Spannendes Finish mit Vorteil Norwegen

Dario Cologna hat mit der Entscheidung im Skiathlon nichts zu tun und läuft auf Rang 14. Bei den Frauen holt Therese Johaug überlegen Gold.

Spannend bis zum Schluss: Roehte, Sundby und Bolschunow kämpfen um die Medaillen. Video: SRF
Video: Keystone

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Der Norweger Sjur Röthe gewinnt an der Nordisch-WM den Skiathlon über 15 km Klassisch und 15 km Skating. Röthe setzte sich im Sprint gegen den Russen Alexander Bolschunow und seinen Landsmann Martin Johnsrud Sundby durch. Der 34-jährige Sundby wartet damit weiterhin auf einen grossen Einzeltitel. Mittlerweile steht er bei fünf WM- und zwei Olympiamedaillen. Gold gab es jedoch nur mit der Staffel.

Dario Cologna konnte nie um die Spitzenplätze mitkämpfen. Der vierfache Olympaisieger verlor als 14. fast zwei Minuten auf Sieger Röthe, der seinen ersten grossen Einzeltitel gewann. «Ich hatte etwas schwere Beine», suchte Cologna keine Ausflüchte. «Ich musste im klassischen Teil zu viel investieren, um dran zu bleiben.» Man habe nach der durchzogenen Saison aber auch keine Wunder erwarten dürfen. Zweitbester Schweizer war Jonas Baumann als 26.

Röthes erster grosser Titel im Einzel

Den Klassisch-Spezialisten wie Olympiasieger Iivo Niskanen oder Alexej Poltoranin gelang es nicht, bis zur Halbzeit ein Zäsur herbeizuführen. Die letzte Runde nahm eine Fünfergruppe mit den späteren Medaillengewinnern, Niskanen sowie dem Franzosen Clément Parisse an der Spitze in Angriff. Bolschunow machte den stärksten Eindruck, doch die Norweger überliessen dem Russen (und Parisse) mehrheitlich die Führungsarbeit.

Sundby zog den Zielsprint als erster an, konnte seine Pace aber nicht durchziehen. Der 30-jährige Röthe, der 2013 mit der norwegischen Staffel seinen zuvor einzigen grossen Titel gewonnen hatte, zog schnell an ihm vorbei, hatte auf den letzten Metern aber alle Mühe, den Angriff Bolschunows abzuwehren. Der erst 22-jährige Russe hatte in Pyeongchang vier Olympiamedaillen (drei Silber, eine Bronze) gewonnen, sicherte sich in Österreich nun aber erstmals WM-Edelmetall.

Keine Chance hat Sprint-Weltmeister Johannes Hösflot Klaebo. Er begann auf dem zweiten Teil schon früh, sich für die weiteren Rennen - notabene den Teamsprint am Sonntag - zu schonen. Am Ende resultierte noch hinter Jonas Baumann der 30. Rang.

Johaug mit fast einer Minute Vorsprung

Bei den Frauen wurde Therese Johaug ihrer Favoritenrolle gerecht. Die 30-jährige Norwegerin gewann den Skiathlon (7,5 km klassisch und 7 km Skating) überlegen mit fast einer Minute Vorsprung auf ihre Landsfrau Ingvild Flugstad Östberg. Die Russin Natalia Neprjajewa verhinderte als Dritte den totalen norwegischen Triumph. Für Johaug ist es der 8. WM-Titel, der 5. in einer Einzeldisziplin.

Nathalie von Siebenthal gelang in einer für sie enttäuschenden Saison auch an der WM kein Exploit. Die Berner Oberländerin belegte den 18. Rang mit 2:44 Minuten Rückstand auf Johaug. Die 25-Jährige aus dem Lauenen-Tal war danach ratlos: "Ich kann gar nicht zufrieden sein, wie schon die ganze Saison." Zwar sei sie im Skating-Teil noch ein wenig nach vorne gekommen, aber: "Ich fühle mich nicht wie in einem Rennen und kann nicht reagieren. Ich bin irgendwie blockiert." Sie hatte im Klassisch-Teil wie erwartet viel Zeit verloren, konnte aber auch in der von ihr bevorzugten Skating-Technik nicht wie erhofft Ränge gutmachen.

Seit der Rückkehr unschlagbar

Gegen Johaug, die wegen einer Dopingsperre die WM 2017 und die Olympischen Spiele 2018 verpasst hatte, ist seit ihrer Rückkehr auf diese Saison hin kein Kraut gewachsen. Sie gewann sämtliche Distanzrennen, die sie lief, überlegen. Auf dem anspruchsvollen Klassisch-Parcours in Seefeld liess sie bereits nach einem Kilometer sämtliche Konkurrenten stehen. Bei Halbzeit hatte sie 26 Sekunden Vorsprung, im Ziel waren es 57,6 Sekunden. Dennoch zeigte sie sich sehr emotional. Den Tränen nahe erklärte sie: «Das ist so toll. Ich habe zwei Jahre auf diese Titelkämpfe warten müssen.» Johaug hatte immer ihre Unschuld beteuert und führte den Befund auf eine Lippen-Sonnencrème zurück. Sie ist auf bestem Weg, an dieser WM viermal Gold zu gewinnen.

Hinter Johaug entwickelte sich ein Dreikampf um die restlichen zwei Medaillen. Bereits nach dem klassischen Teil waren Ingvild Flugstad Östberg, Natalia Neprjajewa und Astrid Uhrenholdt Jacobsen gemeinsam aufgetaucht. Am Ende hatte die Tour-de-Ski-Siegerin die grössten Reserven. Dahinter gewann die erst 23-jährige Russin Neprjajewa ihre erste WM-Medaille nach Olympia-Bronze mit der Staffel. Auch für Östberg, die Weltmeisterin und Olympiasiegerin im Teamsprint, war es die erste Einzelmedaille an einer WM. (sda)

Erstellt: 23.02.2019, 14:50 Uhr

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