Kombination errungen hatte, quittierte er mit der ihm eigenen Nüchternheit: «Was ist schon die Kombination? Die interessiert ja doch kein Schwanz.» An der für die Schweiz erfolglosen Ski-WM 1999 forderte Accola vor laufender Kamera den Rücktritt von Verbandsdirektor Zenhäusern und Cheftrainer Nadig.
«Zu Tomba passt der Ferrari, zu mir der Menzi-Muck», hatte Paul Accola einmal gesagt – und 1992 bei Thomas Gottschalk eine Wettfahrt gegen einen professionellen Baggerfahrer gewonnen. Ja: Der Bündner war ungewöhnlich. Als Mensch und Skifahrer. Dass er zwischen 1988 und 2001 vier Olympia- und WM-Medaillen in der Kombination errungen hatte, quittierte er mit der ihm eigenen Nüchternheit: «Was ist schon die Kombination? Die interessiert ja doch kein Schwanz.» An der für die Schweiz erfolglosen Ski-WM 1999 forderte Accola vor laufender Kamera den Rücktritt von Verbandsdirektor Zenhäusern und Cheftrainer Nadig.
Keystone
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Vielleicht ist an allem ja Christof Innerhofer schuld. Als «geiler Bock» wurde der von einem Teamkollegen bezeichnet, und für ihn selbst ist das wahrscheinlich ein Kompliment. Es sucht sich jeder die Art Image, die ihm am meisten behagt.

Innerhofer – 31-jähriger Südtiroler und Super-G-Weltmeister 2011 – gefällt sich in der Rolle des Schürzenjägers. Gerne mit ihm auf der Bettkante sitzt der «Blick», und so hält sich bis heute das Gerücht, Innerhofer und Lara Gut hätten eine gemeinsame Vergangenheit. «Als Rennfahrerin ist sie zwar Weltklasse, aber wenn sie eine gute Lieb­haberin werden will, muss sie noch viel lernen», hatte er über die Tessinerin gesagt, als diese gerade einmal 17 war. Dass die Liaison «nur ein kurzes Techtelmechtel» war, fügte er noch an.

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