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«Wir dachten: Das halten wir nicht durch»

Beat Feuz humpelte zu Beginn der Saison mit Aksel Svindal vom Podest. Nun duellieren sich die beiden um den Abfahrts-Weltcup.

Langzeit-Kniepatienten und doch immer wieder gemeinsam auf dem Podest: Beat Feuz und der Norweger Aksel Svindal (hinten). Foto: Urs Jaudas
Langzeit-Kniepatienten und doch immer wieder gemeinsam auf dem Podest: Beat Feuz und der Norweger Aksel Svindal (hinten). Foto: Urs Jaudas

Was ging Ihnen während des Rückflugs aus Südkorea durch den Kopf?

Endlich darf ich wieder heim! (lacht)

Spürten Sie Erleichterung, als die Olympischen Spiele zu Ende waren?

Ich war glücklich im Flugzeug, mit meinen Medaillen. Es war eine sehr anstrengende Zeit, ich war ausgelaugt. Die Zeit in Pyeongchang kam mir länger vor, als sie effektiv gewesen war. Auch wegen der Verschiebungen, des Drucks.

Sie verstehen es wie kaum ein Zweiter, mit der mentalen Belastung umzugehen. Trotzdem: Beschäftigte es Sie, dass Winterspiele nur alle vier Jahre stattfinden?

Das konnte ich gut ausblenden. Eine ­Herausforderung waren die Programmänderungen. Nachdem die Abfahrt verschoben worden war, passierte vier Tage lang nichts. Das tat mir nicht gut; es war nervig, ich verlor den Rhythmus. Viele Journalisten waren vor Ort, auch ihnen wurde es langweilig. Einige begannen zu philosophieren, sonderbare Theorien aufzustellen – auch rund um mich. Es war nicht einfach, damit umzugehen.

Bronze in der Abfahrt, Silber im Super-G – wie fällt Ihre Bilanz aus?

Sehr positiv. Vor der Abfahrt hatte ich mit einem Medaillengewinn gerechnet. Aber nach meinem Lauf glaubte ich nicht mehr daran, meine erste Reaktion im Fernsehinterview war nicht gespielt. Ich hatte mehrere Fehler begangen, Svindal aber auch. Ich dachte, seine Zeit würde niemals für Gold reichen. Die Medaille im Super-G hingegen kam überraschend. Als ich auf die Anzeigetafel schaute, war ich perplex.

Nach der Abfahrt lautete der Tenor: Feuz hat Gold verloren, nicht Bronze gewonnen . . .

. . . jene, die das sagen und herumnörgeln, haben in ihrem Leben nie eine Olympiamedaille gewonnen. Natürlich, es wäre mehr dringelegen. Aber Bronze in der Hand zu halten, empfinde ich nicht als Selbstverständlichkeit – nicht einmal ansatzweise.

Seit Saisonbeginn weichen Sie ­Fragen zum möglichen Dis­ziplinensieg aus. Mit 40 Punkten Vorsprung und zwei aus­stehenden Rennen muss die Abfahrtskristallkugel nun das Ziel sein, einverstanden?

Auf jeden Fall. Es ist nur noch ein Duell Mann gegen Mann, Aksel Svindal gegen mich. Noch vor ein paar Monaten hielt ich es nicht für möglich, dass es so weit kommen könnte.

Mit Svindal und Ihnen dominieren zwei Athleten die Abfahrt, welche seit Jahren grosse körperliche Probleme bekunden. Wie ist das möglich?

Wir sprechen immer mal wieder darüber. Anfang Saison, als wir in Lake Louise zusammen auf dem Podest standen und danach wegen Knieschmerzen durch die Gegend humpelten, dachten wir: Das halten wir nicht bis zum Schluss durch. Irgendwie aber haben wir es geschafft. Ich konnte etwas mehr trainieren, auf Schnee und im Kraftraum. So gut wie jetzt habe ich mich nie gefühlt in den letzten Jahren.

Die zwei abschliessenden Abfahrten finden in Kvitfjell und Åre statt, wo Svindal Heimvorteil geniesst und wo er einst Welt­meister wurde. Was spricht im Duell für Sie?

Die Piste in Kvitfjell liegt auch mir, in Norwegen gewann ich mein erstes Weltcuprennen. In Åre bin ich noch nie ein Rennen gefahren, ich durfte letzte Woche aber während mehrerer Tage die Strecke testen. Ich liege 40 Punkte vor Aksel, das entspricht dem Wert eines 6. Rangs. Aksel hat die Kugel aber schon gewonnen, er wird wohl locker an die Sache herangehen.

Vor sechs Jahren verpassten Sie den Disziplinensieg um 7 Punkte, was neben dem knapp verlorenen Duell um den Gesamtweltcup unterging. Denken Sie oft daran?

Nein, weil ich dem Verpassten ­damals kaum nachtrauerte. Vor dem letzten Rennen war ich deutlich zurückgelegen. Rang 2 war deshalb ein Erfolg für mich.

Ist Beat Feuz 2018 stärker als der Beat Feuz des Winters 2011/12?

Nein. In der Abfahrt bin ich konstanter geworden. Aber in der Saison 2011/2012 fuhr ich viel mehr Rennen; ich bestritt alle Kombinationen, gewann zwei Super-Gs, punktete im Riesenslalom. So etwas ist heute nur noch Wunschdenken. Ich brauche mittlerweile viel mehr Erholungszeit.

Haben Sie darum diverse Medienanfragen abgeblockt?

Regeneration und Ruhe sind wichtig, ich benötige auch Zeit für mich. Ich habe gelernt, Nein zu sagen, egoistischer zu denken – auch wenn das nicht allen gefällt. Es freut sich kaum jemand, wenn ich den Kopf nicht bei der Sache habe und Fünfzehnter werde. Meine Freundin kümmert sich nun um die ­Anfragen; sie kennt mich am besten und weiss, was sinnvoll ist und was nicht.

Nochmals zurück zu Olympia: Werden Sie 2022 am Start stehen?

Das ist eine schwierige Frage. Ich bin ehrlich: Mein Plan sieht keine vier weiteren Jahre vor. Aber ausschliessen möchte ich es nicht.

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