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Was für andere zum Fürchten ist, macht ihn nicht einmal nervös

Der 19-jährige Skiakrobat Noé Roth springt im Weltcup ganz vorne mit. Im Rampenlicht steht er deswegen aber nicht.

Etienne Sticher
Salti und Schrauben mehrere Meter über dem Boden sind für Noé Roth das Normalste der Welt.
Salti und Schrauben mehrere Meter über dem Boden sind für Noé Roth das Normalste der Welt.
Jeff Swinger/AP Photo

Er steht oben an der Schanze, fährt los, nimmt Tempo auf, wird mit gestreckten Armen in die Luft katapultiert. Wirbelt 10 bis 15 Meter über dem Boden durch die Luft, bevor er wieder landet. Salto an Salto an Salto.

Was nach einer halsbrecherischen Aktion aussieht, ist für den Skiakrobaten Noé Roth das Normalste der Welt. Er werde nicht einmal immer nervös, bevor er abspringt. Selbst bei seinem bisher grössten Auftritt an den Olympischen Winterspielen 2018 in Pyeongchang sei er nicht speziell angespannt gewesen, «weil ich ja nichts zu verlieren hatte».

Beat Feuz, Corinne Suter, Andri Ragettli: Die Schweiz hat derzeit einige Athleten, die auf Ski glänzen – Kristallkugeln gewonnen haben oder gerade um sie kämpfen. Auch Noé Roth. Doch während Feuz, Suter und auch Ragettli in der Öffentlichkeit bekannt sind, springt Roth abseits des Rampenlichts: Skiakrobatik ist Nische, ist Randsport, allem Spektakel zum Trotz.

In die Wiege gelegt

Dass der 19-jährige Zuger Skiakrobat wurde, überraschte niemanden. Seine Eltern waren beide sehr erfolgreiche Skiakrobaten: Mutter Colette gewann 1998 Olympia-Bronze, Vater Michel nahm an drei Weltmeisterschaften teil und ist langjähriger Nationaltrainer. Druck, selbst damit anzufangen, habe es trotzdem nie gegeben, sagt Sohn Noé im Telefoninterview. Er weilt gerade in Kasachstan, wo am Wochenende das nächste Weltcup-Springen stattfindet.

Als er mit 8 Jahren mit Aerials anfing, kannte er die Wasserschanze in Mettmenstetten bereits sehr gut. Als Kleinkind hatte er dort viel Zeit verbracht, ­während sein Vater seiner Trainertätigkeit nachging. Trotzdem schickten ihn seine Eltern zuerst ins Kunstturnen, was eine gute Basis für Aerials darstellt. Vor elf Jahren wechselte Roth dann zur Sportart seiner Eltern und konnte schon einige Erfolge sammeln.

Mit 17 schon an Olympia

Mit 16 debütierte er im Weltcup, mit 17 startete er an den Olympischen Winterspielen, mit 18 holte er seine ersten Weltcup-Medaillen und wurde Dritter an der WM. In der aktuellen Saison legt er aber noch einen drauf: In fünf Wettkämpfen sprang er dreimal aufs Podest und ist momentan Dritter im Disziplinen-Weltcup. Zwischenzeitlich war er sogar Erster.

Roths bisher grösster Erfolg: Bei der Weltmeisterschaft in Deer Valley springt er auf den dritten Platz. Bild: Sean Haffey/Getty Images
Roths bisher grösster Erfolg: Bei der Weltmeisterschaft in Deer Valley springt er auf den dritten Platz. Bild: Sean Haffey/Getty Images

Momentan sei ein Top-3-Platz das Ziel. Erster zu werden, wäre zwar schön, aber auch schwierig, sagt der Zuger. Es wäre nicht die erste Kristallkugel im Hause Roth. «Ich witzle immer darüber, dass eine Kristallkugel dorthin käme, wo jetzt die meiner Mutter steht», sagt Roth.

Erst langsam werden die Erfolge des Zentralschweizers wahrgenommen. Doch das stört ihn nicht, im Gegenteil: «Ich bin eigentlich froh, dass ich nicht zu sehr im Rampenlicht stehe und nicht täglich Interviews geben muss.» Trotz der geringen Popularität von Aerials verdient Roth genug, um davon leben zu können. «Doch wenn ich damit fertig bin, brauche ich sicher einen Job», sagt er.

Was das aber sein wird, wisse er noch nicht. Nach der Sekundarschule begann er zwar eine KV-Lehre, brach sie aber nach einem Jahr ab. Roth: «Das war nichts für mich.» Was er sich aber gut vorstellen könnte: nach seiner aktiven Karriere wie sein Vater als Trainer anzufangen.

Stürze gibt es viele

Dass sein Vater Nationaltrainer ist, sei weder Vorteil noch Nachteil. «Ich werde nicht bevorzugt und auch nicht benachteiligt», sagt Noé Roth. «Im Training ist er mein Trainer, zu Hause mein Vater.» Auch im Team habe es nie Stimmen gegeben, die behaupteten, dass Noé Roth nur wegen seines Vaters dort sei. Dafür sind auch seine Resultate zu gut.

In dieser Saison sind die Resultate nicht der einzige Erfolg Roths. Beim Springen im amerikanischen Deer Valley zeigte er zum ersten Mal einen Dreifachsalto mit fünf Schrauben, den schwierigsten Sprung in der Skiakrobatik. Darauf habe er den ganzen Sommer hingearbeitet. Zuerst auf dem Trampolin, dann auf der Wasserschanze und schliesslich im Schnee.

Angst vor dem Sprung habe er nie gehabt, sagt Rot, obwohl Stürze nicht selten sind und für das ungeschulte Auge häufig furchteinflössend wirken. «Dass ich nach der Landung mit dem Kopf oder Rücken auf den Schnee pralle, passiert oft.»

Doch bisher sei alles gut ausgegangen. Als wäre es das Normalste der Welt.

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