Zum Hauptinhalt springen

Auf der Piste gilt er als Wildsau

Niels Hintermann feiert am Lauberhorn überraschend seinen ersten Weltcup-Sieg. Der 21-jährige Zürcher zog bereits in jungen Jahren aus, um Skifahrer zu werden.

MeinungChristian Zürcher
Die grosse Sensation: Niels Hintermann (21 Jahre) gewinnt die Kombination am Lauberhorn. Er profitiert von besseren Bedingungen.
Die grosse Sensation: Niels Hintermann (21 Jahre) gewinnt die Kombination am Lauberhorn. Er profitiert von besseren Bedingungen.
Fabrice Coffrini, AFP
Maxence Muzaton (links, 2.) und Frederic Berthold (rechts, 3.) komplettieren das überraschende Podest.
Maxence Muzaton (links, 2.) und Frederic Berthold (rechts, 3.) komplettieren das überraschende Podest.
François-Xavier Marit, AFP
Justin Murisier, in Führung liegend nach dem Slalom, wird stark vom Schneefall eingebremst und muss sich mit Schlussrang 7 begnügen. Nils Mani wird Fünfter.
Justin Murisier, in Führung liegend nach dem Slalom, wird stark vom Schneefall eingebremst und muss sich mit Schlussrang 7 begnügen. Nils Mani wird Fünfter.
AP Photo/Marco Tacca
Der grosse Favorit Alexis Pinturault hatte nach dem Slalom noch alle Chancen auf den Sieg, doch der immer stärker werdende Schneefall macht auch ihm in der Abfahrt einen Strich durch die Rechnung. Die Disziplinenwertung gewinnt er aber auch diese Saison.
Der grosse Favorit Alexis Pinturault hatte nach dem Slalom noch alle Chancen auf den Sieg, doch der immer stärker werdende Schneefall macht auch ihm in der Abfahrt einen Strich durch die Rechnung. Die Disziplinenwertung gewinnt er aber auch diese Saison.
AP Photo/Marco Tacca
1 / 6

Auf dem Helm von Niels Hintermann klebt der Kopf einer Wildsau - gross und unübersehbar. Nicht ohne Grund: Hintermann gilt auf der Skipiste als Draufgänger und trägt den Übernamen «Il Cinghialone», die grosse Wildsau eben. Der Servicemann hat ihm den Namen verpasst, sein Schützling kann sich damit arrangieren. «Das ist okay, ich fahre ohne Rücksicht auf Verluste.»

21 Jahre alt ist der Sieger der Super-Kombination, 189 cm gross, 94 Kilogramm schwer. Und Flachländer. Darunter hat er anfangs gelitten. Niels Hintermann ist im Zürcher Unterland aufgewachsen und hat das von den Berglern immer wieder um die Ohren geschlagen bekommen. Um die fehlenden Berge zu kompensieren, besucht er bereits als Zehnjähriger die Skihauptschule in Schruns im österreichischen Vorarlberg.

Der Zürcher zieht aus, um Skifahrer zu werden. Mit 14 gehts weiter nach Stams ans Skigymnasium, die Atmosphäre dort behagt ihm nicht, also kehrt er zurück in die Schweiz nach Engelberg. Dort reift er - auch unter dem Einfluss seines Vaters. Der war Trainer beim Zürcher Skiverband und hat den Sohn geschult und gedrillt. Hart und unerbittlich sei er gewesen, schrieb die NZZ.

Zweifacher Schweizer Meister

Die Strecke am Lauberhorn kennt der Zürcher, im Europacup ist er sie bereits gefahren, dazu kamen die beiden Trainings vor dem heutigen Rennen. Wobei diese ihm nicht geglückt sind: Beim zweiten Lauf zerbricht ihm gar beim Start der Stock.

Heute ist das anders: In der Kombination kommt ihm zugute, dass er im Training aus Spass Slalom übt und dass ihm eine glänzende Abfahrt gelingt – zugleich profitiert er vom einsetzenden Schneefall: Für die später Startenden wird es zur Unmöglichkeit, die Zeit von Hintermann zu unterbieten. Bei allem Relativieren bleibt die Gewissheit: Der Schweizer war dann bereit, als er es sein musste.

Hintermanns Talent blitzt schon früh auf, trotzdem leidet er an den Hürden des Skiverbands, denn der Massstab für den Weltcup ist lange Zeit der Riesenslalom. Doch Hintermanns Flair ist das Tempo und weniger die technischen Passagen. Weil die Abfahrten mittlerweile weniger drehen, ist nun auch die Zeit von Hintermann gekommen.

Vergangenen Winter vermag er sein Potenzial erstmals anzudeuten. Er holt im zweiten Einsatz Weltcup-Punkte und gewinnt im Frühling den Schweizer Meistertitel in der Abfahrt und im Super-G. Hintermann sagt damals: «Ich bin glücklich über das Resultat und dass ich nun auch bei den Grossen vorne dabei bin.» Nun ist er definitiv bei diesen Grossen angekommen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch