Feuz ass Fondue vor dem Rennen – dann kam seine Partnerin

Beat Feuz nahm den Sport früher nicht so ernst. «Sie hat mir die Augen geöffnet», sagt der Skiprofi über Lebensgefährtin Katrin Triendl.

Zwei, die perfekt harmonieren: Katrin Triendl und Beat Feuz. Foto: Keystone

Zwei, die perfekt harmonieren: Katrin Triendl und Beat Feuz. Foto: Keystone

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Es war einmal ein junger Mann aus einer Bauernfamilie, die schuften musste fürs tägliche Brot. Der junge Mann aber, ­abwechselnd Skijuwel und Jahrzehnttalent genannt, tat nur das Nötigste. Lieber stiess er sich die Hörner ab neben der Piste. Ass Fondue vor dem Rennen. Zeigte sein Bäuchlein. Liess seine lausigen Fitnesswerte lausig bleiben.

Beat Feuz war ein Skifahrer, dem auf zwei Latten alles in den Schoss zu fallen schien. Der dreimal Junioren-Weltmeister wurde und überzeugt davon war, dass schon alles gut kommen würde.

«Beat wird nie ein Fitnessfreak sein. Aber ich habe ihm klargemacht, was wichtig ist für die Gesundheit.»Katrin Triendl, Beat Feuz' Lebensgefährtin

Das ist es. Trotz einigen Irrwegen. Feuz hat elf Rennen gewonnen, zwei davon in Wengen. Er ist kein Müller oder Cuche geworden, die ihren Körper schindeten und von Klimmzügen und Liegestützen träumten. Aber er hat sich gewandelt, hat gelernt, wie ein Spitzensportler zu leben. Manch Coach und Berater mag ihm ­geholfen haben, Einfluss jedoch nahm vorab seine Lebensgefährtin Katrin Triendl. Feuz sagt: «Sie hat mir die Augen geöffnet.»

Kennen gelernt haben sich Triendl und Feuz 2006 an der ­Junioren-WM in Québec. Hier die Musterathletin aus dem Tirol, gleichermassen fleissig wie ehrgeizig, da das schlampige Genie aus dem Emmental, dem selbst die Devise Dienst nach Vorschrift zu viel war. Zwei komplett unterschiedliche Sportler seien sie ­gewesen, mit unterschiedlichen Wertvorstellungen, meint Feuz. Aber eben, es sind Gegensätze, die anziehen. Bald wurden Triendl und Feuz ein Paar, und es ist sein früherer Trainer Sepp Brunner, heute in Diensten der Österreicher, der sagt: «Die Katrin hat das Denken von Beat verändert. Sie hat aus ihm einen echten Athleten gemacht.»

Heimlicher Personal Coach

Triendl wird wie ihr Partner bald 33. Als Skifahrerin war sie diszipliniert, in den Rennen aber stellte sie sich selbst ein Bein, weil sie es zu gut machen wollte. Aufgrund einer Knieverletzung ­hörte sie auf, liess sich zur Physio­therapeutin ausbilden. Und schlüpfte in die Rolle des heimlichen Personal Trainers. Noch heute wirkt sie als Motivatorin, als Antreiberin; sie lockt Feuz aus der Reserve. «Beat ist nie ein Fitnessfreak gewesen, und er wird nie einer sein. Aber ich habe ihm klargemacht, was wichtig für den Körper und die Gesundheit ist.»

So begann Feuz etwa, sich ausgewogener zu ernähren. Und realisierte in gemeinsamen ­Konditionstrainings, wie viel Luft nach oben er hatte. «Dank ­Katrin schaue ich auf Dinge, die ich ­früher nicht beachtet hatte», sagt er. Vor allem aber sei ihm seine Partnerin stets mit Rat und Tat zur Seite gestanden, nicht zuletzt in den Jahren 2012 und 2013, als die Karriere am seidenen Fädchen hing, er sich die Sinnfrage stellte. «Es war schwierig mit mir in dieser Zeit. Katrin hielt mich aus, richtete mich auf. Vielleicht hätte ich ohne sie aufgehört.»

Ihren Job in einer Innsbrucker Sportpraxis hat Triendl gekündigt. Eine Zeit lang kümmerte sie sich ausschliesslich um ihren ­Lebensgefährten, der damals von einem «Geschenk von mir an mich» sprach. Nun ist René van Engelen für Feuz verantwortlich; er war Triendls Arbeitskollege gewesen; sie hat ihren Einfluss walten lassen, damit er bei Swiss-Ski unterkommt.

Wehleidiger Patient

Geblieben ist die Rundumbetreuung daheim im österreichischen Aldrans. «Spürt Beat etwas, kann ich ihn fünf Minuten später präventiv behandeln. Das ist sicher ein Vorteil.» Elf Operationen hat Feuz hinter sich, wenngleich die Knieprobleme kleiner geworden sind, gibt es immer wieder Tage, an denen er starke Schmerzen bekundet. «Wenn die Freundin dich behandeln kann, ist das Luxus», meint der Schangnauer. In der Altjahrswoche wurde er mit gebrochener Hand und zusammengebundenen Fingern in ­Bormio Zweiter und Dritter, was vieles aussagt über seine Schmerzresistenz. Und doch hält sich Feuz für einen wehleidigen Patienten. Er sagt: «Wenn Katrin drückt, werde ich zum Jammeri.» Sie meint: «Ich darf bei jeder Hausfrau ­härter drücken als bei ihm.»

Ihren Einfluss auf Feuz’ Erfolge mag Triendl nicht überbewerten, womöglich blockt sie deshalb viele Interviewanfragen ab. Sie ist die Perfektionistin, bei der alles passen muss, ihr Partner ist der lockere Typ, der Ungerades stehen lassen kann. «Beat ist ­unorganisierter, aber ein ruhiger Pol. Ich bin eine Planerin, aber ungeduldiger.» Kurz: Sie pusht ihn, er bremst sie.

Gipfelstürmer am Lauberhorn: Der zweifache Wengen-Sieger Beat Feuz wird per Hubschrauber von Innsbruck ins Berner Oberland gebracht. Foto: Christian Pfander

Für ihren Freund organisiert und koordiniert Triendl Termine, sie ist die Schnittstelle zum Management und den Medien. Während der Lauberhorn-­Rennen ist das Interesse am Weltmeister von 2017 besonders gross, manchmal wünscht Feuz, sich aus dem Zielraum ins Hotel «beamen» zu können. Und so schirmt Triendl ihren Liebsten auch mal ab. Wobei sie dieses Jahr erst ab Donnerstag vor Ort sein wird. Feuz flog vorgestern mit dem Hubschrauber von Innsbruck via Bad Ragaz nach Wengen. Statt sechs Stunden mit Auto und Zug dauerte die Anreise knapp 90 Minuten – Feuz spricht von wertvoller Energieersparnis.

In Wengen ist er der grosse ­Favorit, 2012 und 2018 siegte er. Wie kein Zweiter vermag Feuz den Schalter umzulegen, wenn es zählt. Es ist eine Qualität, ob welcher Triendl immer wieder staunt, «sogar bei Gesellschaftsspielen wird er besser, wenn es eng wird».

Zuweilen duellieren sich Feuz und Triendl, seit 2018 Eltern von Clea, im Tennis. Sie schlägt sauberer, aber er gewinnt. Anders sieht es beim Langlaufen aus, chancenlos sei er, sagt der 32-Jährige. Als seine Gattin den Napf-Marathon in den Emmentaler Alpen absolvierte, wurde Feuz’ Atem schon vom Zuschauen schwer.

Triendl sagt, Feuz möge es noch immer, gemütlich auf dem Sofa zu sitzen. «Aber er weiss jetzt, wann es Zeit ist, aufzustehen.»

Erstellt: 15.01.2020, 11:50 Uhr

Kryenbühl stürzt im Training

Nach auskurierter Oberschenkelverletzung ist Mauro Caviezel in Wengen mit Trainingsbestzeit in den Weltcup zurückgekehrt. Auch Carlo Janka (8.) überzeugte, Beat Feuz (17.) deckte die Karten wie gewohnt nicht auf. Urs Kryenbühl, überraschender Zweiter in Bormio, stürzte. Er beklagte Schmerzen am Fuss und musste zur Untersuchung ins Spital. Heute findet kein Training statt; aufgrund der Wettervorhersagen ist nicht gänzlich ausgeschlossen, dass die Abfahrt erst am Sonntag, der Slalom dafür am Samstag stattfindet. (phr)

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