Wengen streitet sich mit dem Weltverband FIS

Eine Regeländerung in der Kombination sorgt bei den Lauberhorn-Organisatoren für Unmut.

Die Alpine Kombination am Lauberhorn in Wengen soll geändert werden. Foto: Keystone

Die Alpine Kombination am Lauberhorn in Wengen soll geändert werden. Foto: Keystone

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Es geschah in einer Nacht-und-Nebel-Aktion. Ein Grüppchen einflussreicher Funktionäre traf sich am Abend vor dem FIS-Meeting Anfang Juni im kroatischen Dubrovnik – im kleinen Kreis wurde der grosse Plan geschmiedet. Die Alpine Kombination soll bei den Männern künftig mit Super-G und Slalom ausgetragen werden, nicht mehr mit einer Abfahrt, womit die Techniker noch stärker bevorteilt würden.

Das FIS-Council akzeptierte den Vorschlag, treibende Kraft hinter der Regeländerung war ­offenbar Österreichs Verbandspräsident Peter Schröcksnadel. Will heissen: Wider die Tradition wird der Zweiteiler am Lauberhorn in Wengen mit einem Super-G lanciert, obwohl sich die Strecke dafür nicht eignet. Die Organisatoren wurden vor vollendete Tatsachen gestellt, der Vorsitzende Urs Näpflin erfuhr die nicht eben frohe Kunde von einem Journalisten.

Die Kombination beginnt mit einem Super-G, obwohl sich die Strecke ­dafür nicht eignet.

Gross sei der Ärger, meint Näpflin, weil die Änderung Probleme mit sich bringe. An und für sich wird die Kombination oberhalb des Hundschopfs ­gestartet, der Super-G müsste hinunter­gesetzt werden, weil sonst die zulässige Höhendifferenz für diese Disziplin (650 Meter) überschritten würde. Der Verzicht auf den Hundschopf – eines der Markenzeichen – kommt nicht infrage, weil sich darunter ein grosses Areal für Zuschauer befindet, in diesen Bereich ist massiv investiert worden. Apropos Finanzen: Auf ein drittes Rennen neben der Abfahrt und dem Spezial­slalom sind die Berner angewiesen, sonst geht die Rechnung nicht auf.

Eine Arbeitsgruppe mit bekannten Grössen sollte sich um die Zukunft der serbelnden Kombination respektive um deren Attraktivitätssteigerung kümmern. In diesem Zusammenhang erstaunt der schnelle Beschluss, der mit dem dicht gedrängten Programm und der damit verbundenen Belastung der Fahrer begründet wird. Anders als vor einer Abfahrt müssen vor dem Super-G keine Trainings durchgeführt werden. Eine Kombination mit Super-G ergibt daher in Hinterstoder Sinn, weil dort ansonsten nur ein Spezial-Super-G auf dem Programm steht. In Wengen ­sowie in Bormio jedoch werden zusätzlich Abfahrten durchgeführt, Trainingsläufe sind ohnehin vorgesehen. Kommt hinzu, dass das Gelände am Lauberhorn kaum Spielraum für die Kurs­setzer lässt, etwa beim Brüggli, aber auch vor dem Ziel. «Diese Stellen sollten die Athleten mindestens einmal im Renntempo gefahren sein. Sonst sehe ich ihre Sicherheit gefährdet», sagt Näpflin.

Frust auch in Davos

Er spricht von einem Plan, der nicht ausgereift sei. «Wir werden uns wehren, keine Frage.» Swiss-Ski hat Unterstützung angekündigt. An der Herbstsitzung der FIS Mitte September dürfte das Traktandum nochmals auf den Tisch kommen. Näpflin will sich Gehör verschaffen, punkto Kommunikation sieht er beim Weltverband Verbesserungsbedarf.

Ohnehin wirft das Vorgehen der FIS Fragen auf. Während bei den Männer-Kombinationen der Super-G fixer Bestandteil sein soll, bestimmt bei den Frauen der Veranstalter das Format – eine Begründung für die Inkonsequenz wurde nicht genannt. Dem hiesigen Ärger nicht genug: In Davos wollte eine Gruppe um TV-Experte Marc Berthod am Neujahrstag einen Parallel-Event durchführen, denn die Organisatoren in Oslo, wo die Rennen zuletzt stattgefunden haben, bekunden kein Interesse mehr daran. Nach der Besichtigung des Rennhangs waren die Signale positiv, im Kalender allerdings taucht Davos nun doch nicht auf – am 1. Januar ist erstaunlicherweise kein Rennen mehr vorgesehen.

Erstellt: 12.06.2019, 23:29 Uhr

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