Vom Staubsauger, den Erfolgen und Enttäuschungen

Eine Saison mit Medaillen und Podestplätzen geht für Wendy Holdener zu Ende. Die Schwyzerin blickt zurück.

Wendy Holdener gibt drei Ski-Tipps an ihre Fans. (Video: Tamedia)

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Schon auf der Fahrt durch den Kanton Schwyz dominiert Wendy Holdener. Je näher der Autoreisende dem Skigebiet Hoch-Ybrig kommt, desto mehr Plakate und Banner sieht er an den Häusern hängen: Bravo Wendy, Gratulation zu WM-Gold, steht da zum Beispiel. Hier ist Wendy Holdener zu Hause, hier ist sie die Nummer 1. Die Schweizer Meisterschaften auf dem Berg, sie sind mehr Holdener-Festspiele denn nationaler Wettkampf.

Es ist Sonntag, der Abschluss dieser Rennen, strahlender Sonnenschein, warme Temperaturen, das Skigebiet Hoch-Ybrig hat seinen besten Anzug übergezogen. Bei den Männern wird Riesenslalom gefahren, die Frauen starten zum Slalom. Holdener gewinnt mit einer Sekunde Vorsprung, zum zehnten Mal darf sich die 25-Jährige Schweizer Meisterin nennen. Öfter haben nur drei Fahrerinnen gewonnen, das war in den 60er- und 70er-Jahren.

Der Knoten platzte zu Neujahr

Schweizer Meisterschaften sind für Holdener aber vor allem eine günstige Gelegenheit, sich Zeit zu nehmen für ihre Fans, insbesondere für die Kleinen. Kaum ein Kind, das an diesem Wochenende nicht mit Unterschrift der Slalom-Spezialistin auf dem Helm über die Pisten kurvt. Der Jubel der Zuschauer ist ihr darum gewiss, als sie als letzte Fahrerin die Wettkämpfe und damit auch ihre Saison abschliesst.

Die Gewinner des Wettbewerbs von Electrolux, Hauptsponsor von Wendy Holdener, und Tamedia jubeln mit der Schwyzerin über den Titel. (Bild: Electrolux)

Eine Saison, die nicht ganz optimal begann. Den ersten Podestplatz gab es im sechsten Versuch, es war der Parallelslalom von St. Moritz. Im Slalom schaffte es Holdener erst zum Jahresende 2018 in Semmering unter die ersten drei. Dann fuhr die Schwyzerin wieder in mittlerweile gewohnten Sphären, in den letzten fünf Slaloms gab es vier Podestplätze und einmal Rang 4.

Man habe vor der Saison immer hohe Erwartungen, erklärt Holdener nach ihrem Sieg auf dem Hoch-Ybrig. «Wenn es dann nicht läuft, tut man sich schwer.» Der Knoten sei dann im Training geplatzt, eigentlich genau rechtzeitig. Holdener sagt: «Ich würde schon sagen, dass ich bei der WM auf dem Höhepunkt war.»

Fertig mit den Sicherheitsfahrten

Die Weltmeisterschaft in Are nennt sie dann auch als ihr Highlight dieser langen Saison, auch wenn es in Schweden zum Schluss eine Enttäuschung gab. Führend nach dem ersten Slalom-Lauf unterlief Holdener im zweiten ein Fehler, der nicht mehr zu korrigieren war. «Ich hatte genug Rennen, in denen ich nichts riskiert habe und nicht um den Sieg gefahren bin», sagt Holdener, «es war an der Zeit, dass ich es probiere.»

Wendy Holdener nach der Enttäuschung beim WM-Slalom von Are. Video: Tamedia

Ein Highlight war die WM dennoch, weil Holdener auch ohne den Slalom zwei Goldmedaillen mit nach Hause nahm. In der Kombination schlug sie Petra Vlhova, mit Ramon Zenhäusern, Daniel Yule und Aline Danioth zementierte sie den Schweizer Status in den Team-Events. «Natürlich gibt es Momente, in denen du haderst», sagt Holdener zu ihrer Bilanz, «aber wenn man schon zwei Goldmedaillen hat, ist es eine andere Situation, als wenn man mit leeren Händen nach Hause gehen muss.»

Bei der WM zweimal ganz oben, blieb im Weltcup einiges gleich. Nach wie vor wartet Holdener auf ihren ersten Sieg im Slalom. Wurde sie in dieser Saison Zweite, wurde sie das hinter Mikaela Shiffrin. Wurde sie Dritte, teilte sie das Podest stets mit Shiffrin und der Slowakin Petra Vlhova. Nur einmal, in Maribor, störte die Schwedin Anna Swenn-Larsson als Zweitplatzierte hinter Shiffrin diese Regelmässigkeit.

Der Staubsauger ist noch nicht bei Shiffrins

Holdener gegen Shiffrin, es war einmal mehr ein einseitiges Duell, weil Shiffrin fast alles dominiert, was es für sie zu dominieren gibt. Abseits der Piste kamen sich die zwei Athletinnen dafür näher, gemeinsam mit der Slowenin Ilka Stuhec und der Italienerin Federica Brignone flogen sie nach Schweden zur WM. «Das war extrem schön», erzählt Holdener, «und es hat die Situation unter den Athletinnen etwas lockerer gemacht.»

Denn privaten Kontakt zwischen Shiffrin und Holdener gibt es kaum vor der Saison. Trotzdem soll die Grossmutter der US-Amerikanerin bald einen Staubsauger von Holdener bekommen, das hat die Schweizerin versprochen. «Sie waren begeistert, als ich gesagt habe, dass ich das organisieren werde», sagt Holdener. Sie habe dafür noch keine Zeit gehabt.

Das ändert sich jetzt mit dem Ende der Saison. Nach einigen letzten Skitagen wird Holdener eine Auszeit nehmen, es geht nach Asien, bis dann Mitte Mai bereits wieder Testtage, Konditraining und Sponsorenevents anstehen. (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 26.03.2019, 16:48 Uhr

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