Weltcup-Plakat heizt Sexismus-Debatte an

Eine nackte Skifahrerin wirbt für die Weltcup-Rennen der Frauen im österreichischen Semmering. Das sorgt für rote Köpfe – und die Antwort folgt prompt.

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Ende Dezember macht der Frauen-Weltcup am Zauberberg in Niederösterreich Halt. Derzeit läuft die Werbekampagne für den Riesenslalom vom 28. Dezember und den tags darauf stattfindenden Slalom auf Hochtouren. Sie bringt den Organisatoren allerdings mehr negative als positive Rückmeldungen ein.

Das Motiv auf dem Plakat verärgert viele Betrachterinnen und Betrachter. Als erstes sticht einem die nackte Frau auf zwei Brettern ins Auge. Die Brüste der Skifahrerin auf der Zeichnung von Popart-Künstler Christian Ludwig Attersee sind unübersehbar. Das sorgt nicht nur für Kopfschütteln.

In den sozialen Medien machte sich Unmut über das Plakat breit. Faika El-Nagashi, die im Wiener Landtag und Gemeinderat die Grünen vertritt, schrieb auf Facebook: «Mir fehlen die Worte über diesen vor Respektlosigkeit triefenden Sexismus, der es anscheinend an etlichen Entscheidungsträger*innen vorbei geschafft hat, den Blick des Patriarchats und ein darin kultiviertes Bild der Frau wieder wie einen Pflock in die Landschaft zu stellen.» Mit «es ist zum Schämen» brachte sie ihren Frust auf den Punkt. Sportlerinnen seien Profis und «nicht die Lustvorlage der Herren der Schöpfung».

Eine Frau gab grünes Licht

Politikwissenschaftlerin und Journalistin Corinna Milborn schlug mit Verweis auf das Plakat schriftlich in die gleiche Kerbe: «Was Schirennläuferinnen sind: Extrem mutig. Durchtrainiert bis an die Grenze. Konzentriert. Kämpferinnen mit Biss und Willen zum Sieg. Wie Schirennläuferinnen 2018 auf einem offiziell vom Land Niederösterreich präsentierten Plakat dargestellt werden.»

El-Nagashi warf zudem die Frage auf: «Ist tatsächlich niemandem eingefallen, dass dieses Bild als Sujet für ein Damen Ski Rennen ungeeignet sein könnte?» Offenbar nicht, denn das Plakat wurde gemäss Medienberichten schon Ende November offiziell vom Land Niederösterreich präsentiert und durch Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner abgenommen. Die ÖVP-Vertreterin bedankte sich Anfang Dezember via Facebook sogar beim Künstler für dessen Gestaltung.

«Hier geht es nicht um Kunst»

In einem weiteren Post gab Milborn zu bedenken, dass es nicht darum gehe, wer das Plakat gestaltet habe. «Künstler sollen machen, was sie wollen, und jeder sich die Kunst aufhängen, die gefällt. Hier geht es nicht um Kunst, sondern um ein Werbeplakat, beauftragt vom Verband und dem Land NÖ, das ist das Problem.»

Künstler Attersee reagierte auf den Sexismus-Vorwurf und erklärte, er habe mit seinem Motiv «die Kraft, Eigenständigkeit und das Selbstbewusstsein der Frauen positiv» zeigen wollen. «Brüste gelten seit dem Mittelalter als Ausdruck der Stärke der Frauen gegenüber der kriegerischen Männerwelt», fügte er an.

Klaus Leistner, Generalsekretär des Österreichischen Skiverbandes (ÖSV), gab nach der heftigen Kritik eine Stellungnahme ab. Darin schrieb er unter anderem: «Es lag uns wirklich fern, mit dieser Arbeit eines bedeutenden österreichischen Künstlers die Befindlichkeit von Betrachtern in irgendeiner Weise zu verletzen. Wenn dies unerwartet und unbeabsichtigt eingetreten ist, bedauern wir das aufrichtig.»

Vorschlag für Männer-Plakat als Reaktion

Mehr Feingefühl wäre bei der Wahl des Motivs im Jahr der #MeToo-Debatte zu erwarten und angebracht gewesen. Ausserdem ist der 2017 publik gewordene Missbrauchsskandals im österreichischen Skisport (13 Fälle von möglichen Übergriffen an Internaten und im ÖSV in den 1960er- und 70er-Jahren wurden bestätigt) vielen noch immer präsent.

Gregor Barcal, der als Autor für TV- und Radioshows tätig ist und auch Programme für Comedians schreibt, hat sich auf seine Art in die Debatte eingeschaltet und kurzerhand eine Zeichnung zur Herrenabfahrt in Kitzbühel präsentiert. Sein Werk verkaufte der Wiener als «Attersees Entwurf».

(ddu)

Erstellt: 18.12.2018, 13:30 Uhr

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