Peier hadert mit den widrigen Umständen

An der Nordisch-WM in Seefeld bleibt dem Schweizer Killian Peier auf der Normalschanze ein Podestplatz verwehrt. Die Polen feiern einen Doppelsieg.

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Nach Bronze von der Grossschanze hätten Killian Peiers Sprünge auch von der Normalschanze eine Medaille verdient gehabt. Nach dem ersten Durchgang lag der Waadtländer mit 98,5 m auf dem 4. Platz – und der zweite war deutlich besser. Dennoch fiel er in den 10. Rang zurück. Der Grund: Der Nassschnee, der im Tirol vom Himmel fiel, machte die Anlaufspur derart langsam, dass weite Sprünge nicht mehr möglich waren. So wurde das Klassement völlig auf den Kopf gestellt.

Mit Dawid Kubacki gewann die Nummer 27 des 1. Durchgangs. Wenn einer mit dieser Ausgangslage noch zuoberst aufs Podest springt, dann braucht er eine gehörige Portion Wettkampfglück. Dieses hatte der Pole – er zählte in Seefeld zu den Favoriten – gepachtet. Der stärker einsetzende Nassschnee liess die Anlaufspur immer langsamer werden. Kubacki hob mit 89,4 km/h ab, der zur Halbzeit führende Japaner Ryoyu Kobayashi brachte aus derselben Luke noch 86,7 Stundenkilometer auf den Tisch. Der Saison-Dominator fiel in den 14. Rang zurück. Die Differenz von 2,7 entspricht im Skispringen Welten. Gemäss der Faustregel kostet der Verlust von 1 km/h gegen 4 Meter.

Die Besten des ersten Durchgangs – sie hatten in Umgang eins von besseren Winden profitiert – blieben zum Schluss chancenlos. So auch Peier, der nach einem keineswegs perfekten Sprung den 4. Zwischenrang belegt hatte. Der Waadtländer wurde noch mit 87,3 km/h gemessen und fiel in den 10. Rang zurück. «Es ist schon schade, dass ich im zweiten Durchgang keine Chance hatte», bedauerte Peier gegenüber SRF. Nach seinem ersten Sprung hatte der WM-Dritte auf der Grossschanze noch davon gesprochen, «trotz den Verhältnissen Spass zu haben». Auf dem Podest standen zum Schluss Kubacki (27. zur Halbzeit), Kamil Stoch (18.) und Stefan Kraft (10.).

«Es gibt immer wieder solche Springen»

Im Endeffekt lagen somit Sportler vorne, die im Training ihre Ambitionen eindrücklich angemeldet hatten. «Der Wettkampf war nicht fair, aber es gab die richtigen Sieger», sagte deshalb der Österreicher Kraft. Simon Ammann hielt fest: «Es gibt immer wieder solche Springen. Wenn man in der falschen Gruppe starten muss, ist man machtlos.» Der Toggenburger zählte im zweiten Umgang auch zu den Frühstartern, er konnte die Chance aber im Gegensatz zu Kubacki nicht nutzen und stiess lediglich auf den 12. Platz vor.

«Unser Sport findet draussen statt, es kann nicht für alle fair sein», meinte Peier. Im Moment sei es schon hart, dies zu akzeptieren. «Aber ich habe eine Medaille gewonnen, die ich nicht erwartete. Ich kann stolz nach Hause gehen», gab er abschliessend zu bedenken.

Kein Glanztag für das Skispringen

Andere bekundeten deutlich mehr Mühe, den Ablauf des Wettkampfs zu akzeptieren. Deutschlands sportlicher Leiter Horst Hüttel war ausser sich und schimpfte gegen die Wettkampfleitung. «Wenn das nicht irregulär ist, dann verstehe ich die Welt nicht mehr. Dafür gibt es ein Wettkampf-Management. Die haben kläglich versagt», sagte er. Auch Trainer Werner Schuster war mit dem zweiten Durchgang nicht einverstanden. «Es ist kein Glanztag für unseren Sport», sagte der ehemalige Coach der Schweizer. Der Deutsche Karl Geiger hatte nach einem wirklich starken Sprung zur Halbzeit noch an zweiter Stelle gelegen, am Ende resultierte der 18. Platz.

Die Jury fehlte das glückliche Händchen, ansonsten hätte sie den Wettkampf nicht unter diesen Bedingungen durchgepeitscht. Zumal der Schneefall kurz nach Ende des Wettkampfs wieder etwas nachliess. «Es war ein bisschen viel Dramaturgie. Die Problematik besteht darin, dass man, wenn man den Wettkampf gestartet hat, zu jedem Zeitpunkt einen Führenden hat», kommentierte der FIS-Renndirektor Walter Hofer das Handeln der Jury. «Du weisst immer erst danach, ob es gut war.»

Die beiden anderen Schweizer verpassten die Qualifikation für den 2. Durchgang. Luca Egloff wurde 36. und Andreas Schuler musste sich gar mit Rang 41 abfinden.

Resultate des WM-Springens von der Normalschanze

Seefeld (AUT). Männer: 1. Dawid Kubacki (POL) 218,3 (93 m/104,5 m). 2. Kamil Stoch (POL) 215,5 (91,5/101,5). 3. Stefan Kraft (AUT) 214,8 (93,5/101). 4. Philipp Aschenwald (AUT) 214,5 (91/103,5). 5. Richard Freitag (GER) 211,3 (93,5/103,5). 6. Stephan Leyhe (GER) 210,6 (96,5/99). 7. Markus Eisenbichler (GER) 210,5 (91/102,5) und Yukiya Sato (JPN) 210,5 (92/99). 9. Michael Hayböck (AUT) 208,5 (93,5/100). 10. Killian Peier (SUI) 207,4 (98,5/98). – Ferner: 12. Simon Ammann (SUI) 205,8 (93/100). 14. Ryoyu Kobayashi (JPN) 203,4 (101/92,5). 18. Karl Geiger (GER) 199,0 (100/92,5). - Nicht im Finaldurchgang: 36. Luca Egloff (SUI) 80,5 (86). 41. Andreas Schuler (SUI) 78,7 (86,5).

Stand nach dem 1. Durchgang: 1. Kobayashi 104,5. 2. Geiger 102,4. 3. Ziga Jelar (SLO) 99,6. 4. Peier 97,1. – Ferner: 10. Kraft 92,6. 18. Stoch 89,4. 22. Ammann 88,4. 27. Kubacki 85,3. (ddu/sda)

Erstellt: 01.03.2019, 16:17 Uhr

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