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Lara Gut-Behrami steht auf dem Podest und ist doch genervt

Die Schweizerin schafft es im Super-G von Bansko in die Top 3 – zum ersten Mal seit einem Jahr. Mit ihrer Art, Ski zu fahren, ist die Tessinerin unzufrieden.

Hinter Shiffrin und Bassino: Lara Gut-Behrami fährt nach genau einem Jahr wieder aufs Treppchen. (Video: SRF)

Lara Gut-Behrami stand im Zielraum von Bansko, nach diesem holprigen Super-G, der für so viele zur Stolperfalle wurde. Die Tessinerin schüttelte den Kopf. Auch sie war nicht ohne Fehler durchgekommen auf der Piste «Marc Girardelli», die schon in den letzten Tagen für Unmut sorgte bei den Speedfahrerinnen, weil sie technisch so viel abverlangt. Ein Ausfall, ein 10.Platz, das war die Ausbeute von Gut-Behrami in den Abfahrten.

Doch gestern reichte ihre Fahrt zu Rang 3 hinter Mikaela Shiffrin und Marta Bassino – und direkt vor Corinne Suter. Auf den Tag genau ein Jahr nach dem 3.Platz im Super-G von Garmisch-Partenkirchen stand die 28-Jährige wieder einmal auf dem Podest. «Das tut gut», sagte sie, «für den Kopf, fürs Vertrauen. Die Erkenntnis ist da, dass es doch noch aufgehen kann.»

Kritik von allen Seiten

Es war ein Befreiungsschlag für sie. Oft war Gut-Behrami in der Vergangenheit kritisiert worden: von Trainern, vom Ausrüster, von Betreuern. Sie trainiere nicht mehr mit der nötigen Ernsthaftigkeit, habe den Fokus verloren, gerade nach der Hochzeit mit Fussballer Valon Behrami im Sommer 2018. Selbst Vater Pauli Gut sagte im Winter darauf: «Bei Lara ist viel passiert: Zuerst kam die Verletzung, dann die Hochzeit – sie muss erst einmal das Gleichgewicht finden. Früher drehte sich alles ums Skifahren, heute gibt es auch anderes.» Doch, sagte er auch noch, das heisse nicht, «dass sie nicht mit 100 Prozent bei der Sache ist».

Pauli Gut ist nur noch selten dabei als Trainer; sein Mandat beim Schweizer Skiverband wurde reduziert. Seine Tochter wird seit dieser Saison vor allem von José Luis Alejo Hervas betreut, der als Konditionstrainer auf Patrick Flaction folgte. Zum ersten Mal in ihrer Karriere gehört Flaction nicht mehr zu ihrem Team. Sie sagt: «Mein Körper hat einen neuen Input gebraucht.»

Den Spanier kennt Gut-Behrami seit der Jugend, als er noch mit der Riesenslalomspezialistin Maria José Rienda Contreras arbeitete und Gut mittrainieren durfte. Nun also ist er bei Swiss-Ski angestellt. Die Zusammenarbeit ist offenbar gut angelaufen, Abfahrtschef Roland Platzer sagt über Alejo Hervas: «Er ist ein super Typ, offen, mit ihm kann man in einer Gruppe gut arbeiten.» Und: «Sie hat sich gut eingefügt. Sie arbeitet wieder mehr und ist auf dem Stand von vor zwei, drei Jahren. Sie ist anders geworden, erwachsener, sie kommuniziert mehr, ist offener.»

Es mögen lobende Worte sein, die Platzer vor dem Start in die Abfahrtssaison fand – die Kritik an ihrer Einstellung in der jüngeren Vergangenheit war gleichwohl deutlich herauszuhören.

Ihre Ansprüche sind andere

Und auf der Piste lief es dann nicht so, wie sie sich das vorgestellt hatte. Vier Top-10-Ränge in 13 Rennen hatte Gut-Behrami bis gestern, keinen Podestplatz, das erfüllt die Ansprüche der Gesamtweltcupsiegerin von 2016 nicht. Skifahrerisch ist sie noch nicht dort, wo sie einst war, als sie noch eine Seriensiegerin war und 24-mal gewann im Weltcup – womit sie in der Schweizer Bestenliste Rang 5 belegt hinter Vreni Schneider (55), Erika Hess (31), Michela Figini (26) und Maria Walliser (25).

In Bulgarien also stand Gut-Behrami immerhin wieder einmal auf dem Podest – und schüttelte doch den Kopf. «Mir ist bewusst, dass noch einiges fehlt. Ich nerve mich allmählich über mein Skifahren, weil immer noch nicht alles stimmt. Ich brauche mehr Vertrauen, um richtig über dem Ski zu stehen. In einzelnen Abschnitten ist es da, aber mir fehlt die Selbstverständlichkeit.» Der einfachste Weg, diese wiederzufinden, führt über den Erfolg. Gestern machte sie in Bansko den ersten Schritt.

Bansko (BUL). Weltcup-Super-G der Frauen: 1. Mikaela Shiffrin (USA) 1:10,88. 2. Marta Bassino (ITA) 0,29 zurück. 3. Lara Gut-Behrami (SUI) 0,70. 4. Corinne Suter (SUI) 0,92. 5. Tina Weirather (LIE) 1,00. 6. Petra Vlhova (SVK) 1,13. 7. Elena Curtoni (ITA) 1,23. 8. Stephanie Venier (AUT) 1,25. 9. Nina Ortlieb (AUT) 1,27. 10. Anna Veith (AUT) 1,35. Ferner: 12. Viktoria Rebensburg (GER) 1,73. 16. Priska Nufer (SUI) 2,32. 17. Joana Hählen (SUI) 2,37. 22. Jasmine Flury (SUI) 2,73. 24. Rahel Kopp (SUI) 2,93. 28. Michelle Gisin (SUI) 3,26. 30. Jasmina Suter (SUI) 3,52. 31. Nathalie Gröbli (SUI) 3,83. - 46 Fahrerinnen gestartet, 37 klassiert. - Ausgeschieden u.a.: Federica Brignone (ITA).

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